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Bei dieser Thriller-Serie traut man seinen eigenen Augen nicht | BR24

© BBC/ Starzplay

Die Polizistin Rachel Carey (Holliday Granger) ist dem Soldaten Shaun Emery (Callum Turner) auf der Spur.

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Bei dieser Thriller-Serie traut man seinen eigenen Augen nicht

Führen Überwachungskameras wirklich zu mehr Sicherheit? Die neue Thriller-Serie "The Capture" zeigt mit einer unvorhersehbaren Handlung, warum wir die Macht die Bilder öfter hinterfragen sollten.

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Endlich frei. Der Soldat Shaun Emery (Callum Turner) wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen. Sechs Monate lang hat er hinter Gittern gesessen, weil er beim Einsatz in Afghanistan vorsätzlich einen Zivilisten getötet haben soll. Zumindest hatte es auf dem Helmvideo von seinem Kameraden so ausgesehen. Doch die Videoaufnahme war fehlerhaft, das konnten Emerys Anwälte beweisen.

Zwischen Paranoia und Überwachungswahnsinn

Shaun Emery feiert also seine neu gewonnene Freiheit, nur dann wird er wieder verhaftet: Noch am Abend seiner Entlassung aus dem Gefängnis soll Emery eine Frau an einer Bushaltestelle angegriffen haben und sie zu seinem Auto gezerrt haben. So zeigt es zumindest die Live-Übertragung der CCTV-Kameras, die in London so gut wie jeden Winkel überwachen. Das Video ist eindeutig. Trotzdem behauptet Emery steif und fest, dass das Video fake – und die Entführung nie passiert sei. Bedroht die gleiche Technologie, die ihn erst hinter Gitter gebracht und ihm dann die Freiheit beschert hat, also schon wieder sein Leben? Oder hat er die Tat wirklich begangen und ist so traumatisiert vom Krieg, dass ihn sein Gedächtnis trügt?

Die Frage nach der Macht der Bilder steht im Zentrum von "The Capture". Und wir tappen vor den Bildschirmen genauso im Dunkeln, wie die ambitionierte Ermittlungsleiterin Rachel Carey (Holliday Grainger). Sie hat starke Zweifel an Shaun Emerys Version der Ereignisse. Dass jemand die Live-Überwachung manipuliert haben soll, scheint Detective Carey unwahrscheinlich. Auch Shaun Emery kann sich nicht erklären, wer dahinterstecken könnte – und vor allem warum. Er beginnt selbst nachzuforschen und gerät ins Visier eines zwielichtigen Geheimdienstes.

Wichtige Fragen verpackt in einer fesselnden Thriller-Story

Live-Videos so zu manipulieren, wie es "The Capture" zeigt, ist keine düstere Zukunftsfantasie, sondern längst möglich. Die Serie entwirft ein absolut glaubwürdiges Szenario und genau das macht "The Capture" trotz ein paar stereotyper Charaktere so beängstigend gut. Die meisten Menschen fürchten, dass mit dieser Deep-Fake-Technologie Politikerreden und Pornos gefälscht werden. Aber was wäre, wenn das auch Überwachungsvideos und Live-Aufnahmen betrifft, die uns eigentlich sicherer machen sollen? Wenn wir unseren eigenen Augen nicht mehr trauen können, das veranschaulicht die Serie auch, geraten unser politisches System und unsere Freiheit schnell ins Wanken.

Mit klugen Fragen, einer undurchsichtigen Handlung und vielen schlauen Wendungen fesselt "The Capture" das Publikum sechs Folgen lang ans Sofa.

Für Freunde von: der BBC-Thriller-Serie "Bodyguard", dem Verwirrspiel von "Homeland" oder "The Honorable Woman" und der umgreifenden Paranoia aus "Mr. Robot".

"The Capture" ist bei Starzplay verfügbar.

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