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Die Bilderretter: Hinter den Kulissen des Doerner Instituts | BR24

© BR / Julia Haas

Die Kunstbestände der bayerischen Pinakotheken sind von unschätzbarem Wert - und müssen erhalten werden. Um Konservierung und Restaurierung kümmert sich das Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Eine große Verantwortung.

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Die Bilderretter: Hinter den Kulissen des Doerner Instituts

Die Kunstbestände der bayerischen Pinakotheken sind von unschätzbarem Wert - und müssen erhalten werden. Um Konservierung und Restaurierung kümmert sich das Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Eine große Verantwortung.

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Leicht kommt man nicht hinein in das Doerner Institut: Führungen gibt es nur für Experten vom Fach. Innen reihen sich scheinbar endlose Gänge aneinander, alle durch gleich aussehende Schwingtüren getrennt, an den Wänden hängen Gemälde. Trotzdem hallt jeder Schritt. Direktorin Eva Ortner geht voran. Seit 1. August trägt sie die Verantwortung für das Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Seitdem ist sie die neue Direktorin.

Ein Labyrinth mit hohen Decken

Bilder mit fünf mal acht Metern, solche Maße seien hier kleine Seltenheit, sagt Ortner: "Die großen Werke in der neuen Pinakothek von Piloty oder Kaulbach zum Beispiel."

An einer Wand des großen Restaurierungsateliers ist ein riesiges Gitter angebracht. Dort werden Gemälde vor Arrangements "probe-gehängt". Gerade wird die Staatsgalerie in Aschaffenburg saniert. Hier wird die Neuhängung konzipiert, eine sogenannte "Petersburger Hängung".

Für das barocke Hängekonzept, sei es wichtig, dass jeweils Pendants symmetrisch angeordnet werden, erläutert die Direktorin.

Konservierung steht an oberster Stelle

Weiter hinten, zwischen Staffeleien, Arbeitswägen mit Retuschierpinsel und Farben, stehen zwei Frauen und beugen sich über ein Gemälde. Eine von ihnen trägt eine Lupenbrille. Hier werden gerade ganz aktuell die Gemälde für die Neupräsentation in Aschaffenburg vorbereitet. Für das Doerner Institut fallen hier vor allem konservierende Maßnahmen an.

"Das bedeutete, man nimmt Oberflächenschmutz ab oder man muss gelockerte Malschichten festigen, die einfach alterungsbedingt nicht mehr so fest sitzen." Ein schwarzer Vorhang schützt das Bild, die beiden Frauen heben ihn nur zur Seite. Er diene dem Lichtschutz erklärt die Direktorin.

Dass man im Museum immer auf die Umgebungsbedingungen achten muss, sei wahrscheinlich vielen bewusst. Aber auch hier sei es wichtig, dass nicht zu viel Licht auf das Gemälde trifft. Deshalb nehme man bei diesem besonders lichtempfindlichen Gemälde immer nur die Abdeckung beiseite, wenn daran gearbeitet wird.

Daneben steht eine kleine helle Kugel, ein Lichtmessgerät, das aufzeichnet, wie viel Licht das Gemälde im Lauf der Restaurierung erhält. Mit einer nachträglichen Farbmessung wird dann festgestellt, ob das Licht sich auf das Gemälde ausgewirkt hat. Heute wird in Museen und bei Restaurierungen streng darauf geachtet, dass keine neuen Schäden auftreten und die Bilder so langsam altern wie möglich. Das war nicht immer so.

© BR / Julia Haas

Mitarbeiterinnen des Doerner Instituts kümmern sich um ein Gemälde der Staatsgalerie in Aschaffenburg

Die Bilder haben schon viel erlebt

Neben unzähligen Transporten waren frühere Restauratoren oft nicht zimperlich: "Heute würde man anders herangehen und die Folgen dieser Behandlungen sieht man heute noch."

Ortner erklärt, dass historische Restauratoren oft selbst Maler waren. Außerdem habe bei der Restauration auch der zeitgenössische Geschmack oft eine Rolle gespielt. Früher habe man häufig auch versucht, Gemälde "zu verbessern", indem man eingegriffen hat.

