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Bildband: So lässig war der "Goldfinger"-Dreh am Furka-Pass | BR24

© Erich Koclan/Karl-May-Archiv/Steidl-Verlag

Umlagert: Sean Connery vor dem Hotel Galenstock

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Bildband: So lässig war der "Goldfinger"-Dreh am Furka-Pass

Damals gab es noch keine Absperrungen: Im Juli 1964 wurde im Schweizer Urseren-Tal der dritte James Bond gedreht, und alle schauten zu. Ein Bildband dokumentiert jetzt die serpentinenreichen Dreharbeiten - und die Tagespläne von Stars und Stunts.

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Sean Connery gut gelaunt bei der Landung mit einer Alitalia-Maschine am Flughafen Zürich - ohne Toupet! Das trug er nur vor der Filmkamera. Es sind solche Schnappschüsse, die diesen Bildband zum Vergnügen machen. Fröhlich winkend steht er auf einem Felsen, aufgekratzt mit Touristen schäkernd und eher melancholisch in die Ferne schauend. Wer das Glück hatte, im Sommer 1964 am Furkapass unterwegs zu sein, konnte hautnah und fast ohne Sicherheitsmaßnahmen die Dreharbeiten zu "Goldfinger" beobachten. Zahlreiche Schaulustige machten damals Aufnahmen, das Hotelpersonal hatte Gelegenheit, seinen berühmten Gästen bei der Arbeit zuzusehen. Einige Anwohner durften sogar spontan als Statisten mitspielen. Und drei Fotografen dokumentierten das alles: Der Filmjournalist Erich Kocian, der Boulevard-Berichterstatter Josef Ritter vom Schweizer "Blick" und Hans Gerber von der Comet-Photo AG in Zürich. Was sie alle gesehen und erlebt haben, machten jetzt der Filmhistoriker Steffen Appel und Peter Wälty zugänglich, in ihrem neuen Bildband "The Goldfinger Files".

Mit Gert Fröbe in der Bergwelt

Viele Bond-Fans halten "Goldfinger" ja bis heute für den "unerreichten Höhepunkt" der Serie und nicht wenige kennen jede einzelne Szene in- und auswendig. So fliegt Bösewicht Auric Goldfinger alias Gert Fröbe samt Luxusauto nach Genf, um von dort aus seine geheimnisvolle Schweizer Filiale zu besuchen. James Bond heftet sich an die Fersen, rast mit seinem Aston Martin durch die Bergwelt und wird am Furkapass von Tilly Masterson (gespielt von Tania Mallet) beinah erschossen, aus Versehen, wie sich später herausstellt. Eine vergleichsweise kurze Szene, die jedoch mit viel Aufsehen und Aufwand fotografiert wurde.

© Steidl-Verlag

Tolle Aussichten: Cover des Bildbands

Bond-Fans bekommen tiefe Einblicke in den so anstrengenden wie vergnüglichen Dreh-Alltag: Obwohl Sean Connery dafür bekannt war, bis in die frühen Morgenstunden die Bars unsicher zu machen, nicht zuletzt mit "Berichterstatterinnen", wurde auch er am 7. Juli 1964 um 7.30 Uhr im Hotel Galenstock geweckt. Ab 11 Uhr hatte er einsatzbereit am Drehort zu sein. Er schlief während der Woche praktisch nicht, erinnern sich Zeitzeugen wie Tury Dänzer: "Der Perkussionist und ich zogen jede Nacht mit Connery um die Häuser. Einmal setzte er sich in einen Handwagen und ließ sich von uns durchs Dorf kutschieren. Natürlich fiel das Ding um, mit Connery. Unverantwortlich, aber witzig!"

Zwei Polizisten, ein Soldat

Was außer dem Hauptdarsteller sonst noch alles am Set des 7. Juli gebraucht wurde, ist dem Tagesplan zu entnehmen, der dankenswerter Weise im Bildband abgedruckt ist: Drei Autos, neben dem Aston Martin der Rolls Royce von Goldfinger und der Mustang der Attentäterin, das Gewehr, mit dem Tania Mallett auf den Agenten zielt, samt entsprechender Special Effects, ein Arzt für Erste Hilfe-Maßnahmen, fünf Kinder, die Blumen verkaufen, zwei Polizisten, die Ordnung schaffen sollten und ein militärischer Aufpasser, denn die Dreharbeiten fanden in einem "Sperrgebiet" statt. Das Mittagessen und der Tee wurden damals standesgemäß im Hotel Bergidyll im nahe gelegenen Andermatt eingenommen.

© Courtesy Family Holzhauser/Steidl-Verlag

Sean Connery inmitten einer Partygesellschaft

Für Liebhaber des Sechziger Jahre-Chics ist der Bildband eine Fundgrube. So ist ihm zu entnehmen, dass die hochattraktive Tania Mallet damals den Job beim Film schnell wieder an den Nägel hängte. Grund dafür: Für ihren Kurzauftritt im James Bond erhielt sie 150 britische Pfund, in derselben Zeit, nämlich binnen einer Woche, verdiente sie damals als Fotomodell ein Vielfaches, bis zu 2000 Pfund, was inflationsbereinigt heute einem Honorar um die 40 000 Euro entsprechen würde. Kein Wunder, dass die Rolle in "Goldfinger" neben einem Episoden-Auftritt in "Mit Schirm, Charme und Melone" ihre einzigen beiden Tätigkeiten beim Film blieben.

