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Barbara Mundel soll neue Chefin der Münchner Kammerspiele werden | BR24

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Die frühere Intendantin des Theaters Freiburg und kurzzeitige Chefdramaturgin der Münchner Kammerspiele soll nach dem Willen von Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) das renommierte, aber krisengeschüttelte Schauspielhaus ab 2020 übernehmen.

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Barbara Mundel soll neue Chefin der Münchner Kammerspiele werden

Die frühere Intendantin des Theaters Freiburg und kurzzeitige Chefdramaturgin der Münchner Kammerspiele soll nach dem Willen von Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) das renommierte, aber krisengeschüttelte Schauspielhaus ab 2020 übernehmen.

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Küppers begründete seine Entscheidung mit den Worten: "Barbara Mundel ist eine versierte, bekannte, erfolgreiche und gut vernetzte Intendantin, die die Münchner Kammerspiele bereits kennt. Barbara Mundel wird an die traditionsreiche und stets nach vorne gerichtete Linie der Münchner Kammerspiele anknüpfen." Sie stehe für eine umsichtige Öffnung des Stadttheaters, was Inhalte, Formate und Zielgruppen angehe. Mundel selbst sagte: "Dass ich nun als Intendantin für die Kammerspiele berufen werden soll, führt mich in eine Theaterstadt zurück, die meinen Werdegang von Anfang an geprägt hat. Ich möchte, dass die Kammerspiele auch weiterhin Maßstäbe setzen.»" Sie erwarte "ein kundiges, neugieriges und diskussionsfreudiges Publikum".

Vorgänger Matthias Lilienthal, der als Intendant noch bis 2020 das Sagen hat im angesehenen und vielfach preisgekrönten städtischen Theater an der feinen Münchner Maximilianstraße, geriet vor allem mit der örtlichen CSU-Stadtratsfraktion aneinander. Dort warf man ihm sinkende Einnahmen, zu wenig Zuschauer und ein zu "sperriges" Angebot vor. Tatsächlich erweiterte Lilienthal den Spielplan der Kammerspiele um Konzerte, Diskussionen, Konzeptkunst und allerlei Formate, die sich nicht dem klassischen Repertoire eines klassischen Schauspielhauses zuordnen ließen. Politische Themen wie Migration und Wohnungsnot waren dem umstrittenen Theaterchef wichtiger, als die Erwartungen der eher konservativen Münchener Bildungsbürger zu erfüllen. Er verteidigte sich daher mit dem Argument, er hole jüngere Zuschauer ins Theater, darunter viele Studenten, denen er attraktive Eintrittspreise garantierte. Doch das half alles nichts, im Sommer 2020 muss Lilienthal seinen Posten räumen. Sein Engagement wäre nicht verlängert worden, deshalb verkündete er, mit Vertragsende in München aufzuhören.

In Freiburg gab es "unüberwindbare Differenzen"

Jetzt hat der zuständige Kulturreferent Hans-Georg Küppers, der persönlich an Lilienthal festhalten wollte und sein Amt selbst am 30. Juni 2019 abgibt, offenkundig eine Nachfolgerin gefunden. Dem Kulturausschuss des Münchener Stadtrats schlug er Barbara Mundel vor, die von den Fraktionen noch bestätigt werden muss. Mundel war bis 2017 Chefin am Theater Freiburg. Danach sollte sie eigentlich Kuratorin für die Feierlichkeiten zum 900. Stadtjubiläum werden, doch das scheiterte an "unüberbrückbaren Diffferenzen", nur drei Tage, nachdem sie die das Theater verlassen hatte. Seitdem ist Mundel freiberuflich tätig, so war sie in diesem Sommer als Dramaturgin bei der Ruhrtriennale beschäftigt und engagierte sich gemeinsam mit der früheren Augsburger Theaterintendantin Juliane Votteler im Schwarzwald in Flüchtlingsprojekten. Ob Barbara Mundel bei CSU und SPD im Münchner Stadtrat mehrheitsfähig ist, wird sich zeigen, es soll allerdings positive Signale geben. Alles andere wäre auch verwunderlich, wird sich Hans-Georg Küppers doch vor seinem öffentlichen Vorschlag intern mit allen wichtigen Akteuren im Stadtrat abgestimmt haben.

© Barbara Mundel

Guten Mutes: Barbara Mundel

Werden die Kammerspiele wieder "mehrheitsfähiger"?

In Freiburg, wo sie von 2006 bis 2017 das Theater leitete, hatte Barbara Mundel durchaus wechselnden Erfolg. Vor allem in ihren letzten Jahren als Intendantin hatte sie vergleichsweise wenig Glück mit Neuproduktionen, wenngleich einige Uraufführungen durchaus Aufsehen erregten. Wichtig war ihr jedenfalls, wie auch Matthias Lilienthal, das Theater zu öffnen, Angebote auch für die "bildungsferne" Stadtgesellschaft zu machen. Diverse Projekte erwiesen sich dabei als gut gemeint, aber wenig zugkräftig. In München dürfte vor allem die mächtige CSU von ihr erwarten, die Kammerspiele wieder mehrheitsfähig zu machen, also das Stammpublikum zurückzuholen, ohne jüngere Zuschauer abzuschrecken. Beides dürfte schwierig werden, zumal auf der anderen Seite der Maximilianstraße das staatliche Residenztheater auch klassische Stoffe auf dem Spielplan hat und die Konkurrenz der beiden Häuser legendär ist. Im finanziell gut ausgestatteten "Resi" wird im Sommer 2019 Andreas Beck Intendant, der sich gerade in Basel über den Titel "Theater des Jahres" freuen durfte. Für die Kammerspiele also eine ernst zunehmende Konkurrenz.

In Luzern war sie frustriert

Barbara Mundels Karriere führte sie zunächst an Frank Castorfs Berliner Volksbühne und von 1999 bis 2004 ins schweizerische Luzern, wo sie mit ihren innovativen Ideen durchaus aneckte. Eine bei Kritikern beliebte, sehr sperrige "Bohème" verschreckte die örtlichen Opernfreunde. Dies und weitere Tiefschläge frustrierten die Theatermacherin dermaßen, dass sie sich öffentlich vom eigenen Publikum "enttäuscht" zeigte, ein Jahr vor Vertragsablauf das Handtuch warf und in Interviews einräumte: "Wir haben halt aus einer begeisterten Naivität heraus gehandelt". Früher inszenierte Mundel häufiger selbst, zuletzt in Freiburg Jules Massenets Aschenputtel-Oper "Cendrillon", doch sie gilt eher als kenntnisreiche, gut vernetzte Vermittlerin, die weiß, welcher Regisseur für welche Stoffe in Frage kommt. An den traditionsreichen Münchner Kammerspiele wäre sie die erste Frau an der Spitze.

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