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Barbara Mundel lächelt in die Kamera
© dpa / Rolf Haid

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Barbara Mundel lächelt in die Kamera

Kulturreferent Hans-Georg Küppers hatte eine klare Empfehlung für Barbara Mundel ausgesprochen, der Stadtrat folgte ihm nun und entschied sich in nicht-öffentlicher Sitzung für die Kandidatin des Kulturreferats. Mundel kennt die Kammerspiele bereits, von 2004 bis 2005 war sie Chefdramaturgin an der traditionsreichen Münchner Bühne. Auch langjährige Erfahrung als Intendantin kann Mundel vorweisen: Von 2006 bis 2017 war sie Leiterin des Theaters Freiburg. Derzeit arbeitet die 59-Jährige als Dramaturgin der Ruhrtriennale und engagierte sich gemeinsam mit der früheren Augsburger Theaterintendantin Juliane Votteler im Schwarzwald in Flüchtlingsprojekten.

Weiterentwicklung des Sprechtheaters

Dass Barbara Mundel die Kammerspiele neu erfinden wird, ist nicht zu erwarten. Ebensowenig dürfte sie die Öffnung des Theaters, wie sie Matthias Lilienthal betrieben hat, grundsätzlich zurückdrehen - schließlich hat Mundel in Freiburg bereits in einer ähnlichen Richtung gearbeitet. Wichtig war ihr, wie Matthias Lilienthal auch, das Theater zu öffnen und Angebote auch für die "bildungsferne" Stadtgesellschaft zu machen. Kulturreferent Küppers sagte nach der Entscheidung für Mundel, sie werde "für ein zukunftsgerichtetes Sprechtheater stehen, das mit einem starken Ensemble die Tradition der Kammerspiele als literarisches Theater weiterentwickeln wird".

In München dürfte vor allem die mächtige CSU von Mundel erwarten, die Kammerspiele wieder mehrheitsfähig zu machen, also das Stammpublikum zurückzuholen, ohne jüngere Zuschauer abzuschrecken. Beides dürfte schwierig werden, zumal auf der anderen Seite der Maximilianstraße das staatliche Residenztheater auch klassische Stoffe auf dem Spielplan hat und die Konkurrenz der beiden Häuser legendär ist. Im finanziell gut ausgestatteten "Resi" wird im Sommer 2019 Andreas Beck Intendant, der sich gerade in Basel über den Titel "Theater des Jahres" freuen durfte. Für die Kammerspiele also eine ernst zunehmende Konkurrenz.

Die Münchner Bildungsbürger

Vorgänger Matthias Lilienthal, der als Intendant noch bis 2020 das Sagen hat im angesehenen und vielfach preisgekrönten städtischen Theater an der feinen Münchner Maximilianstraße, geriet vor allem mit der örtlichen CSU-Stadtratsfraktion aneinander. Dort warf man ihm sinkende Einnahmen, zu wenig Zuschauer und ein zu "sperriges" Angebot vor. Tatsächlich erweiterte Lilienthal den Spielplan der Kammerspiele um Konzerte, Diskussionen, Konzeptkunst und allerlei Formate, die sich nicht dem klassischen Repertoire eines klassischen Schauspielhauses zuordnen ließen.

Politische Themen wie Migration und Wohnungsnot waren dem umstrittenen Theaterchef wichtiger, als die Erwartungen der eher konservativen Münchener Bildungsbürger zu erfüllen. Er verteidigte sich daher mit dem Argument, er hole jüngere Zuschauer ins Theater, darunter viele Studenten, denen er attraktive Eintrittspreise garantierte. Doch das half alles nichts, im Sommer 2020 muss Lilienthal seinen Posten räumen. Sein Engagement wäre nicht verlängert worden, deshalb verkündete er, mit Vertragsende in München aufzuhören.

Erste Frau an der Spitze der Kammerspiele

Barbara Mundels Karriere führte sie zunächst an Frank Castorfs Berliner Volksbühne und von 1999 bis 2004 ins schweizerische Luzern, wo sie mit ihren innovativen Ideen durchaus aneckte. Eine bei Kritikern beliebte, sehr sperrige "Bohème" verschreckte die örtlichen Opernfreunde. Früher inszenierte Mundel häufiger selbst, zuletzt in Freiburg Jules Massenets Aschenputtel-Oper "Cendrillon", doch sie gilt eher als kenntnisreiche, gut vernetzte Vermittlerin, die weiß, welcher Regisseur für welche Stoffe in Frage kommt. An den traditionsreichen Münchner Kammerspiele ist sie die erste Frau an der Spitze.

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B5 Kultur vom 24.10.2018 - 13:25 Uhr