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Berliner Sozialmediziner halten volle Klassik-Säle für möglich | BR24

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Berliner Sozialmediziner halten volle Klassik-Säle für möglich

Wissenschaftler der Berliner Charité halten es für machbar, bald wieder Opern und Konzerte ohne Sicherheitsabstände aufzuführen. Bedingung seien jedoch medizinische Masken für alle Anwesenden. Intendanten wollen wieder "Vollgas" geben, andere warnen.

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Barrie Kosky, der umtriebige Intendant der Komischen Oper in Berlin, hat bereits einen sehr klaren Zeitplan, was die Normalisierung in deutschen Theatern betrifft: Er rief in einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburgs (RBB) dazu auf, in den Zuschauersälen zunächst einen verkürzten Abstand von einem Meter einzuführen und "sobald wie möglich und sobald es sicher ist" wieder "Vollgas" zu geben, also im Idealfall jeden Sitzplatz zu verkaufen. Anlass für Koskys Optimismus ist eine neue Studie des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité. Darin vertreten die Mediziner Stefan N. Willich, Anne Berghöfer, Petra Gastmeier und Miriam Wiese-Posselt die Ansicht, ein "normalisierter Publikumsbetrieb" sei unter bestimmten Bedingungen machbar.

Charité-Leitung ist skeptisch

Der Vorstand der Berliner Charité twitterte prompt, das entsprechende Papier sei "nicht abgestimmt" und gebe daher nicht die Haltung der renommierten Klinik insgesamt wieder. Die "aktuelle Dynamik" des Infektionsgeschehens in Deutschland sei in den Empfehlungen nicht berücksichtigt. Demgemäß sei die Stellungnahme keineswegs als "Empfehlung", sondern lediglich als kritische Diskussionsgrundlage zu werten. Christian Höppner, der Generalsekretär des Deutschen Musikrates gab sich ebenfalls sehr zurückhaltend. Die Meldung sei "sehr überraschend".

© Sergei Bobylev/Picture Alliance

Tschaikowsky-Konzert in Moskau

Voll besetzte Konzert- und Opernhäuser seien "ein verloren geglaubter Traum von Publikum und Veranstaltern gleichermaßen", doch die Äußerung aus der Charité sei "zu schön, um wahr zu sein" und werfe bei "rationaler Betrachtung einige Fragen auf". Höppner plädierte dafür, die wissenschaftlichen Kriterien zu diskutieren, auf denen dieses Papier basiere und das Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit weiteren Studien über die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen zu beauftragen.

Forscher: "Klassik-Publikum ist aufgeklärt"

Zu den konkreten Empfehlungen der Wissenschaftler gehören Abstandsregeln in den Foyers und sonstigen gemeinschaftlich genutzten Flächen der Spielstätten. Im Kassenbereich müssten Schutzscheiben für Sicherheit sorgen, der Kartenverkauf sollte nur elektronisch erfolgen, so dass die Nachverfolgung von Kontaktpersonen erleichtert werde. Kontaktflächen wie Türklinken und Armlehnen müssten nach jeder Vorstellung entsprechend gereinigt werden. Eine ausreichende Belüftung sei Bedingung, bei geschlossener Luftzirkulation sei ein HEPA-Filter einzubauen, also eine besonders effiziente Methode der Luftreinigung.

"Das Publikum von Klassikveranstaltungen zeichnet sich durch ein aufgeklärtes Verständnis der gesundheitlichen Zusammenhänge, eine disziplinierte Verhaltensweise sowie die sorgfältige Einhaltung von Vorgaben aus", so die Charité-Wissenschaftler: "Auch unabhängig von geltenden Verhaltensregeln während der COVID-19-Pandemie ist das Wahren eines sozial angemessenen Abstandes üblich. Während der Veranstaltungen finden keine Gespräche statt, Bewegungsströme und Gedränge sind in der Regel gut zu steuern."

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