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"Betongold" heißt der neue Roman der bei München lebenden Schriftstellerin Tanja Weber. Ein Gespräch mit ihrem Hamburger Verleger sorgte dafür, dass die Autorin ihren Kriminalroman im Milieu der Immobilienhaie ansiedelte.

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"Betongold": München-Krimi über den Tod eines Immobilienhais

Drei alte Münchner Freunde, ein über Nacht abgerissenes Häuschen in Giesing und ein Toter in der Baugrube: Tanja Weber erzählt in ihrem Krimi eine spannende Story – aber auch vom Wandel einer Stadt. Ihren Ermittler vergisst man nicht so schnell.

Von
Sabine ZaplinSabine Zaplin
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Wenn einer gezwungen ist, immer nur auf den Asphalt unter den eigenen Füßen zu starren, dann kommt er schon mal ins Grübeln über diesen Boden – zumal, wenn es sich um den Münchner Boden handelt, dessen Wert in den vergangenen Jahren unaufhaltsam gestiegen ist. Dass sich der Mordermittler außer Dienst Josef Frey aber so viel Gedanken über Immobilien und die damit verbundenen oft schmutzigen Geschäfte machen muss, das liegt weniger am Morbus Bechterew, der ihn zum Niederblicken zwingt, als vielmehr an der Tatsache, dass sein alter Freund eines Tages tot in einer Baugrube liegt.

Giesinger Uhrmacherhäusl

Die Story erzählt davon, wie sich drei Freunde, die sich seit ihren Jugendzeiten, wo sie die Sommerabende bei Konzerten im Theatron verbrachten, trotz der allen gemeinsamen Heimatstadt München auseinanderleben. Josef Frey, genannt Smokey, weil er die Schmerzen, die der Bechterew ihm verursacht, mit dem Rauchen von Cannabis betäubt, dieser Smokey also lebt allein in der elterlichen Wohnung. Sein Kumpel Hias, genannt Moni, muss über kurz oder lang seine nur noch vor sich hin dümpelnde Giesinger Eckkneipe aufgeben.

Und der Dritte im Bunde, der Schani, ist durch Spekulationsgeschäfte mit Immobilien zu Geld gekommen und hat seiner alten Mutter das winzige Giesinger Häuschen gekauft, in dem er aufgewachsen ist und das er, nachdem die Mutter ins Heim musste, über Nacht hat abreißen lassen – obwohl es unter Denkmalschutz stand. Da werden beim Lesen durchaus Erinnerungen an die traurige Geschichte vom Giesinger Uhrmacherhäusl geweckt. Es liegt auf der Hand, dass jemand wie der Schani viele Feinde hat, von denen der eine oder andere ihn durchaus gern tot in der Grube liegen sehen würde, jener Grube, die alles ist, was von dem in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissenen Häuschen übrig geblieben ist.

"Betongold" erzählt von der Verwandlung einer Stadt

"Betongold" ist aber, neben dem Krimistoff, ein berührender Roman über das, was Demografie bedeutet und welche Geschichten ein solcher Wandel erzählt. Besonders die Figur des Smokey steht für die sichtbar gewordene Verwandlung einer Stadt wie München. Er ist ein Kind der frühen Sechzigerjahre, hat als Teenager die bunten Olympischen Spiele in seiner Stadt erlebt, und es war der Terrorakt während dieser Spiele, der in ihm den Entschluss reifen ließ, Polizist zu werden.

Während seiner Dienstjahre wurde München erst schrill, dann schick und dann einfach immer teurer, während ihm selbst der aufrechte Gang durch die Straßen nur noch unter Schmerzen und irgendwann gar nicht mehr möglich ist. Da bleibt nur noch das Beobachten, der Blick von schräg unten. Tanja Weber ist mit Smokey, dem krummen Ermittler außer Dienst, eine Figur gelungen, die man nicht so schnell vergisst.

"Betongold" von Tanja Weber ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen.

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