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Biographie über Karl Obermayr: Mit Butterbrot zum Drehort | BR24

© Audio: BR | Bild: Foto Sessner/ BR

"Pumuckl", "Monaco Franze","Rumplhanni": Karl Obermayr überzeugte in vielen bayerischen Serien und Filmen, ebenso als Theaterschauspieler. 35 Jahre nach seinem Tod geht Roland Ernst dem Phänomen des beliebten Schauspielers in einer Biografie nach.

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Biographie über Karl Obermayr: Mit Butterbrot zum Drehort

Karl Obermayr machte Nebenrollen unvergesslich, prägte Kultsätze und hielt als "Manni Kopfeck" stets zu seinem Kumpel "Monaco Franze". Jetzt hat Roland Ernst ihm eine Biografie gewidmet – die auch schildert, wie bescheiden Obermayr beim Filmdreh war.

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Von
  • Anna-Elena Knerich

Karl Obermayr hat in zahlreichen bayerischen Serien und Filmen mitgespielt – vom "Pumuckl" über sämtliche Serien von Helmut Dietl wie "Kir Royal" und "Monaco Franze", bis zum "Tatort". Er stand aber auch an den Münchner Kammerspielen und am Residenztheater auf der Bühne. Vor 35 Jahren ist der populäre Schauspieler gestorben. Unvergessen ist er bis heute vor allem für seine Rolle als "Manni Kopfeck", dem treuen Spezl vom "Monaco Franze".

Seine Sätze sind Kult

"A gmahde Wiesn", "A Hund bist scho" – Manni Kopfecks Sätze sind längt Kult. Aber der Schauspieler Karl Obermayr war viel mehr als nur der Sidekick des ewigen Stenz: ein Grantler von Gnaden, bayerisch-melancholisch, ein meisterhafter Silben-Dehner und genauer Beobachter der Menschen.

Seine ganze Bandbreite wird jetzt in einer umfassenden Biografie über ihn dargestellt – von einem Norddeutschen: Roland Ernst. Der hat ein Faible für die "Ja Mei-Mentalität" im Süden, seit er als Kind die bayerischen Serien sah, erzählt er.

"Karl Obermayr hat mich von Anfang an ganz extrem fasziniert. Es war vor allem diese sehr reduzierte, eindringliche Spielweise. Er brauchte nicht dieses, was man so gern das 'Theatralische' nennt – er war einfach sehr, sehr genau und in diesem Sinne sogar mit Karl Valentin sehr verwandt, wie ich finde." Roland Ernst, Autor der Karl Obermayr-Biografie

In der Komik tragisch

Das Tragische in der Komik zeigt sich vor allem auch in der Figur des Erwin Hillermoser aus den "Münchner Geschichten", etwa, wenn er in einer Beerdigungsszene fast kindlich-grüblerisch über den Tod sinniert. 1931 in Freising geboren, wächst Karl Obermayr in einfachen Verhältnissen auf – und ohne Vater. Sein sehnlichster Wunsch von klein auf ist die große Bühne. Nach seinem Schauspieldiplom 1958 wird er Sprecher beim Bayerischen Rundfunk – bis zu seinem Tod wird er in mehr als 100 Hörspielen mitwirken.

© BR

An der Seite vom "Stenz" Monaco Franze: Karl Obermayr in seiner Glanzrolle als "Manni"

Im Fernsehen spielt er zunächst viele kleine, oft namenlose Rollen. Roland Ernst: "Ich finde, es ist immer etwas schade, dass Leute in Schubladen denken, er ist ein Nebendarsteller gewesen oder so – wenn ich an die Kommissar-Folge 'Tod eines Ladenbesitzers' denke, da ist sein Auftritt 1 Minute 38 Sekunden lang, und trotzdem bleibt er in Erinnerung. Das ist einfach diese unglaubliche Präsenz, die er hatte."

Alle schätzten seine Unaufgeregtheit

1972 sein Durchbruch: Nach Auftritten auf kleinen Münchner Bühnen wird er Ensemble-Mitglied am Schauspielhaus in Hamburg, pendelt aber immer in die Heimat – denn: Er ist jetzt fest im bayerischen Seriengeschäft.

Auf 244 Seiten nähert sich Roland Ernst dem zurückhaltenden Schauspieler lediglich über seine Rollen – oft "die kleinen Leute" – und darüber, wie ihn seine Kollegen charakterisierten. Von allen geschätzt: sein unaufgeregtes Ethos. "Wenn er an den Drehort kam," sagt Ernst, "dann war es fast, als ob er auf Montage war: Da hatte er seine kleine Ledertasche dabei, da war sein Butterbrot drin, und seine Thermosflasche und dann hat er das gespielt, was er spielen sollte und dann hat er sich verabschiedet und ist gegangen – das war's."

© Allitera Verlag

Buch-Cover der Karl Obermayr-Biografie von Roland Ernst

Beliebt und trotzdem bescheiden. Karl Obermayr deshalb als "Volksschauspieler" zu bezeichnen, sei "inkorrekt", schreibt Roland Ernst: Das klinge nach Komödienstadl und seichter Unterhaltung – doch Obermayr spielte zum Beispiel am Residenztheater auch in Stücken von Brecht oder Nestroy.

Und dennoch – er war ein Volksschauspieler: Obermayr stellte die Menschen und das Leben dar, wie sie waren. Großartig etwa, wie Manni Kopfeck dem Monaco Franze die Angst vor den Wagner-Opern nehmen will.

Gestorben auf dem Höhepunkt der Karriere

Zu Obermayrs herausragendsten Rollen zählt Roland Ernst auch den "Ruepp", seine erste Film-Titelrolle, die er erst mit Ende vierzig bekam: Darin spielt er einen verschuldeten Bauern, der an seiner Fehlbarkeit zerbricht. Hier zeigt sich das Zweifelnde, Abgründige, das Karl Obermayr seit seiner Kindheit kennt.

1985 stirbt er an Krebs – auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Die präzise recherchierte Biografie stellt auch seine zahlreichen Rollen jenseits der populären Serien ins Licht – und schafft so ein Andenken an den uneitlen Schauspieler.

Die Biografie "Karl Obermayr" von Roland Ernst ist im Allitera Verlag erschienen.

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