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© Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper
Bildrechte: Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

Es geht wieder los: Blick auf die Bühne der Bayerischen Staatsoper

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Bayerns Theater machen wieder auf: Das sind die neuen Regeln

Erste Premieren mit Publikum sind angekündigt, doch die Unsicherheit bei Zuschauern und Theaterleuten ist noch groß: Die Sitzplatzkapazität soll flexibel sein, der Abstand 1,50 Meter betragen, die Testpflicht ab einer Inzidenz unter 50 entfallen.

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Von
  • Peter Jungblut

Kein Geringerer als Herkules persönlich wird am kommenden Samstag in Passau die Muskeln spielen lassen: Auf dem Spielplan steht eine eher unbekannte Barock-Oper von Antonio Vivaldi aus dem Jahr 1723. Die passt jedoch hervorragend in das eher intime Fürstbischöfliche Opernhaus in der Dreiflüsse-Stadt. Der Titelheld des selten gespielten Werks "Ercole su'l Termodonte" (Herkules am Thermodon, ein kleiner Fluss im Norden der Türkei, der heute Terme Çayı heißt) muss einer Amazonen-Königin ihr Schwert entreißen – das dürfte so unterhaltsam wie dramatisch werden und ist in den Zeiten von #MeToo natürlich auch höchst aktuell.

Auf der Bühne kein Abstand mehr nötig

Immerhin: Das Duell kann ohne Abstand ausgefochten werden, denn im neuesten "Rahmenkonzept" der Staatsregierung heißt es ausdrücklich, "soweit die Einhaltung der Abstandsregel zu einer Beeinträchtigung der künstlerischen Darbietung führen würde oder soweit sie mit einer Tätigkeit im Zusammenhang mit der künstlerischen Darbietung nicht vereinbar" sei, könne auf Distanz verzichtet werden. Stattdessen müssten dann "betriebliche Schutzkonzepte" greifen, also zum Beispiel unter den Mitwirkenden mehr getestet oder feste Teams gebildet werden, die streng voneinander getrennt arbeiteten.

Aber es braucht wohl auch tapfere und vor allem gut informierte Zuschauer, denn das geltende bayerische Hygienekonzept, dass die Theater am Freitagabend erreichte, setzt auf Flexibilität, weshalb die genauen Regeln jeweils den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. In Passau finden nur rund achtzig Zuschauer Platz, das Theater fasst maximal 350 Personen und hat ein vergleichsweise kleines Parkett.

Residenztheater startet mit dem "Hamlet"

Es gibt also keine feste Zuschauer-Obergrenze mehr, die für alle Theater gleichermaßen gilt. Das war im Herbst vergangenen Jahres der Fall – und heftig kritisiert worden. Damals waren je nach Inzidenz fünfzig bzw. 200 Personen im Saal erlaubt, was von Intendanten als "Willkür" gesehen wurde. Jetzt soll ein Mindestabstand von 1,50 Meter gelten, und zwar zwischen jedem Hausstand, das heißt, Paare oder Kleingruppen, die zusammen wohnen, dürfen direkt nebeneinander sitzen. Dazwischen bleiben in der Regel zwei Sitze frei und außerdem wird jede zweite Sitzreihe ausgebaut bzw. nicht genutzt. Das bedeutet nach Angaben von Kommunikationsdirektorin Ingrid Trobitz vom Münchner Residenztheater, dass im großen Haus rund 200 Zuschauer eingelassen werden, in der Nebenspielstätte des Marstalls rund 70.

© Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Kumpel unter sich im Passauer "Herkules": Peter Tilch und Jeffrey Nardone (rechts)

© Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Scharfe Waffe: Amazone sticht zu

© Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Alle zu mir: Jeffrey Nardone als Herkules in schwarzer Kluft

Auch in der Bayerischen Staatsoper soll etwa ein Drittel der Kapazität genutzt werden, sagte Pressesprecher Christoph Koch dem BR. Das wären im besten Fall rund 700 von insgesamt 2100 Plätzen. Am Feiertag Christi Himmelfahrt erwartet die glücklichen Kartenbesitzer eine konzertante Aufführung von Richard Wagners "Walküre" mit Starbesetzung: Die Bayreuth-erfahrenen Topstars Jonas Kaufmann, Lise Davidsen und Georg Zeppenfeld werden den ersten Akt singen. Am Pfingstsonntag ist die erste Premiere angekündigt, der "Lear" von Aribert Reimann. Kompliziert wird es übrigens für die Orchesteraufstellung: Querflöten brauchen "nach vorn" mindestens drei Meter Freiraum, andere Blasinstrumente zwei Meter.

