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Bildband "Brut" von Maximilian Prüfer

Vom Reiterdenkmal bis zum Hai in Formaldehyd: Kunst, die Tiere zeigt, gibt es häufig. Aber Kunst von Tieren ist bisher eher selten. Der gebürtige Weilheimer und Wahl-Augsburger Maximilian Prüfer hat sich darauf spezialisiert. Von Julie Metzdorf:

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40 Schnecken hat Maximilian Prüfer auf die Reise geschickt. Genauer gesagt: auf ein speziell beschichtetes Papier gesetzt, so sensibel, dass ihre Schleimspuren dauerhaft sichtbar wurden. „Naturanthypie“ nennt er dieses Druckverfahren, an dem er vier Jahre lang gearbeitet hat. Selbst die Abdrücke von Ameisen oder die Flügelschläge von Faltern kann er damit sichtbar machen.

Ein Flügelschlag für die Ewigkeit

Doch es geht um mehr als um ein ästhetisches Bild. Prüfers Arbeiten bilden soziale Modelle ab: Er sucht nach Parallelen zum menschlichen Zusammenleben: die Auswahl seiner Protagonisten ist kein Zufall, die Falter versteht er als Sinnbilder der Vergänglichkeit, Ameisen und Bienen sind als staatenbildende Tiere stellvertretend für den Menschen im Spiel.

"Ich versuche, Evolution und Kultur oder dynamische Naturprozesse aufzuzeigen oder Parallelen zu zeigen. Natürlich auch um Dinge sichtbar zu machen, die vielleicht sonst unsichtbar sind. Wie zum Beispiel ein Flügelschlag von einem Nachtfalter: Kein Mensch weiß, wie der aussieht, oder wie oft schlägt zum Beispiel ein Nachtfalter mit den Flügeln in der Sekunde. Das kann man über andere technische Verfahren darstellen, aber man hat kein naturalistisches, realistisches Abbild."

Für das Bild mit den 40 Schnecken hat Prüfer den Bildträger leicht geneigt. Ausnahmslos alle 40 Tiere krochen bergab und folgten so dem Weg des geringsten Widerstandes. Und die Menschen? Die meisten halten sich für Individualisten mit eigenem Willen, aber sind wir das wirklich?

„Brut“ von Maximilian Prüfer ist bei Hatje Cantz erschienen und kostet 39,80 Euro.