"Vielleicht haben Sie es gesehen, in der Ausstellung in der Alten Pinakothek, Florenz und seine Maler, da hatten wir das restaurierte Bild von Sandro Boticellil, die Beweinung Christi vorgestellt und von diesem Gemälde hatten wir zuvor Übermalungen abgenommen, die im 19. Jahrhundert aufgetragen worden waren, eben auch von einem Restaurator, der dachte, Boticelli noch etwas verbessern zu können." Eva Ortner, Direktorin des Doerner Instituts

Säureattentate und Grundlagenforschung

Nach der Gründung des Doerner Instituts vor mehr als 80 Jahren befasste man sich dort vor allem mit der Maltechnik der alten Meister. Nach wie vor werden dort künstlerische Techniken und Materialien untersucht oder beispielsweise Bindemittel analysiert. Bekannt geworden ist das Institut u.a. für seine Expertise bei Säure-Attentaten auf Kunstwerke.

Ein Mann hatte vor etwa 30 Jahren zwei Flaschen hochkonzentrierter Schwefelsäure auf weltberühmte Gemälde von Albrecht Dürer gekippt. Die Säure ätzte tiefe Furchen in das Kunstwerk. Doch das Doerner Institut konnte die Bilder retten - und wird auch heute immer noch bei Säureattentaten um Hilfe gebeten.

Mit der Zeit hat das Institut zudem viele neue Techniken entwickelt, auch Fälschungen von Bildern können hier entlarvt werden. Zum Doerner Institut gehört nicht nur die Arbeit von Restauratoren, sondern auch von Naturwissenschaftlern und ebenso von Museums- und Ausstellungstechnikern.

"Hauptaufgabe ist dafür zu sorgen, dass die enormen reichen Kunstschätze bewahrt bleiben, möglichst lange, zum Bewahren gehört aber auch die Museumsarbeit, es gehört dazu, die Werke zu präsentieren, die Werke im Bewusstsein zu halten und darauf aufmerksam zu machen, dass es sich lohnt, diese zu bewahren." Eva Ortner, Direktorin des Doerner Instituts

Der Umgang mit Millionen-Schätzen

Bei ihrer Arbeit haben es die Mitarbeiter mit unvorstellbaren Schätzen zu tun. Der Preis der Werke geht in die Millionen. Aber Ortner weiß damit umzugehen: "Wir sind in der Lage, obwohl wir wissen, dass Werke unheimlich wertvoll sind, sie trotzdem in die Hand zu nehmen, sie von A nach B zu transportieren oder unter dem Mikroskop zu untersuchen." Man dürfe es sich in diesem Augenblick, in dem man handelt, gar nicht bewusst machen, mit welchem Wert man es zu tun hat. "Sonst würde man vielleicht anfangen zu zittern."

Ortner kennt die Arbeit der Restauratoren gut. "Ich hab ja erst eine Handwerksausbildung gemacht als Vergolderin, da braucht man auch bereits eine ruhige Hand, um die dünnen Goldblätter auf Bilderrahmen zu legen", erklärt die Chefin.

Später hat sie selbst als Restauratorin am Doerner Institut gearbeitet und einige Jahre die Abteilung geleitet. Jetzt legt sie selbst nicht mehr Hand an. Ein paar Tränen verdrückt sie sich da manchmal schon, meint sie. Gegenüber von ihrem Schreibtisch an der Wand hängen ein paar Kopien einer Restaurierungsarbeit.

"Der Himmel des Gemäldes war komplett mit dunkleren, blaugrauen Farbschichten bedeckt, um ihn ähnlicher zu machen den Himmeln, die Gustave Courbet gemalt hat und unten hat man auch noch die Signatur gefälscht. Das war das Ergebnis der Untersuchungen und nach und nach haben wir uns rangetastet, bis eben feststand, dass der gesamte Himmel übermalt ist. Und wir haben diese Übermalungen abgenommen." Eva Ortner, Direktorin des Doerner Instituts

Belassen haben sie die gefälschte Signatur, falls eine spätere Generation das gerne noch erforschen möchte. Während Eva Ortner das erzählt, kommt sie regelrecht ins Schwärmen. "So ein komplexer Fall wird mit Sicherheit in meiner Berufszeit nicht mehr auftauchen. Leider, es war wirklich eine spannende Detektivarbeit."

Mit ihr ist jetzt eine Frau Direktorin geworden, die für die Aufgabe des Instituts brennt. In ihrer neuen Position hat sie nicht nur Herausforderungen bei der Restaurierung von Gemälden zu stemmen. Das Doerner Institut muss demnächst in neue Räumlichkeiten umziehen, es wird umgebaut. Da etwas Passendes zu finden war gar nicht so leicht, erzählt sie. Nicht nur das Klima und die Raumgröße müssen stimmen, sondern auch die Sicherheit.

Von
  • Julia Haas
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