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Biberberater Gerhard Verlaan neben einem Biberdamm

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    Biberberater – Vermittler zwischen Mensch und Tier

    Nachdem der Biber seit fast hundert Jahren ausgerottet war, ist er nun eines der geschütztesten Tiere, die es gibt. Die Folge: Biber übernehmen allmählich die Natur. Das führt zu Konflikten zwischen Mensch und Tier. Biberberater versuchen zu helfen.

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    Von
    • Thomas Hauswald
    • Christina Fuchs

    Angenagte Bäume, Dämme und Biberburgen – bei Spaziergängen an Seen und Bächen sieht man diese in den letzten Jahren immer häufiger. Den Bibern geht es gut in Bayern, sehr gut sogar. Denn: Die natürlichen Feinde Luchs, Bär und Wolf sind hier nicht mehr heimisch. Aber das Leben war für den Biber hier nicht immer so schön.

    Ein "Fisch" mit flauschigem Pelz

    Biber waren ursprünglich fast in ganz Europa zuhause. In Bayern waren sie überall zu finden, abgesehen vom Mittelgebirge und den Alpen. Der Biberbestand ging jedoch im Laufe des 19. Jahrhunderts so stark zurück, dass es um 1900 in ganz Europa nur noch ein- bis zweitausend Biber gab. In Bayern wurde der letzte Biber 1867 erlegt.

    Dabei war es nicht die Zerstörung ihres Lebensraums, die zur Ausrottung führte, sondern das menschliche Nachstellen, dass den Bibern so scher zusetzte. Denn Biber waren vielseitig verwendbar – nicht nur wegen ihres dichten Pelzes, der für wärmende Mäntel und in der Hutherstellung verwendet wurde.

    Auch die katholische Kirche hatte ein besonderes Interesse an diesem "Fisch", der aufgrund seines beschuppten Schwanzes und der amphibischen Lebensweise dazu erklärt wurde und deshalb auch in der Fastenzeit verspeist werden durfte. Ausgerechnet in der Zeit, in der die Biberweibchen trächtig sind.

    Die Biber kehren zurück

    Anfang des 20. Jahrhunderts wurden zunächst die spärlichen Restbestände der europäischen Biber unter Artenschutz gestellt, bevor Russland, Lettland und Schweden bereits in den 1920er und 1930er Jahren begannen, die Biber wieder anzusiedeln. In Bayern wurde 1966 – genau 99 Jahre nach der Ausrottung – der erste Biber wiedereingebürgert. Bis 1982 folgen etwa 120 weitere Tiere in Reviere an Isar, Inn, Donau und am Ammersee.

    Das Projekt war erfolgreich. Mittlerweile leben über 12.000 Biber in Bayern. Deutschlandweit sind es in etwa 20.000 Tiere.

    Wildtiere mit großer gestalterischer Kraft

    Wie kein anderes Tier beeinflussen und gestalten Biber ihren Lebensraum, bauen Biberburgen und Dämme und haben dadurch einen enormen Einfluss auf die Artenvielfalt und den Wasserhaushalt in ihrem Revier. Sie verändern damit ihren Lebensraum nicht nur für ihren eigenen Nutzen, sondern auch zum Vorteil anderer Lebewesen.

    So bieten Biberbauten Fischarten wie Äschen und Forellen wichtige Laichgründe, aufgestautes Wasser wird zum Lebensraum für Amphibien, Libellen, Wasservögel und Wasserpflanzen und die Zusammensetzung der Vegetation verändert sich zugunsten nässetoleranter Pflanzenarten.

    Auch die angenagten Bäume bieten, nachdem sie abgestorben sind, wichtigen Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Pilz- und Insektenarten.

    Doch auch wenn die Biber einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten, sind sie nicht bei allen beliebt, denn vor allem Landwirte haben oft mit den Folgen der Biber-Ansiedlung ihre Probleme.

    Konfliktpotential zwischen Mensch und Biber

    Leben die Biber in der Nähe von bewirtschafteten Feldern, steigt das Konfliktpotential: Sei es, weil sich die kleinen Vegetarier gerne an Zuckerrüben, Mais, Getreide und Co. bedienen, die Biber beim Annagen der Bäume auch nicht vor Nutzholz halt machen, oder auch Äcker und Weideflächen von den Nagern unterhöhlt oder auch überschwemmt werden.

    In solchen Fällen wird Gerhard Verlaan zur Hilfe gerufen. Er ist einer von etwa 200 ehrenamtlichen Biberberatern, die in ganz Bayern Biber-Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen und helfen, Biberschäden vorzubeugen. Wie zum Beispiel bei einer drohenden Überschwemmung landwirtschaftlich genutzter Flächen, erzählt Gerhard Verlaan: "Da machen wir den Damm etwas auf. Das ist jetzt nur eine Vorsorgemaßnahme, damit das Wasser, wenn es noch höher steigen würde, nicht in die angrenzenden Felder oder Grundstücke einlaufen kann."

    Biberbauten dürfen nicht von Menschenhand beschädigt werden

    Auch wenn Schäden an Dämmen oder Biberburgen festgestellt werden, kommen Biberberater wie Gerhard Verlaan dazu, um einzuschätzen, ob es sich um ein menschliches Eingreifen handelt oder um eine natürliche Ursache. War es ein Mensch, muss er ermittelt werden und Strafe zahlen.

    Davon, als Betroffener selbst Hand anzulegen, rät der Biberberater klar ab: "Wenn ein Betroffener am Damm oder an der Burg etwas zerstört und er wird dabei erwischt, schreibt das Gesetz bis zu fünf Jahre Haft oder 50.000 Euro Strafe vor."

    Zuständig für Biber sind in Bayern die Naturschutzbehörden an den Landratsämtern oder den Verwaltungen der kreisfreien Städte. Sie vermitteln bei Fragen und Problemen den örtlichen Biberberater.

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