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Bayerische Kunstschaffende setzen Zeichen gegen Rechts | BR24

© dpa-Bildfunk

Symbol des Bündnisses: die goldene Rettungsdecke.

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    Bayerische Kunstschaffende setzen Zeichen gegen Rechts

    Zahlreiche bayerische Kunst- und Kultureinrichtungen haben sich mit einer gemeinsamen Erklärung der bundesweiten Initiative "Die Vielen" angeschlossen. Man wolle sich für Vielfalt und gegen rechte Hetze engagieren. Im Mai sollen Demos stattfinden.

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    Zahlreiche bayerische Kunst- und Kultureinrichtungen haben sich mit einer gemeinsamen Erklärung der bundesweiten Initiative "Die Vielen" gegen rechte Hetze angeschlossen. Die Erklärung wurde am 1. Februar in Nürnberg vorgestellt. Vor Ort waren Matthias Lilienthal, der Intendant der Münchner Kammerspiele, Nürnbergs Staatsintendant Jens-Daniel Herzog, die Direktorin der Museen der Stadt Nürnberg Ingrid Bierer, Christian Schnurer vom Bundesverband Bildender Künstler*innen sowie die Leiterin des Gostner Hoftheaters Gisela Hoffmann. Insgesamt 310 Einrichtungen und freie Künstler aus ganz Bayern schlossen sich der Erklärung an.

    Auf der Pressekonferenz in Nürnberg berichtete Gisela Hoffmann von Hassmails und Drohungen seitens Mitgliedern der Partei Alternative für Deutschland (AfD), nachdem das Gostner Hoftheater 2016 Geflüchteten freien Eintritt zu den Vorstellungen gewährte. Dies müsse man auch Deutschen, die auf der Straße leben, gewähren, hieß es. "Die AfD versucht Geflüchtete gegen Obdachlose auszuspielen, wir lassen uns nicht instrumentalisieren", sagte Hoffmann. Für Matthias Lilienthal ist es wichtig, dass auch eine kulturelle Institution sich "auf verspielte intellektuelle Weise prägnant politisch äußert". Die Münchener CSU hatte es dem Intendanten der Kammerspiele im Juli vergangenen Jahres untersagen wollen, an der "#ausgehetzt"-Demonstration des Münchener Bündnisses "Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie" teilzunehmen. In seinen Augen sei die Asylpolitik von Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Gauland durchaus miteinander vergleichbar, sagte Lilienthal.

    Kein Podium für "völkisch-nationalistische Propaganda“ bieten

    In der Erklärung heißt es unter anderem, dass die Kulturschaffenden sich mit denjenigen solidarisieren, die von rechter Hetze an den gesellschaftlichen Rand gedrängt würden. "Als Kulturschaffende stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden", heißt es dort. Jede*r Kulturschaffende*r in Bayern trage eine besondere Verantwortung:

    "Hier wurde die Nationalsozialistische Bewegung gegründet. München war deren Hauptstadt und Parteizentrale der NSDAP. Bayreuth führte die Nazis und das Großkapital im Rahmen der Richard Wagner Festspiele zusammen. Der Obersalzberg wurde zum zweiten Regierungssitz des Dritten Reichs und Nürnberg der Aufmarschplatz der Reichsparteitage. Das Haus der Deutschen Kunst war der Tempel der Germanischen Leitkultur, während gleichzeitig in Dachau der Prototyp des Konzentrationslagers entwickelt wurde."

    In dem Text bekennen sich die Unterzeichner zur gesellschaftlichen Vielfalt und dazu, diese in ihren Institutionen auch zu leben. "Völkisch-nationalistischer Propaganda" werde man kein Podium bieten und jeden Versuch von außen abwehren, Kulturveranstaltungen für rechtsnationale Zwecke zu instrumentalisieren. Die ganze Erklärung gibt es hier zum Nachlesen. Am 19. Mai wollen die bayerischen Kunstschaffenden außerdem Großdemonstrationen für Vielfalt, Toleranz und Solidarität in München und Nürnberg organisieren.

    Störung von Veranstaltungen

    Der Verein „Die Vielen“ wurde im Juni 2017 gegründet. Er setzt sich für Toleranz, Gleichberechtigung und Völkerverständigung ein. Ziel sei es außerdem, den Dialog zwischen KünstlerInnen zu stärken und sich gemeinsam gegen rechte Gesinnungen zu engagieren. Im November 2018 veröffentlichten Bündnisse in Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen erstmals Erklärungen. Sie wurden von zahlreichen dort ansässigen Kunst- und Kultureinrichtungen unterstützt, inzwischen sind es bundesweit etwa 500. Symbol des Vereins ist die goldene Rettungsdecke. Sie sei ein Zeichen für das Recht auf Asyl, für die Solidarität mit allen, deren Leben durch Krieg bedroht sei, und stehe "für das Streben nach einem glänzenden Leben für alle", heißt es von dem Verein.

    Grund für das Engagement seien der Organisation zufolge auch zunehmende Übergriffe von Rechtsgesinnten. "Verbal geschieht das auf eine aggressive, giftige Art", sagte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon. "Im Grunde wird alles, was nicht AfD ist, als linksversifft bezeichnet." Im vergangenen Juni war die Performance "Gala Global" am Deutschen Theater Berlin, in der es um die Suche nach Weltbürgern geht, von Anhängern der rechtsextremen "Identitären Bewegung" gestört worden.

    Klagen der AfD

    Immer wieder müssen sich Einrichtungen auch mit Klagen auseinandersetzen. So klagte beispielsweise AfD-Politikerin Beatrix von Storch erfolglos gegen das im Herbst 2015 uraufgeführte Stück "Fear" von Falk Richter an der Berliner Schaubühne, weil darin Fotos von ihr verwendet wurden. Die künstlerische Leiterin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, Amelie Deuflhard, wurde von der AfD unter anderem wegen Schlepperei und eines Verstoßes gegen das Ausländergesetz angezeigt, weil Ende 2014 auf dem Gelände ein künstlerischer Aktionsraum für Flüchtlinge entstand. Ein Verfahren sei aber nie eingeleitet worden, sagte Deuflhard.

    Das politische Theater maße sich an, die moralisch zulässigen Antworten auf komplexe gesellschaftliche Debatten zu kennen, sagte der kulturpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Marc Jongen. Wer diese Antworten nicht teile, dem werde auf der Bühne der "Schauprozess" gemacht. Deshalb setze sich die AfD dafür ein, die staatlichen Förderungen für Kunst- und Kultureinrichtungen zu kürzen.

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