Berühmt mit "Bat Out of Hell": Meat Loaf gestorben

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Berühmt mit "Bat Out of Hell": Meat Loaf gestorben

Berühmt mit "Bat Out of Hell": Meat Loaf gestorben

Seinen künstlerischen Durchbruch erlebte der als Marvin Lee Aday geborene Rockstar mit der "Rocky Horror Picture Show". Er starb im Kreis der Familie und wurde 74 Jahre alt. Eine Todesursache wurde nicht mitgeteilt, doch er litt unter Herzproblemen.

"Was ich durchgemacht habe, würden die Leute noch nicht mal Osama Bin Laden an den Hals wünschen", so Meat Loaf bei einem Interview im Jahr 2016. Alles um ihn herum sei ihm nur noch "schwarz" erschienen. Damals klagte er über schlimme Drogenerfahrungen, schimpfte auf Steroide und lobte Nikotin, blickte auf bittere Bühnenauftritte zurück und sagte rückblickend über seinen Durchbruch mit dem Song "Bat Out of Hell" (1977), mit dem er zeitweise Platz sechs der weltweit meist verkauften Alben erreichte: "Es gibt nur eine Sache, die ich tun kann: zu versuchen, dieselbe Integrität zu erreichen wie damals. Es ist mir seither nie wieder gelungen."

Als "Eddie" aus der Kühltruhe populär

Als Sohn eines Polizisten in Dallas geboren, zog er 1967 nach Los Angeles. Mit seiner Band spielte er im Vorprogramm von "The Who" und Joe Cocker, musste sich allerdings nebenbei als Parkplatzwächter verdingen, bevor er mit einer Rolle in "Hair" Fuß fasste. Als "Eddie" stand er schließlich in der "Rocky Horror Show" auf der Bühne und sang 1975, bei der Verfilmung, ebenfalls seinen Hit "Hot Patootie - Bless My Soul", mit einem Motorrad frisch aus einer Kühltruhe vorgefahren.

Kurz darauf wurde sein Album "Bat Out of Hell" veröffentlicht (21. Oktober 1977) und wurde zum Höhepunkt seiner Karriere. Dabei kam der Erfolg damals keineswegs über Nacht, sondern erst nach vielen Monaten: "Irgendwann war es vollkommen egal, ob ich dick war, es war egal, wie Jimmy aussah. Irgendwann verselbstständigte sich die Musik und alles andere war egal. Und dann hob es ab. Deswegen glaube ich, dass das auch heute genauso laufen würde."

Eine mehrjährige Welttournee folgte, bei der Meat Loaf stimmlich und emotional überfordert war. "Nach jedem Auftritt hat mich ein Arzt untersucht und mir gesagt, dass ich meine Stimme ruiniere, wenn ich so weitermache", so der Sänger. "Eigentlich hätte ich die Tour sofort abbrechen müssen, aber ich wusste nicht, wie ich aus der Nummer rauskomme. Wir hätten ein Vermögen in den Sand gesetzt." Er zerstritt sich mit seinem Manager, und, was noch fataler war, mit dem vielseitigen Komponisten und leidenschaftlichen Richard-Wagner-Fan Jim Steinman, der ihn sehr gefördert hatte und den Meat Loaf später im "Rolling Stone" als seinen "Lebensmittelpunkt" bezeichnete: "Wir kannten uns nicht, wir waren derselbe."

Übrigens interessierte sich Meat Loaf nach eigenen Worte weder für das Alter, noch für Sichtweisen, die damit einhergehen, wie er der Berliner taz verriet: "Sobald du 40 Jahre alt bist, spielen die Radiosender deine Musik nicht mehr. Selbst ein Paul McCartney wird nicht mehr gespielt. Es gibt wirklich Altersdiskriminierung im Pop. Lächerlich, aber es ist so. Alter sollte keine Rolle spielen."

Größte Geldverschwendung "Bat Out of Hell III"

Trotz der Chart-Erfolge jubelten nicht alle Musikkritiker über Meat Loaf, wie er sich erinnerte. Nach einem Auftritt 1978 in London soll ein professioneller Beobachter sehr ungnädig gewesen sein: "Es ging nicht in einer Silbe über meinen Gesang oder die Songs oder sonst irgendwas Musikalisches. Nein, es ging dem Schreiber nur darum, im Dreck zu wühlen, denn nur dafür war er gekommen. Und daher wählte er die billigsten und schmutzigsten Phrasen, die man sich nur vorstellen kann."

