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Bekannt aus "Sturmhöhe": Literaturfans fürchten um Moor-Biotop | BR24

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Bildrechte: Mary Evans/Picture Alliance

Leidenschaft: Filmszene aus "Sturmhöhe" (1970)

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    Bekannt aus "Sturmhöhe": Literaturfans fürchten um Moor-Biotop

    Eine unberührte Landschaft nahe der englischen Stadt Bradford soll mit 150 Eigenheimen bebaut werden. In der Gegend wurden die Schwestern Emily und Charlotte Brontë zu Romanen inspiriert, der Tourismus profitiert davon. Jetzt ist die Aufregung groß.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Schauerliches ereignet sich in der Familien-Saga "Sturmhöhe" (1847), und ein Hochmoor ist dafür der perfekte Schauplatz. Der mehrfach verfilmte Roman von Emily Brontë, dessen Handlung sich über drei Generationen erstreckt, gilt längst als Klassiker der viktorianischen Literatur, ebenso wie Charlotte Brontës autobiografisch geprägter Gouvernanten-Roman "Jane Eyre", der ebenfalls 1847 erschien. Ohne die düstere, urwüchsige, windumtoste Landschaft von Yorkshire wären beide Werke undenkbar. Die eigenbrötlerischen, herb-selbstbewussten Brontë-Schwestern wurden hier geboren und begraben, ihre Fans können in der Gegend einen 69 Kilometer langen Tourismus-Pfad abklappern, der zu den Lebensstationen der Autorinnen führt. Ein malerisches Felsenareal wurde eigens vor drei Jahren saniert und zieht jährlich rund 30.000 Besucher an. Die Steine wurden eigens mit Gedichten von Brontë-Bewunderin Kate Bush, Carol Ann Duffy, Jeanette Winterson und der schottischen Poetin Jackie Kay graviert.

    "Statt Aussicht nur noch Mauern und Zäune"

    Doch das hinderte die Stadtväter von Bradford nicht daran, im Geburtsort der Brontës, Thornton, jetzt ein Neubaugebiet auszuweisen, das auf mehreren Gemarkungen insgesamt rund 150 Eigenheime umfassen soll. Die Hügel seien seit "Jahrhunderten" unberührt, so die englische Presse, und das Biotop sei Landschaftsschutzgebiet. Kein Wunder, dass Brontë-Anhänger buchstäblich Sturm laufen gegen das Immobilienprojekt. Anwohner und Schriftsteller Michael Stewart beklagt, dass die Aussicht "vollständig zerstört" werde: "Statt durch wunderschöne Felder zu gehen mit unbeeinträchtigten Blicken auf das Tal unterhalb, werden Besucher an Mauern, Zäunen und den Rückwänden von Häusern entlang spazieren." Dabei habe die Stadt überall Schilder aufgestellt, auf denen der Landstrich als "Brontë Country" bezeichnet wird. Überhaupt seien die Schwestern nach Shakespeare und Charles Dickens das größte literarische Pfund, mit dem die Insel wuchern könne.

    © United Archives/Picture Alliance
    Bildrechte: United Archives/Picture Alliance

    Starbesetzung 1939: Merle Oberon und Laurence Olivier

    Das Moor kostete die Schwestern in jungen Jahren übrigens beinah ihr Leben: Eine sehr seltene Gasexplosion von verrottendem Torf löste 1820 eine gewaltige Erdbewegung aus. Schlamm und Gestein baute sich drei Meter hoch auf und verwüstete einen Ort, an dem die Brontës zuvor gespielt hatten.

    Knapp sechs Hektar Erschließungsgebiet

    Die Kritiker des Neubau-Vorhabens, darunter Brontë-Leser aus Neuseeland, Russland und den USA, verweisen darauf, dass es in der Gegend zahlreiche halb verfallene Gebäude gebe, die dringend saniert werden müssten und ausreichend Wohnraum garantieren könnten, darunter eine alte Fabrik-Anlage samt Wassermühle. Bradfords Kommunalpolitiker rechnen damit, dass ihr knapp sechs Hektar umfassendes Erschließungsprojekt in den kommenden sechs Jahren verwirklicht wird. Es seien ausreichend "Grünflächen" eingeplant, um die Auswirkungen auf die historische Landschaft so gering wie möglich zu halten.

    Bradford plant insgesamt sogar knapp 600 Neubauten und hat den Ortsteil Thornton als "Wachstumszentrum" ausgewiesen. Einspruchsfristen gegen die aktuelle Planung liefen Ende März ab.

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