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Bestseller-Autor Andrea Camilleri gestorben | BR24

© Tassilo Forchheimer/BR

Nachruf Andrea Camilleri

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Bestseller-Autor Andrea Camilleri gestorben

Der italienische Bestseller-Autor Andrea Camilleri ist tot. Der 93-Jährige starb heute Morgen nach mehreren Wochen im Krankenhaus. Camilleri wurde vor allem durch seine Krimis mit Kommissar Montalbano bekannt. Ein Nachruf.

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Am 15. Juli hätte der gebürtige Sizilianer noch einen großen Auftritt gehabt - in den römischen Caracalla-Thermen. Für Andrea Camilleri wäre das ein Abschied ganz nach seinem Geschmack geworden. Wenn er könne, würde er seine Karriere mit Geschichtenerzählen auf der Piazza beenden, ließ sich der Erfolgsautor zitieren, danach würde er durchs Publikum gehen mit seiner sizilianischen Mütze in der Hand.

Ein Mann der besseren Zeit

Der Applaus der Menschen wäre ihm sicher gewesen. Andrea Camilleri stand für ein "besseres Italien", für ein Italien, um dessen Zustand er sich zuletzt große Sorgen machte.

Alles werde schlechter. In der Sprache, in der Art, wie wir miteinander umgehen, durch eine absurde Aggression, so der Autor zuletzt in den Sozialen Medien.

Camilleri war ein sehr politischer Mensch, stark geprägt vor allem in den letzten Kriegsjahren.

"Mit ungefähr 17 Jahren begann ich zu verstehen, dass Freiheit etwas Anderes ist. Und ich habe das durch Lesen verstanden. Den Büchern verdanke ich, außerhalb der geschlossenen Welt des Faschismus eine andere Welt entdeckt zu haben." Andrea Camilleri

Eine Welt, die wunderschön sein konnte, so wie sein geliebtes Sizilien, das er in seinen Büchern liebevoll beschrieb, aber auch sehr hässlich, wie die vielen Probleme Italiens, die Camilleri immer wieder zum Thema machte: Korruption, organisiertes Verbrechen und eine nicht wirklich aufgearbeitete Vergangenheit, die der Autor zuletzt immer näher kommen sah.

Gegner der Populisten

Vor allem Matteo Salvini, dem starken Mann in der italienischen Regierung, stand er extrem kritisch gegenüber. Dass sich dieser in der Öffentlichkeit mit einem Rosenkranz gezeigt habe, rufe Brechreiz in ihm hervor, sagte Camilleri erst jüngst gegenüber der Zeitung Repubblica: "Es ist klar, dass all das instrumentalisiert wird. Der Papst, der genau weiß, was er tut, nimmt keinen Rosenkranz in die Hand, sowas braucht der nicht. Er weiß, dass er die Heiligen in dem Moment, in dem er sie benutzt, zutiefst beleidigen würde. Das ist ein Zeichen von schlechtem Geschmack."

Literarischer Erfolg erst im Alter

Scheinheiligkeit musste sich Camilleri selbst nie vorwerfen lassen. Als jungen Kerl hatten sie ihn aus dem bischöflichen Kolleg geworfen, so wurde es eben eine weltliche Karriere, die erfolgreicher kaum hätte verlaufen können. Allein in Italien haben sich seine über einhundert Bücher mehr als 20 Millionen Mal verkauft. In rund 30 Sprachen wurden seine Werke übersetzt.

Dabei war er ein literarischer Spätzünder: Seinen ersten Roman hatte Camilleri mit 57 Jahren veröffentlicht. Der große Durchbruch kam schließlich schon im Rentner-Alter mit seinen Montalbano-Krimis, die sich auch in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen.

Davor war er vor allem als Regisseur erfolgreich. Radio, Fernsehen und Theater. Kaum ein Genre war ihm fremd. Andrea Camilleri war Teil der italienischen Kultur und vor allem ein guter Mensch.