Keine Testpflicht mehr in Passau

Im Residenztheater München steht am Christi-Himmelfahrtstag die Premiere von Shakespeares "Hamlet" auf dem Spielplan. In der Ankündigung heißt es: "Die Zuschauer müssen zum Vorstellungsbesuch einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen. Außerdem muss während des gesamten Theaterbesuchs eine FFP2-Maske getragen werden." In München liegt die Inzidenz nach Angaben des maßgeblichen Robert-Koch-Instituts (RKI) aktuell bei 84,9, also unter 100.

In Passau dagegen werden aktuell 24,6 Fälle wöchentlich pro 100.000 Einwohner gemessen, also vergleichsweise sehr wenige. Deshalb gehen die dortigen Theatermacher davon aus, dass eine tagesaktuelle Testpflicht demnächst entfällt. Entsprechende Angaben finden sich auch bereits auf der Seite des Bürgerbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung mit Stand vom 7. Mai. Dort heißt es, dass ab dem heutigen Montag alle "Theater-, Konzert- und Opernhäuser, sowie Kinos" in Städten und Kreisen mit einer Inzidenz unter fünfzig "ohne Test" geöffnet sind. Allerdings müssen alle Zuschauer unabhängig von der Infektionslage während der gesamten Vorstellung FFP-2-Masken tragen.

© Sandra Then/Residenztheater
Bildrechte: Sandra Then/Residenztheater

"Hamlet" legt los am Residenztheater

Münchner Volkstheater öffnet wieder

Auch das Münchner Volkstheater öffnet in dieser Woche wieder, was für die dortigen Beschäftigten auch deshalb besonders erfreulich ist, weil sie nur noch wenige Wochen Zeit haben: Schon am 20. Juni muss das Traditionshaus schließen und seinen Umzug in die neuen Räumlichkeiten im Münchner Schlachthofviertel organisieren, wo sich im Oktober erstmals der Vorhang heben soll. "Wir sind uns im Klaren darüber, dass auch in den nächsten Wochen ein Spielbetrieb nur unter Einschränkungen und schwierigen Bedingungen möglich sein wird", heißt es in einer Pressemitteilung. "Wir freuen uns sehr den Spielbetrieb jetzt endlich wieder aufnehmen zu können."

Am kommenden Freitag, den 14. Mai, will das Haus eine Pforten erstmals wieder für Zuschauer öffnen, auf der großen Bühne steht die Webserie "SPIELZEIT" "im Kinoformat" auf dem Programm, am 20. Mai kommt das Stück "Übergewicht, unwichtig: Unform" von Werner Schwab in der Regie von Abdullah Karaca zur Premiere.

Kunstminister Sibler: "Schritt für Schritt mehr Normalität"

In Nürnberg dagegen scheint eine Wiedereröffnung der Theater noch weit entfernt: Dort beträgt die Inzidenz aktuell 222,2, und auch in Memmingen (267,6) und Schweinfurt (245,2) deutet noch nichts auf den Neustart in der Kultur hin. Regensburg immerhin liegt bei 115,6 und könnte damit in etwa zwei Wochen die Bedingungen erreichen, die für die Zulassung von Live-Publikum nötig sind.

Kunstminister Bernd Sibler hatte bereits letzte Woche von einem "Freudentag" gesprochen und das "Comeback von kulturellen Veranstaltungen in Bayern" angekündigt: "Die Sicherheitsmaßnahmen und fortschreitenden Impfungen zeigen Wirkung. Zudem verspricht der nahende Sommer zusätzliche Besserung hinsichtlich des Infektionsgeschehens. Da ist es die logische Konsequenz, dass wir Kunst- und Kulturliebhabern sowie Künstlerinnen und Künstlern Perspektiven bieten und Öffnungen in die Wege leiten. Unsere Einrichtungen sind darauf auch gut vorbereitet, da der Probenbetrieb durchgängig möglich war. Schritt für Schritt kehren wir so wieder zu mehr Normalität zurück."

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