© Urs Flüeler/Picture Alliance

Nicht nur für Fans das Höchste: Furkapass

Mit Schlips in die Gletscher-Grotte

Damals war der Furkapass erst teilweise asphaltiert, weshalb der Rolls Royce von Goldfinger eine mächtige Staubwolke hinter sich her zieht. Vielleicht wünschte sich damals doch der eine oder andere am Set, die Szenen wären, wie ursprünglich geplant, am Genfer See entstanden. Staub, Fels und Geröll waren damals freilich noch lange kein Grund für bequemere "Outdoor"-Klamotten: Die Fotos zeigen, wie Connery mit Anzug und Krawatte, begleitet von Damen im feschen Kostüm eine Gletscher-Grotte inspiziert und im feinen, britischen Schuhwerk über abschüssiges Gelände flaniert, in 2300 Metern Höhe.

© EON Productions Arthur Evans/Steidl-Verlag

Schussbereit: Tania Mallett übt schon mal

Der Ford Mustang war noch "geheim"

Neben dem Hochgebirge am Furkapass, der die Kantone Uri und Wallis miteinander verbindet, gab es weitere Schauplätze in der Schweiz: Die "Pilatus-Flugzeugwerke" in Stans und die Aurora-Tankstelle an der Gotthardstrasse 163 in Andermatt. Dort treffen James Bond und Tilly Masterson aufeinander, weil sie ihre Autoreifen auswechseln lassen muss. Das Angebot des Agenten, sie ein Stück mitzunehmen, lehnt sie dankend ab. Übrigens stellte der Schweizerische James-Bond-Club zum 50. Jubiläum der Dreharbeiten im September 2014 die Verfolgungsjagd am Furkapass nach, mit der damals 73-jährigen Tania Mallett als Stargast und allen drei Autotypen, die im Film gezeigt wurden, wenn auch nicht mit den Originalen. Bei der Gelegenheit erfuhren die Fans, dass der Ford Mustang im Sommer 1964 noch nicht offiziell vorgestellt worden war, so dass der Prototyp abseits des Drehs streng vor den Blicken Neugieriger geschützt wurde.

© Courtesy Family Holzhauser/Steidl-Verlag

So sah damals das Catering aus

Am Furkapass hangelte sich die Filmcrew förmlich von einer Unterkunft zur nächsten: Drehorte waren die Umgebung des Hotels Belvédère, das Hotel Furkablick und das erwähnte Hotel Galenstock, neben den Serpentinen oberhalb des Bergdorfs Realp, übrigens damals die am stärksten von Lawinen gefährdete Gemeinde der gesamten Schweiz. Besonders stressig scheint die Herstellung der sechsminütigen Szene in den Alpen nicht gewesen zu sein: Der Bildband zeigt Aufnahmen, wie Sean Connery gemütlich mit Tania Mallet im Gras liegt, das Fotomodell privat knipst und die Aufmerksamkeit der Touristen genießt, die von der Terrasse aus das Geschehen verfolgen. Und augenscheinlich hatte Connery auch nichts dagegen, für die Kameras seiner Fans zur Verfügung zu stehen, nur konnte er es angeblich nicht ausstehen, als "Mr. Bond" angesprochen zu werden.

© EON Productions Arthur Evans/Steidl-Verlag

Verfolgungsjagd: Fahrbare Kamera

Übrigens waren die Serpentinen am Furkapass für manchen Kamera-Blickwinkel immer noch nicht steil genug: Um möglichst zwei Kurven ins Bild zu bekommen, mussten die Ausstatter teilweise Gerüste aufbauen. Und manches Detail aus dem Hotelzimmer von Sean Connery bleibt dem Leser auch nicht erspart: So sei am Freitag, dem 10. Juli 1964 doch tatsächlich vom Zimmermädchen ein "langes, schwarzes Haar" auf seinem Kopfkissen entdeckt worden. Der Verdacht fiel sofort auf Kellnerin Irmgard, wie ein Barmann beobachtet haben wollte. Aber dieses Rätsel lässt sich wohl nicht mehr aufklären.

Steffen Appel und Peter Wälty (Hrsg.): The Goldfinger Files. The Making of the iconic Alpine Sequence in the James Bond movie "Goldfinger", Steidl-Verlag, 38 Euro.

© BR

Der als Schauspieler bekannte Gert Fröbe besaß als ausgebildeter Bühnenmaler die Technik und das Talent zum Malen, was er auch mit dieser "Bergkirche" von 1941 unter Beweis gestellt hat. Geschätzter Wert: 300 bis 400 Euro

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