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"Bieter-Schlacht" um Werk der Malerin Artemisia Gentileschi | BR24

© Artcurial Paris

"Lucretia" von Artemisia Gentileschi

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    "Bieter-Schlacht" um Werk der Malerin Artemisia Gentileschi

    Sensations-Ergebnis für ein düsteres Märtyrer-Gemälde: Eine "Lucretia" der heute bekanntesten Barockmalerin Gentileschi kam in Paris für 4,8 Millionen Euro unter den Hammer. Der Schätzpreis hatte bei unter 800 000 Euro gelegen, die Experten jubeln.

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    Fast 400 Jahre nach ihrem Tod hat die in Rom geborene Malerin einen "Lauf": Die wenigen überlieferten Werke der im 17. Jahrhundert viel gefeierte Artemisia Gentileschi scheinen Kunstsammler derzeit in Atem zu halten. In Paris gab es bei der Artcurial jedenfalls eine erbitterte Bieter-Schlacht um das Ölgemälde "Lucretia", das schließlich für 4,777 Millionen Euro einen neuen Eigentümer fand. Der Vorbesitzer hatte das Bild nach Angaben des Auktionskatalogs in den 1980er Jahren in Cannes erworben und in Lyon aufbewahrt. 2004 war es in einer Ausstellung in Genf zu sehen.

    Opfer einer Vergewaltigung

    Die Kunst-Fachleute des Auktionshauses Artcurial lobten das "immense Talent" von Gentileschi bei der Wiedergabe von Weiß-Tönen und sprachen von einer "eleganten Komposition" mit einer eindringlichen Körpersprache und kunstvoller Drapierung von Seide und Tüll. Tatsächlich war die Künstlerin bereits zu Lebzeiten von Kardinälen und anderen vermögenden Sammlern umschwärmt. Der Gelehrte Cassiano del Pozzo gehörte zu ihren Schutzherrn. In Neapel war sie für den dortigen Vizekönig tätig.

    Dabei hatte Gentileschi als 17-jährige Frau einen gewaltigen öffentlichen Skandal durchzustehen, weil sie der Landschaftsmaler Agostino Tassi sexuell genötigt und die Ehe versprochen hatte, obwohl er bereits verheiratet war. Es kam zu einem aufsehenerregenden Strafprozess wegen Vergewaltigung, der mit Verbannung Tassis endete. Gentileschi stellte ihre Ehre dadurch wieder her, dass sie den renommierten Florentiner Maler Pierantonio Stattiesi ehelichte.

    Im Dezember 2017 hatte Gentileschis "Heilige Katharina von Alexandria" sagenhafte 2,3 Millionen Euro erlöst. Es soll von ihr heute nur noch rund sechzig Bilder geben, die zweifelsfrei zuzuordnen sind. Darunter gibt es mehrere, die sexuell motivierte Gewalttaten darstellen, so auch "Judith und Holofernes", auf dem Judith dem schlafenden Peiniger den Kopf abschneidet.

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