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Baustelle Kirche: Wenn Gotteshäuser umgestaltet werden | BR24

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Die Kirche St. Anton in Schweinfurt wird umgebaut.

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Baustelle Kirche: Wenn Gotteshäuser umgestaltet werden

Viele Kirchen sind mit der Zeit zu groß für ihre Gemeinden geworden. Immer weniger Menschen kommen zum Gottesdienst, immer mehr treten aus den Kirchen aus. Diese brauchen gleichzeitig Räume, etwa für soziale Projekte. Gotteshäuser werden umgebaut.

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Für den Bagger ist es nur ein kleiner Schubs mit der Schaufel, der die schwere Marmorplatte vom Sockel stößt und mit lautem Krach auf einen Haufen Bauschutt fallen lässt. Für Diakon Joachim Werb von der Kirche St. Anton in Schweinfurt ist es der Abschied von seinem Altar, der ein halbes Jahrhundert alt wurde und an dem er unzählige Messen, Hochzeiten und Erstkommunionen gefeiert hat.

Eine Kirche wird kleiner und vielfältiger

"Sechs Jahre lang war ich hier am Altar gestanden", sagt Werb, "und es tut schon ein bisschen weh, wobei ich sagen muss, ich freue mich auch aufs Neue." Vieles soll neu werden im Kirchenzentrum "CaSa", einem Leuchtturmprojekt der Diözese Würzburg.

Die denkmalgeschützte Kirche wird verkleinert. Die 700 Plätze werden in den Gottesdiensten von St. Anton längst nicht mehr gebraucht und auf 200 reduziert. Der frei gewordene Platz soll ab Mitte 2021 für den "Dienst am Nächsten" genutzt werden – der Schweinfurter Caritasverband zieht ein.

Der monumentale Eingangsbereich wird zu einem Foyer umgewandelt, wo das "Café Charisma" als Begegnungsort geplant ist. Es soll eine "Willkommensatmosphäre" geschaffen werden, "in der sich keiner ausgegrenzt fühlt", sagt Marion Hammer vom Caritasverband.

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Viele Kirchen sind mit der Zeit zu groß für ihre Gemeinden geworden - immer weniger Menschen besuchen den Gottesdienst. In der Gemeinde St. Anton in Schweinfurt wird deshalb die Kirche verkleinert und umgebaut.

Ein Archiv im ehemaligen Gotteshaus

Auch im Augsburger Stadtteil Oberhausen wurde Platz frei, nachdem vier Kirchen und ihre Gemeinden zu einer Pfarrgemeinschaft verbunden wurden. Pfarrer Bernd Weidner wurde zu einem Immobilienverwalter. "Wir entwickeln Räume und gleichzeitig Ideen, was da stattfinden soll." Die Arbeit mit seinem Team sei ein dynamischer Prozess, der durchaus Spaß mache.

Ein Gebäude hat bereits eine neue Aufgabe bekommen. Im ehemaligen Langhaus der Kirche von St. Joseph befindet sich jetzt das Archiv des Bistums Augsburg. Hier wurde auf fünf Etagen Platz für zukünftig 22 Kilometer Akten und Kirchenbücher geschaffen. Das älteste Dokument des Archivs, eine handgeschriebene Benediktregel, ist fast 1200 Jahre alt.

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Nachdem im Augsburger Stadtteil Oberhausen vier Kirchengemeinden zusammengefasst wurden, musste man überlegen, was mit den Gotteshäusern passieren soll - aus einer Kirche wurde ein Archiv gemacht.

Kirchenräume bleiben erhalten

Während für den Lesesaal des Archivs und weiteren Verwaltungsräumen ein Neubau errichtet wurde, ist der spirituelle Raum nicht aus dem Kirchengebäude verschwunden. Er wurde, wie in Schweinfurt, nur verkleinert und beschränkt sich auf den ehemaligen Altarbereich, der 2012 mit einer Segnung zu neuem Leben erweckt wurde.

125 Plätze gibt es heute, statt 500. "Viele ältere Menschen waren der Meinung, dass das gut ist, dass diese riesengroße Kirche eine kleinere Kirche wird", sagt Peter Donn, ehemaliger Kirchenpfleger in St. Joseph. Denn so konnte die Kirche erhalten bleiben.