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Millionen Menschen haben die Handy-Szenen gesehen, auf denen ein Polizist in den USA minutenlang auf dem Hals von George Floyd kniete - und den Schwarzen erstickte. Jetzt hat ein Geschworenengericht in Minneapolis den Polizisten für schuldig befunden

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"Befreit sie alle!": So reagiert Hollywood auf Chauvin-Urteil

Ein einziges Urteil reiche nicht, um Gerechtigkeit herzustellen, so Barack Obama nach dem George Floyd Prozess. Prominente schwanken nach dem Urteilsspruch zwischen Skepsis und Freudentränen - und ein Filmkonzern sorgt mit einem Tweet für Empörung.

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Von
  • Peter Jungblut

Der Fall hatte Amerika aufgewühlt, und dürfte noch lange für Debatten sorgen. Am 25. Mai 2020 hatte der weiße Polizist Derek Chauvin den schwarzen George Floyd in Minneapolis/Minnesota neun Minuten und 46 Sekunden mit seinem vollen Körpergewicht am Boden gehalten und ihm die Luft abgedrückt. Floyd starb bei dem Vorfall. Jetzt wurde der Polizeibeamte von einer Jury in allen Punkten für schuldig befunden und muss für einen "Mord zweiten Grades ohne Vorsatz" ins Gefängnis. Die Maximalstrafe beträgt 40 Jahre, da Chauvin jedoch nicht vorbestraft ist, könnten ihm jedoch einige Jahre erlassen werden.

Die "Black-Lives-Matter-Bewegung" twitterte, das Urteil sei nicht etwa ein Beweis dafür, dass das "System" funktioniere, sondern im Gegenteil dafür, wie kaputt es sei. Immerhin habe es 330 Tage gedauert, um zu bestätigen, was jeder gewusst habe: "Bevor wir nicht eine Welt haben, in der unsere Gemeinden frei von Angst leben, gibt es keine Gerechtigkeit."

WarnerMedia sorgt für Empörung

Das Urteil sorgte für ein breites Echo, auch unter Prominenten. Natürlich gab es auch wieder eine erbitterte Netzdebatte: Der WarnerMedia-Konzern, zu dem das gleichnamige Filmstudio, aber auch der Pay-TV-Sender HBO gehören, twitterte nach der Verurteilung des Polizisten Derek Chauvin wegen Mordes: "Auch wenn der Schuldspruch keinen von denen wieder lebendig macht, die wir ungerechter Weise verloren haben, bringt er uns einem wirklichen Wandel näher. Wir bekräftigen unsere Verpflichtung, Teil der Lösung zu sein, indem wir unsere Plattformen, Inhalte und Mittel nutzen, ethnische Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit voranzubringen." Der schwarze Schauspieler Ray Fisher, der für WarnerMedia arbeitete und sich bei den turbulenten Dreharbeiten zur Action-Comic-Verfilmung "Justice League" (2017) von Zweit-Regisseur Joss Whedon gemobbt sah, fühlte sich "angewidert" von diesem Tweet und bekam dafür reichlich Unterstützung.

Oprah Winfrey "erleichtert und berührt"

Ex-Präsident Barack Obama lobte die Jury in Minneapolis dafür, dass sie "das Richtige" getan habe, schränkte jedoch in seiner Stellungnahme ein: "Wir alle wissen, wenn wir ehrlich mit uns sind, dass wahre Gerechtigkeit mehr umfasst als ein einziges Urteil in einem einzigen Prozess." Das Museum für Bürgerrechte in Memphis schloss sich dieser Sichtweise weitgehend an und schrieb, in diesem Fall habe es Gerechtigkeit gegeben, aber es sei noch viel zu tun: "Hoffentlich ist dieses Verfahren ein Signal für kommende Urteile zu den vielen Opfern von Tötungsdelikten durch die Polizei. Wir danken der Jury dafür, dass sie das Richtige getan hat."

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Oprah Winfrey

Star-Moderatorin Oprah Winfrey twitterte: "Ich bin erleichtert - und unerwartet emotional berührt. Ich weinte Freudentränen, als das Urteil verlesen wurde. Ich bin den Zeugen für ihre Aussagen dankbar." Schauspieler Jamie Foxx, der von seine Darstellung von Ray Charles 2004 einen Oscar erhielt, sagte: "Es ist ein bittersüßer Augenblick. Ich bin glücklich und erleichtert, dass die Person, die diese schreckliche Tat verübt hat, schuldig gesprochen wurde. Die Bitterkeit kommt daher, dass wir Floyd George nicht wieder lebendig machen können, dass all die Tränen vergossen, all die Herzen gebrochen wurden." Mit dem Urteil sei ein "kleiner Schritt" vorwärtsgemacht worden, um all die zu ehren, denen "kaltherzig" ihre Leben genommen worden seien.

Michael Moore: "Befreit sie alle!"

Der Chef von Sony Pictures, Tony Vinciquerra, schrieb: "Der heutige Urteilsspruch ist ein bleibender Sieg für alle, die das letzte Jahr damit verbracht haben, die entsetzlichen Ereignisse des letzten Sommers zu verarbeiten und für Verantwortung und Gerechtigkeit zu kämpfen. Als Unternehmen, das strikt der Diversität und den Menschenrechten verpflichtet ist, hoffen wir, dass die heutige Entscheidung größere Gemeinsamkeit und bleibenden Wandel voranbringen."

Filmemacher Michael Moore fragte sich, wie viele unschuldige Schwarze wohl in Gefängnissen säßen: "Befreit sie alle! Nehmt die Polizisten fest, die das Recht brechen. Entfernt alle rassistischen Polizisten. Beendet die Polizeiarbeit, wie wir sie kennen. Sie funktioniert nicht." Star-Lyrikerin Amanda Gorman twitterte: "Eine Erinnerung daran, dass der wahre Sieg wäre, wenn George Floyd noch leben würde. Jeder Tag, an dem sich schwarze Amerikaner fragen, ob sie die nächsten sein werden, ist ein Tag ohne Gerechtigkeit."

Hillary Clinton schrieb, Floyds Familie und Nachbarn hätten verdient, dass der Täter zur Rechenschaft gezogen wurde: "Black Lives Matter." Whoopi Goldberg zeigte sich skeptisch: "Schuldig, schuldig, schuldig. Niemand gewinnt dabei. George Floyd ist immer noch weg - und endlich ist jemand verantwortlich." Für Mariah Carey ist das Urteil "ein Anfang", ein "kleines Körnchen Hoffnung auf unsere Zukunft", und Justin Timberlake schloss sich an, der Schuldspruch sei nur ein "erster Schritt", um die lange Reihe der Ungerechtigkeiten gegen die schwarze Community zu überwinden, die bisher keinerlei Folgen gehabt hätten.

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Der Polizist, der George Floyd den Atem genommen hat bis er starb, der sollte nach ihrem Dafürhalten bitte nicht freigesprochen werden. Gestern Nacht unserer Zeit verkündete das Gericht in Minneapolis das Urteil.