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Mit einer Countertenor-Gala und einer konzertanten Version der Oper "Polifemo" geht das Festival zu Ende. Ausländische Gäste hatten teils Anreiseprobleme, ansonsten war die Stimmung bestens. Und im nächsten Jahr sind "Elefanten" nicht ausgeschlossen.

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Bayreuth Baroque zieht Bilanz: Auch ohne Feuer viel Erfolg

Mit einer Countertenor-Gala und einer konzertanten Version der Oper "Polifemo" geht das Festival zu Ende. Ausländische Gäste hatten teils Anreiseprobleme, ansonsten war die Stimmung bestens. Und im nächsten Jahr sind "Elefanten" nicht ausgeschlossen.

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Von
  • Peter Jungblut

Gar nicht so einfach, hier Theater zu machen: Das prächtige Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth wurde von 1744 bis 1750 gebaut, ist also eines der ganz wenigen Barock-Gebäude, die nicht abgebrannt sind, obwohl das historische Theater bis auf die Außenwände ganz aus Holz errichtet wurde. Da ist nach der aufwändigen Sanierung natürlich Vorsicht geboten, und deshalb kann Max Emanuel Cenčić, der künstlerische Leiter von Bayreuth Baroque, auch nicht einfach jeden Regieeinfall umsetzen, wie er dem BR verrät: "Wir dürfen keine Speisen, keine Flüssigkeiten auf der Bühne benutzen, auch keinen Dampf oder ähnliches, sicherlich auch kein Feuer. Gut, man kann ja dann vieles anders machen. Das sind jetzt nicht so unverzichtbare Dinge, wo man sagen würde, dann kann man nicht spielen. Die Bühne ist modern, da ist die Situation entspannter. Wo es schwierig wird, wenn sie Kabel im Zuschauerraum verlegen wollen, da müssen wir immer Rücksprache mit der Schlösserverwaltung halten."

"Die Akzeptanz ist sehr groß"

In diesem Jahr gab es bei Bayreuth Baroque mehr Wiederholungen als geplant, einfach deshalb, weil die Barockoper "Carlo Il Calvo - Karl der Kahle" von Nicola Antonio Porpora (1738) im vergangenen Jahr gezwungenermaßen vor einem sehr kleinen Publikum aufgeführt werden musste, und all diejenigen, die damals leer ausgingen, die Chance bekommen sollten, die Produktion wenigstens in diesem Jahr zu sehen. Deshalb gab es abermals drei Vorstellungstermine. Wie alle Festivals litt Bayreuth Baroque unter den kurzfristigen Änderungen der Corona-Regeln: Wenn es plötzlich heißt, dass doch mehr Zuschauer zugelassen sind, kommen allenfalls mehr regionale Gäste, die internationalen planen in der Regel sehr viel langfristiger. "Für mich ist die Bilanz sehr, sehr positiv ausgefallen, weil wir gesehen haben, dass die Akzeptanz sehr groß ist", so Cenčić: "Die Leute sind begeistert, wir haben trotz der Schwierigkeiten Leute aus der ganzen Welt, die hierher kommen. Opern, die man sonst nirgendwo auf der Bühne sieht, erlebt man in Bayreuth."

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Publikum vor dem Markgräflichen Opernhaus

Max Emanuel Cenčić will trotz aller Widrigkeiten an seinem Konzept festhalten, und das bedeutet: Er will nicht einfach Produktionen einkaufen, was natürlich günstiger wäre, sondern selbst künstlerische Akzente setzen: "Wir wollen international sein und große Produktionen selbst machen, also nicht einkaufen von auswärts, und das ist neu. Die Akzeptanz war schon letztes Jahr groß, wir waren eigentlich im Februar und März schon ausverkauft, mussten die ganzen Karten wegen der darauffolgenden Beschränkungen im August aber wieder zurückgeben."

Verlängerte Festspielsaison: Völlig organische Idee

Auch bei der großen Gala mit dem mehrfach preisgekrönten argentinischen Countertenor Franco Fagioli am Samstagabend war die Stimmung bestens, wenngleich es im Saal viele Lücken gab - der Grund wurde genannt: Manche Gäste, aber auch manche Künstler konnten wegen der geltenden Beschränkungen nicht anreisen. Cenčić hofft darauf, dass sich das Barockfestival langfristig halten kann, die Festspielstadt Bayreuth davon profitiert, wenngleich die örtliche Kulturpolitik in den letzten Jahren eher etwas verworren war, die Stadt ist ja nicht gerade wohlhabend: "Von einer verlängerten Festspielsaison in Bayreuth profitiert ja die Wirtschaft enorm, der Tourismus. Wenn Sie zum Beispiel nach Salzburg schauen, wo mehrere Festspiele im Jahr stattfinden, da sehen Sie, dass die Stadt davon sehr profitiert hat. Für die Region Oberfranken wäre das von großer Wichtigkeit, wo doch zwei große Opernhäuser hier sind, das Markgräfliche und das Wagner-Festspielhaus, da bietet sich die Idee doch völlig organisch an."

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Star-Countertenor Franco Fagioli

Der neue Kulturreferent, Benedikt M. Stegmayer, hat viele Ideen, so plant er für den Sommer etwa auch ein Schauspiel-Festival, parallel zu den Wagner-Aufführungen auf dem Grünen Hügel, wie er dem BR sagte. Dann, so die Hoffnung, würden manche Gäste für hochkarätige Gastspiele womöglich länger bleiben. Im nächsten Jahr reitet Alexander der Große erst mal nach Indien, in einer Barockoper von Leonardo Vinci - ob da wohl echte Elefanten gebucht sind? "Die werden wir leider nicht haben dürfen", so Cenčić, "aber vielleicht kriege ich welche aus Pappmaché."

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