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Große Enttäuschung: Bayerns Kinos und Theater bleiben dicht | BR24

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Bildrechte: Gärtnerplatztheater München

Wegen der steigenden Corona-Zahlen wird es in Bayern erstmal keine Lockerungen geben. Theater, Kinos, Konzertsäle und auch die Außengastronomie bleiben zu. In der Kulturszene stößt die Entscheidung auf Unverständnis, der Minister ist "enttäuscht".

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Große Enttäuschung: Bayerns Kinos und Theater bleiben dicht

Wegen der steigenden Corona-Zahlen wird es in Bayern erstmal keine Lockerungen geben. Theater, Kinos, Konzertsäle und auch die Außengastronomie bleiben zu. In der Kulturszene stößt die Entscheidung auf Unverständnis, der Minister ist "enttäuscht".

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Von
  • Peter Jungblut

"Die aktuelle Entwicklung ist für mich als Kunstminister natürlich sehr, sehr bedauerlich", so Bernd Sibler gegenüber dem BR: "Ich bin wie viele Kunstschaffende und Kunstliebhaber wirklich enttäuscht. Ich hätte mir eine andere Situation für die kommende Woche gewünscht, nämlich niedrigere Inzidenzwerte mit geöffneten Theatern und Konzertsälen." Es sei "schmerzlich", dass weitere Lockerungen in der Kultur erstmal auf Eis gelegt sind.

Bittere Stunden für all die Theaterintendanten, die für kommende Woche bereits erste Premieren mit Publikum angekündigt hatten, darunter Christian Stückl vom Münchner Volkstheater (Shakespeares "Macbeth") und Josef Köpplinger vom Gärtnerplatztheater (Kammeroper "Das Medium"). Sie alle müssen nun weiterhin ins Netz ausweichen, bis auf Weiteres alle Neuproduktionen online zeigen oder vertagen. "Es zeigt sich wieder, dass wir machtlos sind", so Stückl gegenüber dem "Münchner Merkur": "Jetzt müssen wir alles nach hinten verschieben. Die Mitarbeiter müssen zum Teil wieder in Kurzarbeit."

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Bildrechte: Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

Angesichts wieder steigender Corona-Zahlen wird es in Bayern am kommenden Montag keine weiteren Öffnungsschritte aus dem Lockdown geben. Theater, Kinos, Konzertsäle und die Außengastronomie müssen damit landesweit weiterhin geschlossen bleiben.

Die Bayerische Staatsoper musste sich ohnehin damit abfinden, ihre nächste Premiere, die mit Spannung erwartete Neuinszenierung des "Rosenkavalier" von Richard Strauss, nur online anbieten zu können: Die Vorstellung ist für den kommenden Sonntag ab 15.30 Uhr angesetzt, was für die zunächst angedachten Lockerungen einen Tag zu früh gewesen wäre. Die Produktion wird eine sehr populäre "Rosenkavalier"-Fassung des Regisseurs Otto Schenk ersetzen, die am 20. April 1972 Premiere hatte und im März 2018 zum letzten Mal zu sehen war. Die darauffolgende nächste Neuproduktion in Bayerns größtem Theater ist erst für den 23. Mai geplant, Aribert Reimanns Oper "Lear".

Der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, beklagte, dass in keinem einzigen Bundesland größere Lockerungen für die Kultur geplant seien : "Wir haben die Infektionsschutzverordnungen aller 16 Bundesländer sowie die jeweiligen Begründungen geprüft. Nirgendwo wird die vom Infektionsschutzgesetz zwingend vorgeschriebene Abwägung des Grundrechts auf Kunstfreiheit vorgenommen. Stattdessen sind unverändert flächendeckende Schließungen von Theatern, Konzert- und Opernhäusern völlig pauschal angeordnet. Das ist ein Skandal."

Angesichts steigender Infektionszahlen vorerst keine weiteren Öffnungen

Ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums hatte am Donnerstag in München alle weiteren Öffnungsschritte vorerst gestoppt und auf die nächsten Bund-Länder-Beratungen am kommenden Montag verwiesen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuvor gewarnt: "Wir stehen vor einer stark anwachsenden dritten Welle - und jetzt müssen wir aufpassen, dass aus der dritten Welle keine Dauerwelle wird." Somit bleibt neben den Theatern auch die Außengastronomie geschlossen.

