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Bhutan, Land des Donnerdrachens: Glücklich dank Buddhismus? | BR24

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Im Königreich Bhutan gilt nicht Wohlstand als Maßstab gesellschaftlichen Handelns sondern das "Bruttonationalglück". Und tatsächlich: Viele Bhutaner sind mit ihrem Leben zufrieden. Welchen Anteil daran hat die Religion, der Buddhismus?

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Bhutan, Land des Donnerdrachens: Glücklich dank Buddhismus?

Im Königreich Bhutan gilt nicht Wohlstand als Maßstab gesellschaftlichen Handelns sondern das "Bruttonationalglück". Und tatsächlich: Viele Bhutaner sind mit ihrem Leben zufrieden. Welchen Anteil daran hat die Religion, der Buddhismus?

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Von
  • Michael Marek
  • BR24 Redaktion

Mitten im Himalaya: ein Land von der Größe der Schweiz. Druk Yul heißt das Königreich auf Dzongkha, der Sprache seiner Einwohner oder: Land des Donnerdrachens, der Staatsname Bhutans. Zwischen China und Indien leben hier 770.000 Einwohner nach buddhistischer Religion: Das Königreich Bhutan gilt als Land des Glücks, weil hier das "Bruttonationalglück" und nicht nur das Bruttosozialprodukt gemessen wird. Denn das Recht auf Glück ist in Bhutan per Gesetz Ziel allen staatlichen Handelns und in der Verfassung verankert.

Vajrayana - der direkte Weg zur Erleuchtung

Der Vajrayana-Buddhismus ist in Bhutan Staatsreligion und Teil des indotibetischen Buddhismus. Übersetzt bedeutet Vajrayana "Diamantfahrzeug". Der besonders harte und glänzende Edelstein steht für das Wesen Buddhas. Vajrayana gilt als schneller Weg zur Erleuchtung im Diesseits. Wer ihn einschlagen will, muss sich in fast völlige Isolation in ein Kloster begeben - mindestens drei Jahre lang. Zu den täglichen Praktiken im Vajrayana gehören Gebete, Yoga-Übungen, Mantras und Mudras, das sind Handgesten.

Übungen für den Geist und Opfer für die Götter

Ziel ist es, höhere Bewusstseinszustände zu erreichen, weg von persönlichen Zwängen, egoistischen Interessen, hin zur Freiheit des Geistes. Als Wegweiser ins Nirwana dient zudem ein ganzes Pantheon von Gottheiten – gute wie böse. Sie erwarten regelmäßig Opfergaben in Form von Nahrungsmitteln. Neben Bhutan wird Vajrayana noch in der Mongolei, in Japan und China praktiziert.

Bhutaner beten im Schnitt bis zu zweieinhalb Stunden pro Tag

Religion spielt eine große Rolle: Zehn Prozent der Bhutaner sind Mönche. Laut Statistik beten die Menschen im Durchschnitt 36 Minuten pro Tag, die Älteren sogar zweieinhalb Stunden. Wie viele Bhutaner war auch der 36-jährige Reisebegleiter Sonam Loday auf einer Klosterschule. Betritt er einen Tempel, fällt er sofort auf den Boden und senkt dreimal Stirn und Brust symbolisch vor Buddha und beginnt, ein Mantra zu rezitieren. "Das ist ein Mantra, um den Gott der Achtsamkeit anzusprechen", erklärt er, "auf Sanskrit heißt er Avalokiteshvara. Wir singen dieses Mantra, um ihn zu ehren. Wer dieses Mantra mehrmals täglich wiederholt, dessen Leben wird von Erfolg gesegnet sein." Sein Rezept für Lebenszufriedenheit.

Bhutan-Experte: Glück ist in einem Entwicklungsland relativ

Ist es die Religion, der Buddhismus, der die Menschen in Bhutan zufrieden macht? Der Historiker Karma Phuntsho hat 2013 als erster Bhutaner eine Gesamtgeschichte des Landes auf Englisch vorgelegt. Den Mythos vom Land der Glücklichen kann er nicht ganz bestätigen. "Acht bis zehn Prozent aller Bhutaner leben in bitterer Armut. Wenn man nicht genug Brot zum Essen hat, wenn man über kein sauberes Wasser zum Trinken verfügt, kann man nicht wirklich sagen: Diese Menschen sind glücklich. Natürlich gibt es Bhutaner, die sich trotzdem glücklich fühlen. Aber Menschen brauchen Mindestvoraussetzungen für ein glückliches Leben. Und als Drittweltland kämpft Bhutan mit diesen Bedingungen."

Glück als Geisteshaltung und buddhistisches Erbe

Trotzdem bestätigen landesweite Umfragen eine relativ hohe Lebenszufriedenheit in der Bevölkerung. Und die hängt durchaus mit der Religion zusammen, schätzt der Wissenschaftler: "Wir haben diese enge Verbindung mit der Natur. Das ist der zentrale Aspekt unserer Identität, unseres Lebensstils. Der zweite wichtige Faktor ist der Blick nach innen, anstatt allein auf äußere Entwicklungen zu achten – die Erkenntnis, dass Glück eine Geisteshaltung ist. Das ist unser buddhistisches Erbe, und es kann sicherlich den Rest der Welt beeinflussen."

Entspannte Religiosität befördert Lebenszufriedenheit

Padmasambhava brachte den Buddhismus im achten Jahrhundert ins Königreich der Achttausender. Guru Rinpoche, Edler Guru, nennen die Bhutaner ihren Schutzpatron bis heute ehrfürchtig. Doch bei aller Ehrfurcht scheint den Gläubigen auch im Bezug zu ihrem Guru ein eher entspanntes, lebensbejahendes Verhältnis zur Religion eigen zu sein. "Ich habe Guru Rinpoche sogar einmal persönlich getroffen und ihn um seinen Segen gebeten", scherzt Reisebegleiter Sonam Loday augenzwinkernd. "Eigentlich dürfen wir ihn ja nicht ansprechen, aber irgendwie begann mein Mund zu fragen: Wie geht es dir, Guru Rinpoche? Darauf er: Sehr gut. Und wie geht es dir? ... Oh, was war ich glücklich ihn zu treffen, mit ihm zu sprechen."

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