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Blick in den Spiegel

In einer offiziellen Stellungnahme des Bayerischen Staatsballetts heißt es, zwar lehne die Compagnie "jegliche Form der Diskriminierung" ab und man müsse und könne nicht "alle Kommentare" von Künstlern "gut und richtig" heißen, doch gelte es, die "Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen" persönlich, im Dialog und "ohne jede Skandalisierung, die Menschen lediglich in eine Ecke" dränge, weiterzuführen.

Wörtlich heißt es in dem Text auf der Homepage des Staatsballetts: "Es entspricht nicht unserer Philosophie, Künstler auf Grundlage widersprüchlicher und unüberlegter Äußerungen zu beurteilen und einzig diese Beurteilung darüber entscheiden zu lassen, ob sie auftreten oder nicht. Sergei Polunin ist ein herausragender Künstler und als solcher in dieser Spielzeit Gast am Bayerischen Staatsballett."

"Eiserne Prinzipien" des russischen Ballett-Chefs

Das Bayerische Staatsballett wird seit August 2016 vom russischen Choreographen Igor Zelensky geleitet, der wegen seiner konservativen Stück-Auswahl und seinen "eisernen Prinzipien" unter Ballett-Fans und Kritikern ebenfalls umstritten ist. Zelensky ließ sich dafür feiern, neben Polunin auch die russische Primaballerina Natalia Osipova nach München geholt zu haben. Ursprünglich wollte Zelensky neben dem Bayerischen Staatsballett parallel das Ballett des Stanislawsky und Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters in Moskau leiten, eine Aufgabe, die er dann aber doch abgab, um sich ganz auf München zu konzentrieren.

Viele Tattoos: Polunin in Denker-Pose

Viele Tattoos: Polunin in Denker-Pose

"Es ist nicht leicht, gut zu sein"

Der umstrittene Tänzer Polunin, der auch als Filmschauspieler tätig ist, hatte kurz vor Weihnachten auf Instagram ein auf seine Brust tätowiertes Porträt von Putin präsentiert und dazu den Text gestellt: "Danke an Vladimir und jeden anderen, der für das Gute steht". Es sei nicht leicht, "gut zu sein und das Licht zu wählen". Der gebürtige Ukrainer hatte kürzlich die russische Staatsbürgerschaft angenommen.

Die Oper Paris hatte ihn als Gast-Star in Peter Tschaikowskys populärem "Schwanensee"-Ballett besetzt, Polunin dann aber hinausgeworfen, nachdem er in sozialen Netzwerken gefordert hatte, übergewichtige Menschen "zu ohrfeigen", weil er denen "Faulheit" nicht akzeptieren könne. Französische Tanz-Kollegen hatten die Äußerungen als "Schande" gebrandmarkt.

Sergei Polunin hat sich das Porträt von Wladimir Putin auf die Brust tätowieren lassen.

Sergei Polunin hat sich das Porträt von Wladimir Putin auf die Brust tätowieren lassen.