BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Kinobetreiber fordern Abgrenzung der Berlinale zu Netflix | BR24

© picture alliance / NurPhoto

Logos der Berlinale 2019

Per Mail sharen
Teilen

    Kinobetreiber fordern Abgrenzung der Berlinale zu Netflix

    Ist Streaming die Zukunft des Films? Nein, sagen mehr als 160 unabhängige Kinobetreiber. In einem offenen Brief wenden Sie sich gegen eine Netflix-Poduktion im Wettbewerb der Berlinale. Und fordern neue Regeln von der Kulturpolitik.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Der offene Brief richtet sich an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, Stein des Anstoßes ist der Film "Elisa y Marcela" von Isabel Coixet. Eine Netflix-Produktion, die im Wettbewerb um die Goldenen und Silbernen Bären konkurriert. Ausdrücklich halten die Unterzeichner fest, dass sich ihre Initiative nicht gegen den Film oder die Regisseurin richte, sondern gegen "das aggressive Geschäftsgebaren des Internetgiganten Netflix, der wie schon in Venedig ein öffentlich gefördertes internationales Kinofilm-Festival als Werbeplattform für das eigene Angebot missbrauchen will."

    Die große Leinwand gegen den kleinen Schirm

    Die Berlinale stehe für die große Leinwand, heißt es, "Netflix für den kleinen Schirm". Und das solle auch in Zukunft so bleiben – und die Berlinale, das größte Publikumsfestival der Welt, nicht zu einem Fernsehfestival werden. Sehr grundsätzlich hält das Schreiben fest: "Nur das gemeinschaftliche Erleben vor der großen Leinwand erzielt die Relevanz, die Filmkunst auch verdient."

    Die Gretchenfrage ist bei dieser Netflix-Produktion wie in vergleichbaren Fällen aus der Vergangenheit, ob und wann sie in die Kinos kommt – und zu welchen Bedingungen. Entgegen anders lautender Beteuerungen des Rechteinhabers Netflix deute alles darauf hin, dass der Film eben nicht regulär in den Kinos zu sehen sein werde, heißt es im offenen Brief. Und weiter: "Aus unserer Sicht besteht die große Gefahr, dass sich Netflix Festivals und Filmpreise zu Nutze macht, um die Kinos und alle anderen nachfolgenden Auswertungsmedien an den Rand zu drängen und die eigene Marktmacht auszubauen."

    Neue Regeln für steuerfinanzierte Festivals

    Allerdings wollen die Kinobetreiber nicht nur die Festivalleitung, sondern auch die Kulturpolitik in die Pflicht nehmen: Die Regeln für die Teilnahme am Wettbewerb der Berlinale "und anderen steuergeldfinanzierten Festivals" müsse konkretisiert werden, um auch in Zukunft sicherzustellen, dass hier der "Kinofilm in seinem eigentlichen Umfeld" gefeiert werde. So sollen die Kinos als "Ort des demokratischen Diskurses für alle Menschen" erhalten bleiben. Nicht zuletzt wird auf andere große Festivals wie das in Cannes verwiesen: Nachdem 2017 dort mit "Okja" und "The Meyerowitz Stories" gleich zwei Netflix-Produktionen im Programm für Diskussionen gesorgt hatten, blieb der Streamingdienst im vergangenen Jahr außen vor.

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!