Merle Greiser digitalisiert Schellack-Platten.
Bildrechte: BR/Tobias Burkert

Rund 6000 alter Schellack-Platten digitalisiert und katalogisiert die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik in Uffenheim derzeit.

    Bewahrungsauftrag: Forschungsstelle für fränkische Volksmusik

    Die Aufgabe ist gewaltig: Rund 6.000 alter Schellack-Platten digitalisiert und katalogisiert die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik in Uffenheim derzeit. Tausende Postkarten von Blaskapellen kommen noch hinzu.

    Merle Greiser schlüpft in den weißen Stoffhandschuh, zieht behutsam eine glänzende, schwere Schellack-Platte aus der Papierhülle und legt die Nadel auf die Rille. Es spielt die Blaskapelle aus dem mittelfränkischen Happurg "Mei Kunnala", also fränkisch für "Meine Kunigunde". Die Aufnahme ist von 1928. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin digitalisiert das Musikstück, versieht es im Online-Archiv mit vielen Informationen wie Aufnahmeort, Entstehungsprozess, Besetzung der Kapelle. Wieder bleibt ein kleiner Teil fränkischer Volksmusik für die Nachwelt erhalten.

    "Es sind Belege, wie Menschen vor 100 Jahren Musik gehört haben und wie auch schon damals Plattenfirmen damit Geld verdienen wollten." Merle Greiser, Forschungsstelle für fränkische Volksmusik

    6.000 Platten digitalisieren

    Rund 1.500 solch alter Aufnahmen hat die Uffenheimer Forschungsstelle schon wissenschaftlich aufgearbeitet. Nicht zum Selbstzweck. Die umfangreichen Dokumentationen sind für die Öffentlichkeit online einseh- und einhörbar. Ein wahrer Schatz für Musiker und Volksmusikinteressierte, denn unter Angabe der Quelle können Lieder auch gesamplet und weiterverwendet werden. Im Archiv nebenan stapeln sich die Kartons. In den Regalen chronologisch nummeriert stehen noch etwa 6.000 weitere Platten, die auf Merle Greisers Handschuh warten.

    Musikalische Spender

    Gleich neben der Forschungsstelle in der Uffenheimer Schloßstraße wohnt Nachbar Karlheinz Harttung. Er entstammt einer großen Musikerfamilie und bringt immer wieder interessante Fundstücke zur Archivierung vorbei, vor allem Teile alter Instrumente. Dieses Mal bringt er zwei in rotes Leder gebundene Fotoalben. Darin hunderte Postkarten aus dem 19. Jahrhundert. Sie alle stehen im Zusammenhang mit Auftritten von Blaskapellen aus ganz Franken. Sogar Harttungs Opa war oft mit von der Partie. Der freudige Spender möchte somit nicht nur die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik bereichern, sondern auch ein Stück seiner eigenen Familiengeschichte festhalten.

    "Ich will kein Geld, sondern dass andere Menschen auch ein Einblick in diese musikalische Welt bekommen." Karlheinz Harttung

    Fränkische Blaskapellen in historischem Kontext

    Die Leiterin der Forschungsstelle, Heidi Christ, spricht von einem zeitgeschichtlichen Dokument. Immerhin sehe man zum Beispiel auf einer Postkarte die "Bierburg" vom Oktoberfest. Die erste Kapelle, die darin einst zur Maß aufspielte, sei eine Fränkische gewesen.

    3.000 weitere historische Postkarten mit musikalischem Bezug sind bereits im Archiv hinterlegt. Sie sollen unter anderem Aufschluss darüber geben, wie die Besetzungen der Blaskapellen damals waren, wie die Musiker zwischen den Kapellen wechselten und wo sie gebucht wurden. Jeder, der ähnliche Schätze auf seinem Dachboden, Wohnzimmer oder Keller hüte, dürfe sich gerne an die Forschungsstelle wenden, sagt Heidi Christ.

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