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Beim Eurovision Song Contest 2019 dominieren die Männer | BR24

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der Eurovision Song Contest ist die größte Samstagabendshow des europäischen Fernsehens - mit über 200 Millionen Zuschauern weltweit und Kultstatus sogar in Australien und Asien. Der Trend 2019: Männer.

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Beim Eurovision Song Contest 2019 dominieren die Männer

Auch im 64. Jahr ist der Eurovision Song Contest die größte Samstagabendshow des europäischen Fernsehens – mit über 200 Millionen Zuschauern weltweit und Kultstatus sogar in Australien und Asien. Der Trend 2019: vor allem Männer sammeln die Punkte.

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Nachdem letztes Jahr die israelische Performerin Netta gewonnen hatte, fand der Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv statt. Im Internationalen Kongreßzentrum war eine fast schon monströs große Bühne aufgebaut und alles aufgeboten, was moderne Veranstaltungstechnik hergibt. Durch den Abend führten vier Moderatorinnen und Moderatoren, darunter das Supermodel Bar Refaeli und Israels bekanntester Fernsehgastgeber Assi Azar, die den Zeitplan der Show immer fest im Griff hatten und sich nur wenige improvisierte Momente erlaubten, wenn sie etwa die eine oder andere Melodie mal lässig mitträllerten.

Musikalisch war dieser 64. Eurovision Song Contest ein guter Jahrgang, der alles zu bieten hatte, was man sich von diesem Wettbewerb mittlerweile erwartet: Powerballaden, flotte Popsongs, gelegentliche Folklorezitate, die Beats fast alle am Computer programmiert. Aus dem üblichen netten ESC-Rahmen fiel eigentlich nur die Band Hatari aus Island mit Rammstein-Rock, Röchel-Gesang und einer Brachialperformance in Latex und Leder. Die Fachjurys vergaben dafür nur eine Handvoll Punkte, aber dank guter Ergebnisse bei der Publikumswertung stand für Hatari am Ende immerhin Platz 10.

Jury vs. Publikum

Das war einer der Trends dieses ESC: Jurywertung und Publikumswertung klafften oft weit auseinander. So durfte sich die nordmazedonische Sängerin Tamara Todevska mit "Proud" – einer Ermächtigungshymne für das weibliche Geschlecht – nach der Jurywertung Hoffnungen auf den Sieg machen, fiel dann aber dank eines mageren Publikumsvotings auf Platz 8 zurück. Umgekehrt lag das Trio KEiiNO aus Norwegen nach der Jurywertung so weit hinten, dass selbst die Höchstpunktzahl des Publikums am Ende nur für Platz fünf reichte.

Immerhin stand bei KEiiNO neben zwei Männern auch eine Frau auf der Bühne. Denn ansonsten galt bei diesem Eurovision Song Contest: Die Männer machen die Punkte. Obwohl Frauen im Gesamtfeld gut vertreten war, belegten Sänger die ersten vier Plätze. Und in den Top 10 waren neben dem gemischten norwegischen Trio nur noch Tamara Todevska auf Platz 8 und die australische Gesangsakrobatin Kate Miller-Heidke auf Platz 9 vertreten.

Deutschland geht unter, Madonna singt schief

Das schlechte Abschneiden des deutschen Beitrags "Sister" lässt sich mit diesem Trend aber eher nicht erklären. Stimmlich waren Carlotta und Laurita bei ihrem Auftritt zwar auf der Höhe, aber Gesangspower alleine macht aus einen mittelmäßigen Song leider keinen Hit. Von einigen Jurys gab es Gnadenpunkte, vom Publikum diesmal keinen einzigen. Das war leider an diesem Abend für Deutschland das Alleinstellungsmerkmal. Insgesamt landeten die falschen deutschen Schwestern auf Platz 24 – nur Weißrußland und Großbritannien waren noch schlechter.

Was war sonst noch los beim ESC-Abend? Die stämmige Vorjahressiegerin Netta machte eine gute Figur, wird wohl auch mit ihrer neuen Single "Nana Banana" wieder einen Hit landen. Eine Riege früher ESC-Teilnehmer spielte Songtausch. Und Madonna trat mit Augenklappe auf, versah ihren neuen Song "Future" mit einer politischen Botschaft an Israel und Palästina, wird aber wohl vor allem wegen einiger unüberhörbar falsch gesungener Töne in die ESC-Geschichte eingehen.

© dpa-bildfunk/Ilia Yefimovich

Der Niederländer Duncan gewann den ESC 2019 mit der Trennungsballade "Arcade"

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Mit der Ballade "Arcade" holt Duncan Laurence den Gesangswettbewerb nach über 40 Jahren wieder in die Niederlande. 200 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten den Eurovision Song Contest.

Kultiger Kommentar und Spannung bis zum Schluss

Am meisten trug wieder einmal Kommentator Peter Urban zum Unterhaltungswert der Show bei. In beißenden Anmerkungen wies er ein ums andere Mal darauf hin, dass hinter all den Tanzeinlagen, Einspielfilmchen, Farbgewittern und virtuellen Feuerfontänen die Musik oft zu verschwinden drohte und war auch sonst um Kommentare nie verlegen, etwa zum visuell überladenen, aber textlich äußerst simplen Beitrag San Marinos mit Sänger Serhat und dem wirklich schon alles sagenden Titel "Say Na Na Na". Peter Urban charakterisierte den Auftritt so: "Die bunte Ü-50-Dsico auf dem Kreuzfahrtschiff – mit Serhat als Animateur. Heute würde man MC sagen. Haben sie mitgezählt, wie viele Nas gesungen wurden? 183 waren es."

Spannend war dieser ESC bis zur letzten Minute, vor allem, weil die Publikumsstimmen das Feld nochmal kräftig durcheinanderwirbelten. Am Ende gab es aber doch keine Überraschungen. Den russischen Popstar Sergey Lazarev mit der Power-Ballade "Scream" hievte das Publikum noch auf Platz 3. Mahmood, Italiener mit ägyptischen Wurzeln, kam mit "Soldi" (einem nachdenklichen Lied über Geld) auf Platz zwei. Den Sieg holte sich der schon im Vorfeld favorisierte Niederländer Duncan Laurence mit der Trennungsballade "Arcade". Sein Auftritt war schlicht und ohne Effekte – ein Mann allein am Elektropiano. Seine Siegerbotschaft ans Publikum war auch: "Die Musik steht an erster Stelle, immer."

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