Schon am Mittwoch hatte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek in einer Pressemitteilung angedeutet, dass die Staatsregierung vom ursprünglichen Plan, ab 22. März wieder Vorstellungen mit Publikum zu erlauben, zurückrudert: "Klar ist: Bei erheblichen Schwankungen oder sogar einem kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen können keine weitergehenden Öffnungen verantwortet werden. Vielmehr müssen Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Wer versucht, diese Regelungen mit Spitzfindigkeiten zu umgehen, gefährdet unser Gesundheitssystem und trägt auch wesentlich zu einer Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger bei."

OB Reiter: "Leider keine weiteren Öffnungsschritte möglich"

Das Münchner Volkstheater, das am kommenden Freitag, dem 26. März, tagesaktuell getestete Zuschauer zur Premiere von "Macbeth" empfangen wollte, verschiebt den Termin. In einer Pressemitteilung von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter heißt es: "Es ist angesichts der leider wieder dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens nicht auszuschließen, dass schon in absehbarer Zeit bei einem Inzidenzwert über 100 die ‚Notbremse‘ in Kraft tritt und dann alle Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden müssten. Einhellige Meinung meiner Fachleute ist, dass wir gerade auch mit Blick auf die deutlich ansteckenderen Corona-Mutanten von steigenden Fallzahlen ausgehen müssen und deshalb auch aus infektiologischen Gründen von weiteren Öffnungsschritten derzeit absehen sollten. Angesichts dieser eindeutigen Lage kann ich morgen im städtischen Krisenstab leider keine weiteren Lockerungen der Corona-Maßnahmen vorschlagen."

"Macht die Theater auf - und lasst sie offen"

Beim Intendanten des Gärtnerplatztheaters, Josef Köpplinger, stößt die Verlängerung des Kultur-Lockdowns auf entschiedene Ablehnung. Er hatte bereits letzte Woche davor gewarnt, das Publikum zu verunsichern. Wenn die Theater anders als zum Beispiel der Einzelhandel geschlossen blieben, müsse mancher Zuschauer das Gefühl vermittelt bekommen, ein Besuch sei besonders gefährlich.

© Wilfried Hösl/Bayerisches Staatsballett
Bildrechte: Wilfried Hösl/Bayerisches Staatsballett

Tänzer weiter unter sich: Szene aus "Porträt Wayne McGregor"

Köpplinger sagte dem BR am Donnerstagabend: "Mir fehlt jegliches Verständnis für derart undifferenzierte politische Handlungen. Es gibt Bereiche, die sicher sind. Dazu zählen an erster Stelle Theater und Opernhäuser mit erprobten Hygienemaßnahmen. Eine weitere Schließung dieser sicheren Kulturstätten widerspricht jeglicher Logik und ist eine für mich nicht nachvollziehbare Entscheidung. Corona wird uns noch länger begleiten. Wir haben eine Lösung, damit umzugehen. Also macht die Theater auf – und lasst sie offen!"

Andreas Beck, der Chef des Residenztheaters, hatte Anfang der Woche schon gemutmaßt, die Öffnungsperspektive ab kommendem Montag könne sich noch als "Science-Fiction" erweisen. Er hoffte auf erste Vorstellungen mit Publikum ab Ostern. Auch das erscheint nun abwegig.

Nächste Öffnungsschritte müssen warten

Nach der bayerischen Corona-Verordnung wären am Montag die nächsten Öffnungsschritte möglich gewesen. Laut dieser Verordnung hätten die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden dann jeweils "im Einvernehmen" mit dem Gesundheitsministerium weitere Öffnungen zulassen dürfen.

Aufgrund des besorgniserregenden landesweiten Anstiegs der Corona-Infektionszahlen könne bayernweit nicht mehr von einer stabilen Lage im Sinne der Verordnung ausgegangen werden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Es sei zu erwarten, dass in Bayern die Sieben-Tage-Inzidenz in den nächsten Tagen den Wert 100 übersteige.

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