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Bernd Sibler: Bei Preußen-Stiftung eine "Menge Gesprächsbedarf" | BR24

© Audio: BR / Foto: Jungblut

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler

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Bernd Sibler: Bei Preußen-Stiftung eine "Menge Gesprächsbedarf"

Deutschlands größte Kultureinrichtung soll zerschlagen werden, um sie effektiver zu machen. Der Bund will die prestigeträchtige "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" künftig allein schultern – doch Bayern will die Interessen der Länder gewahrt wissen.

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Von
  • Peter Jungblut

Die angestrebte Reform der "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" dürfte mindestens so schwierig werden, wie es Bundeskultur-Staatsministerin Monika Grütters erwartet: Bisher halten die Länder einen Anteil von 25 Prozent an Deutschlands größter Kulturinstitution mit fünfzehn Museen, Forschungsinstituten, der Berliner Staatsbibliothek und dem Geheimen Staatsarchiv. Allerdings haben die Länder ihren Finanzierungsanteil schon vor vielen Jahren "eingefroren", das heißt, sie zahlen in den Haushalt der Stiftung bei weitem nicht die Summe ein, die ihrem offiziellen Anteil von einem Viertel entspricht.

"Vernetztes System von Bund Ländern"

Je nach Sichtweise finanzieren sie nur noch sechs bis zehn Prozent des Gesamtetats einschließlich Baukosten. Bayern ist mit vergleichsweise bescheidenen 175.000 Euro jährlich dabei, nicht zuletzt deshalb, weil es mit den kulturellen Hinterlassenschaften des 1947 untergegangenen Preußen in seiner Geschichte wenig zu tun hatte. Wenn der Bund, wie es angedacht ist, die Stiftung in vier Teile zerlegen und die derzeit insgesamt knapp 340 Millionen Euro pro Jahr alleine stemmen will, die alles zusammen kostet, dann muss er wohl trotzdem noch jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler sieht gegenüber dem BR trotz des geringen bayerischen Engagements in der Stiftung "eine gute Menge Gesprächsbedarf", weil es sich bisher um ein "vernetztes System zwischen Bund und Ländern" handle.

Nach einer gründlichen Analyse der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Auftrag von Monika Grütters hatten Experten des Wissenschaftsrats vorgeschlagen, den "Supertanker" durch eine Zerschlagung wieder flott zu machen. Statt einer unbeweglichen und offenkundig überforderten Dachorganisation soll es vier selbständige Bereiche geben. Die fünfzehn Museen, die als besonders sanierungsbedürftig gelten und trotz so sensationeller Objekte wie der Büste der ägyptischen Königin Nofretete im internationalen Vergleich viel zu wenige Besucher anlocken, sollen allerdings weiterhin von einem Generaldirektor geleitet werden.

Bayern will "Interessen der Länder mit formulieren"

Ungeachtet des von ihm angemahnten "Gesprächsbedarfs" hält Kunstminister Bernd Sibler die Vorschläge für konstruktiv: "Nichtsdestotrotz ist die Expertise des Wissenschaftsrats bemerkenswert und bewertenswert. Wir werden darüber ausführlich sprechen und die Impulse des Wissenschaftsrates intensiv bearbeiten." Inhaltlich sei jedenfalls "viel Kluges" in dem Gutachten enthalten. Gleichwohl ist zu erahnen, dass Bayern und die übrigen Länder nicht alle diese Vorschläge unbesehen übernehmen werden und schon gar nicht die geplante Alleinverantwortung des Bundes abnicken. Bernd Sibler gegenüber dem BR: "Wir sind als Vertreter eines föderalen Systems gehalten, auch die Interessen der Länder mit zu formulieren."

Das klingt nicht danach, dass die Reform für Monika Grütters zu einem Selbstläufer wird. Lediglich in Berlin dürfte ihr wenig Wind entgegen wehen, da das Land finanziell chronisch überfordert ist und von einem erhöhten Bundesanteil an der Preußen-Stiftung am meisten profitieren würde. Woher der Bund das Geld für die Alleinverantwortung nehmen will, ist noch völlig offen. Grütters erwartet langwierige Verhandlungen mit dem Bundesfinanzminister und den Bundestagsabgeordneten: Spätestens in fünf Jahren soll jedoch alles "unter Dach und Fach" sein.

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