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Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

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    Bischof Bätzing strebt Segen für homosexuelle Paare an

    Aus Sicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, braucht es dringend eine Änderung der kirchlichen Lehre in der Haltung gegenüber Homosexuellen. Beim Kirchentag sagte er, er wolle "eine Möglichkeit finden, sie zu segnen".

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    Von
    • Martin Jarde

    Es ist eines der derzeit großen Streitthemen in der katholischen Kirche: Die Segnung von homosexuellen Paaren. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat nun bekräftigt, sich dafür einsetzen zu wollen, dass schwule und lesbische Beziehungen in der katholischen Kirche offiziell gesegnet werden können.

    Bätzing: "Möglichkeit finden, sie zu segnen"

    Er hoffe, dass dies im Rahmen des derzeit laufenden Reformprozesses der katholischen Kirche in Deutschland erreicht werden kann, sagte Bätzing am Samstag beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Dabei gehe es um eine "Symbolhandlung", nicht um "große Segnungsgottesdienste".

    "Wenn Paare in Treue und Verlässlichkeit und in einer christlichen Haltung ihre Partnerschaft leben, dann möchte ich auch eine Möglichkeit finden, sie zu segnen." Bischof Georg Bätzing

    Zugleich wiederholte der Limburger Bischof seine Kritik an den zuletzt bundesweit organisierten Segnungsgottesdiensten für Homosexuelle. "Ich halte diese Initiative nicht für hilfreich, gerade weil sie auch als provokativ wahrgenommen wurde." Die Segnungsgottesdienste wandten sich gegen Vorgaben des Vatikan. Mitte März hatte die Glaubenskongregation erklärt, die katholische Kirche habe nicht die Vollmacht, gleichgeschlechtliche Verbindungen zu segnen.

    BDKJ sieht Segnung homosexueller Paare als wichtiges Signal

    Die neue ehrenamtliche Vorsitzende des katholischen Jugenddachverbands BDKJ, Daniela Hottenbacher, sieht das ganz anders. Die Segnungen homosexueller Paare in der vergangenen Woche trotz der Ablehnung aus dem Vatikan sei aus Sicht des BDKJ ein wichtiges Signal gewesen.

    "Das Thema muss auch in den kommenden Jahren vorangetrieben werden", sagte die 30-Jährige am Samstag dem Portal katholisch.de. Während ihrer Amtszeit wolle sie diesen Prozess begleiten und Homosexuelle sowie alle Menschen aus der LGBTQI-Community in der Kirche unterstützen sowie Perspektiven für sie schaffen. "Sie sollen sich über die Arbeit in ihrem Jugendverband trotz allem mit der Kirche identifizieren können", betonte Hottenbacher.

    Vatikan-Vorgaben kamen selbst für Bätzing überraschend

    Bischof Bätzing erzählte beim ÖKT, die Vatikan-Vorgaben seien sehr überraschend gekommen. Er selbst habe erst 15 Minuten vor der Veröffentlichung davon erfahren. Auch habe er an den Vatikan zurückgemeldet - über den Papst-Botschafter in Deutschland und persönlich an den Leiter der Glaubenskongregation -, dass es aus seiner Sicht dringend eine Änderung der kirchlichen Lehre in der Haltung gegenüber Homosexuellen brauche.

    Ist der Segen von Schwulen und Lesben mit der Bibel vereinbar?

    Ob denn Segnungsfeiern theologisch möglich seien, wurde auch auf dem Podium "Schau hin, die trauen sich - Vom Segen der Trauung" erörtert. Die katholische Theologin Julia Knop zeigte sich von der Frage "Wie kann Segnung von Homosexuellen mit der biblischen Botschaft Jesu zusammengebracht werden?" überrascht. "Wie kann die Segnung nicht mit der Botschaft Jesu Christi verbunden werden?", stellte die Dogmatikerin an der Universität Erfurt die Gegenfrage.

    Schließlich sei bei allem Handeln Jesu stets ein Muster zu erkennen: "Er geht zu den Menschen, die gesellschaftlich draußen sind", so Knop. Jesus gehe zu denen, "die in den Augen der Gesellschaft falsch sind" und holt sie in seine Gemeinschaft - ohne jegliche Vorbedingung. Er überwinde die "Logik der Gesetzeswächter, die zuerst schauen, was alles geht", wie Papst Franziskus es ausgedrückt habe.

    Breite Solidarität von nicht-queeren Katholiken für #liebegewinnt

    Doch ob diese Argumentation die Verantwortlichen im Vatikan überzeugt? Nach den Segnungsgottesdiensten unter dem #liebegewinnt diese Woche sei bisher noch keine Reaktion aus Rom gekommen, sagte Jens Ehebrecht-Zumsande, einer der Initiatoren der Aktion und ebenfalls Gast auf dem ÖKT-Podium. Es gab aber "Denunziationsvorlagen" im Netz, bei denen man nur noch den Namen der jeweiligen Seelsorgerinnen und Seelsorger hätte eintragen müssen und diese dann nach Rom hätte schicken können.

    Wie dort darauf reagiert werde, müsse man abwarten. Einschüchtern ließen er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sich davon jedoch nicht. Zum einen seien die Menschen, die zu den Segensfeiern kommen konnten sehr dankbar für diese Möglichkeit gewesen. Zum anderen gebe es aber auch Bewegung in der Kirche: Man habe dieses Mal "vor allem von den Katholiken eine breite Solidarität erlebt, die gar nicht queer sind", so Ehebrecht-Zumsande. "Das ist auch für mich nach 25-jähriger Tätigkeit eine neue Erfahrung."

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