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Les McKeown

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    "Bay City Rollers"-Sänger Les McKeown gestorben

    In München eröffnete er einen Karaoke-Club, aber mit den "Bay City Rollers" erlebte er eine kurze und heftige Weltkarriere. Auch später tourte der Sänger noch unermüdlich bis nach Japan und fühlte sich im "siebten Himmel". Er wurde 65 Jahre alt.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Ihr Schotten-Look ist unvergessen: Gern traten die "Bay City Rollers" in Tartan-Hosen auf und ihr ehemaliger Leadsänger Les McKeown verriet auch, woher sie die Grundidee für ihr cooles Outfit nahmen: Von der Hard-Rock-Band "Slade", deren Mitglieder gern in aufgerollten Jeans und "Dr. Martens"-Stiefel unterwegs waren. Die offiziell niemals aufgelöste Boy-Band entschied sich allerdings für Adidas-Sneaker und drapierte sich mit Karo-Stoffen, um "Schottland wieder groß zu machen", wie McKeown später scherzte.

    So blieben die "Rollers" mit ihrer Highland-Mania in Erinnerung. McKeown selbst stieg bereits 1978 aus, wagte eine Solo-Karriere, veröffentlichte acht wenig erfolgreiche Alben, tourte mit seiner neuen Band jahrzehntelang durch Europa, die USA, Kanada, Australien und Japan, war ab 2015 wieder offizielles Mitglied der "Rollers", absolvierte 100 Auftritte im Jahr und war nach eigenen Worten glücklich, seinen Fans dieselben Songs zu bieten, die sie aus ihren Teenie-Tagen kannten, ergänzt um ein paar traditionelle schottische Weisen: "Es ist ein ganz nettes Leben." Eigentlich sei er sogar "im siebten Himmel", verriet er 2018 in einem Interview.

    Die alten, verstaubten Kassetten mit unveröffentlichten Songs aus "Bay City Rollers"-Tagen hatte McKeown noch im vorgerückten Alter aus dem Keller geholt, um sich musikalisch inspirieren zu lassen - für ihn ein Beispiel dafür, dass der Rat, alles wegzuwerfen, was man seit Jahren nicht mehr benutzt hat, falsch ist.

    "Das Beste, was uns passieren konnte"

    Der gut aussehende McKeown war 1973 von der Band "Threshold" zu den "Bay City Rollers" gestoßen, als Ersatzmann für Sänger Gordon "Nobby" Clark. Damals hatte die Boy-Band, die bereits 1964 gegründet worden war, gerade ihren Durchbruch erlebt mit ihrer ersten Top-Ten-Single. McKeown konnte an den Erfolg anschließen, sang "Remember (Sha La La)", "Bye Bye Baby" und "Give a Little Love" und sorgte dafür, dass ein Hit den nächsten ablöste. Die Alben "Rollin'" (1974) und "Once Upon a Star" (1975) machten Geschichte. Ihren Namen hatten die "Bay City Rollers" übrigens angeblich dadurch gefunden, dass sie Dartpfeile auf eine Karte der Vereinigten Staaten warfen und offenkundig genau auf Bay City in Michigan trafen.

    Mit "Saturday Night" gelang der Band auch in den USA ein Riesenhit, obwohl derselbe Song in Großbritannien gefloppt war, und die kurze, aber heftige Ära der "Rollermania" begann. Der Schotten-Look wurde Mode, die Jungs mit McKeown an der Spitze waren Dauergäste in TV-Talkshows, auf den Covern von Jugendmagazinen und bei Werbepartnern. "Das Leben konnte nicht besser sein! Ein Hubschrauber holte uns vom Flughafen ab und setzte uns im Madison Square Garden ab, der mit begeisterten Fans gefüllt war. Es war das beste, was uns passieren konnte", erinnerte sich McKeown und verwies darauf, dass andere britische Bands wie "Sweet" in den USA damals nicht den Erfolg hatten, den sie sich erhofft hatten.

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    Machte Schottland "groß": Les McKeown

    In Australien ging für McKeown und seine Band-Kollegen ebenfalls die Post ab, allerdings seufzte der Schotte noch Jahre später, es sei dort fürchterlich heiß gewesen, und während ihre Doubles in klimatisierten Limousinen herumkutschiert worden seien, mussten die "Originale" aus Sicherheitsgründen im Frachtraum von beengten Transportern durchhalten.

    In München eröffnete er 1991 einen Karaoke-Club

    Gefragt, mit welchen Bands und Sängern er in seiner Jugend gerne zusammengearbeitet hätte, nannte McKeown Vorbilder wie David Bowie, Bryan Ferry, Robert Plant und Roger Waters von "Pink Floyd". Damals habe es überhaupt nicht soviel Dünkel unter Musikern gegeben wie heutzutage. Und wenn, dann habe er jedenfalls nichts davon mitbekommen.

    Geboren wurde McKeown am 15. November 1955 in Edinburgh. Nach seiner Karriere mit den "Rollers" arbeitete er seit den späten achtziger Jahren in Deutschland mit dem Produzenten Dieter Bohlen zusammen. Seine erste bei dieser Kooperation entstandene Single, "She’s a Lady", die auch auf dem Debütalbum von "Blue System" zu finden war, erreichte Platz 38 der deutschen Charts. Es folgten einige weitere Songs und der Soundtrack zur ZDF-Fernsehserie "Rivalen der Rennbahn" über das Leben eines Jockeys: "It´s a Game". In München eröffnete McKeown 1991 übrigens gemeinsam mit dem Ex-Chefredakteur der "Bravo", Wolfgang "Bubi" Heilemann, einen Karaoke-Club, der als "Fachgeschäft" bezeichnet wurde und schwärmte über die bayerische Landeshauptstadt, sie sei das "Hollywood" von Deutschland.

    Am vergangenen Dienstag ist Les McKeown nach Angaben seiner Familie im Alter von 65 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Über die Todesursache wurden keine Angaben gemacht.

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