Meat Loaf in Glanzzeiten

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1987 tat sich Meat Loaf abermals mit Steinman zusammen, für "Bat Out of Hell II", ein Album, mit dem er einen Grammy einheimste. Doch sein künstlerischer Partner steckte in einer Schaffenskrise, weshalb der Rockstar für "Welcome to the Neighborhood" (1993) auch mit anderen Komponisten zusammenarbeiten musste. Meat Loaf schauspielerte, konnte an seine früheren Erfolge jedoch nicht mehr anknüpfen. In der Musikkomödie "Roadie" übernahm er 1980 als "Hinterwäldler" Travis W. Redfish die Hauptrolle, in "Motorama" spielte er an der Seite von Drew Barrymore, in "Crazy in Alabama" in der Regie von Antonio Banderas. 2017/18 war er in der TV-Serie "Ghost Wars" besetzt.

Während eines Konzerts in der Londoner Wembley Arena brach er 2003 auf der Bühne zusammen. Er musste am Herzen operiert werden.

"Hört niemals auf zu rocken"

Das Album "Bat Our of Hell III", das 2006 erschien, bezeichnete Meat Loaf als "größte Geldverschwendung seines Lebens". Zuletzt brachte er 2016 "Braver Than We Are" heraus, alle Songs schrieb Jim Steinman. Wie das Hollywood-Branchenblatt "Deadline" berichtete, unterschrieb Meat Loaf letztes Jahr einen Vertrag über eine neue Game-Show, die er produzieren sollte. Paare sollten dort gegeneinander antreten und in Spielen zeigen, wie gut oder schlecht sie miteinander harmonierten, das Ganze untermalt von musikalischer Live-Unterhaltung. Meat Loaf hätte hinter den Kulissen in den Spielverlauf eingreifen sollen.

"Ich hoffe einfach, es wird schnell gehen. Am besten wird man einfach von einem Lkw überfahren", witzelte Meat Loaf einmal über das Sterben. Anlass dafür war sein Gesundheitszustand: Er will 19 Gehirnerschütterungen gehabt haben und zählte etliche weitere Leiden und Unfallfolgen auf.

Meat Loaf, der von Kalifornien zurück nach Texas zog, wurde 74 Jahre alt und starb mit seiner Frau an seiner Seite, wie sein Manager Michael Greene mitteilte. In einem Statement der Familie heißt es: "Wir wissen, wie viel er vielen von euch bedeutete und wir danken für all die Liebe und Unterstützung in dieser Zeit des Schmerzes, die wir durchmachen, nachdem wir einen so inspirierenden und wunderbaren Mann verloren haben. Von seinem Herzen in eure Seelen: Hört niemals auf zu rocken!"

Gast in "Wetten dass" bei Thomas Gottschalk

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Zahlreiche Hollywood-Promis haben inzwischen zum Tod von Meat Loaf Stellung genommen. Cher schrieb: "Kommt es mir so vor oder sterben gerade täglich bewundernswerte Leute aus dem Showgeschäft?" Boy George zeigte sich betroffen und erinnerte sich dankbar an einen Besuch mit Meat Loaf bei einem Chinesen in London. Autor Stephen Fry stellte ein altes Video ins Netz und schrieb darunter: "Ich hoffe, das Paradies ist genauso, wie diese Erinnerung an das Studiolicht. Ich hatte soviel Spaß mit ihm bei der Aufzeichnung eines Sketches, weit zurück im letzten Jahrhundert." Sängerin Rebecca Ferguson scherzte, sie habe früher so oft versucht, "I'd Do Anything For Love" zu singen und sei immer an den hohen Noten gescheitert.

Der umstrittene Fensehmoderator Piers Morgan lobte Meat Loaf als "großartig begabtes, funkensprühendes, witziges, hervorragendes und rebellisches Chamäleon". Musical-Titan Andrew Lloyd Webber textete: "Die himmlischen Hallen werden vor Rockmusik donnern."

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