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Das 60 Jahre alte ODEON mit seinem goldroten 50er-Jahre-Look ist ideal als Festival-Kino.
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Das 60 Jahre alte ODEON mit seinem goldroten 50er-Jahre-Look ist ideal als Festival-Kino.

Das Bamberger Kurzfilmfestival ist das älteste in Deutschland. Es zeigt auch in seiner 29. Auflage schwerpunktmäßig Filme aus dem deutschsprachigen Raum. Ein Festival, das jungen Nachwuchsfilmern als Sprungbrett dienen will und das auch regionalen Filmemachern ein Forum bietet, ihre Arbeiten einem breiten Publikum zu zeigen.

Im Wettbewerb „Regionalfilm“ läuft der 20-Minuten-Film „Der Wind kommt von Norden". Die Flucht aus der DDR hat 1979 die ganze Welt bewegt. Zwei Familien aus Thüringen überquerten in einem selbstgebauten Heißluftballon die Grenze nach Westdeutschland. Die Geschichte wurde bereits mehrfach ins Kino gebracht, zuletzt von Bully Herbig. Auch der Dokumentarfilmer Klaus Fleischmann aus Hirschaid bei Bamberg ist seit Jahren von dem Stoff fasziniert. Er nimmt Kontakt mit Günter Wetzel, einem der Geflüchteten von damals auf und dreht mit seiner Unterstützung einen Kurz-Dokumentarfilm. Nicht ohne Stolz erzählt Fleischmann, dass Günter Wetzel, der ja hinterher mit Bullig Herbig gedreht hat, gesagt habe, seine Filmversion sei "die richtige Geschichte, so wie sie war“. Dabei sei natürlich zu bedenken, dass der Spielfilm die Spannung über zweieinhalb Stunden aufrechterhalten müsse. Bei einem Kurzfilm habe man das Problem weniger.

Im Kino dominiert der Langfilm

„Der Wind kommt von Norden“ – das ist nur eine von rund 130 Produktionen aus 17 Ländern, die Volker Trautmann und sein Team für das Programm der 29. Bamberger Kurzfilmtage ausgewählt haben. Aber warum wird das Genre „Kurzfilm“ überhaupt noch aufrechterhalten, wenn man in den Kinos heute – anders als früher - in der Regel nur noch Langfilme zu sehen bekommt?

Festivalleiter Volker Traumann vermutet, das habe wohl ökonomische Gründe, warum heute überall der Langfilm vorherrscht. Dennoch bleibe der Kurzfilm extrem wichtig. An den Hochschulen werden erst einmal Kurzfilme gedreht. Der Kurzfilm sei einfach das Medium, das dem Filmemacher die Möglichkeit biete sich zu erschwinglichen Preisen auszuprobieren und erst mal herumzuexperimentieren.

Regisseure aus dem In- und Ausland präsentieren in Bamberg erste filmische Gehversuche und experimentelle Produktionen, die ahnen lassen, welch großes Potenzial in dem einen oder anderen Filmemacher schlummert.

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