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Viel zum Lachen, viel zum Nachdenken! | BR24

© Comedy Central

Szene aus "Awkwafina is Nora from Queens"

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    Viel zum Lachen, viel zum Nachdenken!

    Die Künstlerin Awkwafina wurde mit Rapsongs auf YouTube bekannt und überraschte auf der Leinwand in "Crazy Rich Asians". Jetzt ist sie in der Comedy-Serie "Awkwafina is Nora from Queens" zu erleben. Unbedingt sehenswert.

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    Da schwebt Nora friedlich in einem weißem Gewand – gerade frisch im Himmel angekommen. Schon gibt's Vorhaltungen. Als sie Gott beichtet, dass sie noch bei ihrem Vater und ihrer Oma gewohnt hat, gibt es einen Reality Check: "Bei ihnen gelebt? Schätzchen, du bist fast 30!" Wo Gott recht hat, hat er recht. Nora hat zwar geträumt. Zurück in der Realität nimmt ihre Oma den Faden auf, Noras Zimmer würde aussehen wie eine Müllhalde. Sie müsse endlich erwachsen werden. Wir ahnen: Nora kriegt einfach den Arsch nicht hoch – und das seit Jahren. In der ersten Folge "Awkwafina is Nora from Queens" wird Nora klar, dass es so nicht weitergehen kann.

    Von nun an straucheln wir mit Nora durch die Folgen und ihr Leben, dem sie auf sehr kreative Art versucht, irgendwie den richtigen Spin zu geben. Dieses eigentlich doch sehr schwere Thema packt die späte Coming of Age Geschichte auf besondere Art an, mit schnell erzählten Anekdoten und vielen Albernheiten, mit Muschifürzen, Vibratoren und etwas Gras. Die Witz-Dichte ist hoch. Sogar als Nora ihrer Oma und ihrem Vater beibringen möchte, dass sie nun endlich ausziehen wird und sich rührselig ihrer Oma zuwendet und sie in ihrer Heimatsprache anspricht. Ein Moment, den der Vater jäh unterbricht, was das denn jetzt solle? Das war's dann auch wieder mit den großen Emotionen. Und trotzdem steckt ganz viel in diesem Moment.

    © Comedy Central

    Awkwafina im Kreise ihrer Familie

    Nora setzt sich mit ihrer Familiengeschichte auseinander. Auch die Künstlerin Awkwafina ist von ihrem Vater und dessen Mutter aus China großgezogen worden. Auch sie heißt Nora – Nora Lum – und ist nicht in einem all american Haushalt aufgewachsen. Kultur und die Auslegung von Kultur ziehen sich durch die ganze Serie. Sie ist dann also doch nicht nur albern. Weil sich die Geschichte vor allem um Noras Familie und ihr Umfeld dreht, sehen wir vor allem Menschen mit südostasiatischen Wurzeln – und auch darüber hinaus kaum weiße Menschen, auf jeden Fall nicht in den Hauptrollen. Stattdessen Lori Tan Chinn aus "Orange Is The New Black" oder BD Wong aus "American Horror Story". Der Cast der Serie ist sehr divers, auch in Hinblick auf Queerness und das Alter der Rollen und Schauspielenden, die sie besetzen.

    Ein "Rassenkampf" zwischen Koreanerinnen und Chinesinnen

    Darüber hinaus gibt es in der Erzählung der Serie einen Unterschied zwischen Personen, die aus China oder Korea stammen. Der wird zwar auch oft als Witz verpackt: Die Freundinnenclique von Noras Oma legt sich mit einer Gruppe Koreanerinnen an, was Nora im Englischen als einen innerasiatischen "race war" (Rassenkampf) bezeichnet. Und die Oma im Anschluss daran erinnert, dass Noras Vater zwar aus China kommt – ihre Mutter aber Koreanerin war. Diese Unterscheidung mag erst einmal befremdlich erscheinen. Aber denken wir daran, wie Serien sonst mit ihren Figuren aus diesem Raum umgehen. Oft wird da gar nichts erwähnt. Aber eben nicht aus Toleranz, sondern weil es dann halt "die Asiaten" sind.

    Awkwafina hat an dieser Serie mitgeschrieben, sie produziert und spielt die Hauptrolle. Das heißt: Sie bestimmt den Ton. Und der ist trotz allem nicht politisch korrekt, sondern setzt auf Konfrontation. Nora verabschiedet ihre schwarze Freundin mit der Anspielung auf den Comic und Film "Black Panther mit Wakanda". Was ihre Freundin ihr sofort verbietet. Als es darum geht, welcher Job Nora über Wasser halten könnte, ist klar: Altenpflege geht nicht. Nora erinnere die alten Herrschaften immer an Vietnam.

    "Awkwafina Is Nora From Queens" ist manchmal etwas zu albern. Um all die schlauen Anspielungen wirklich zu bemerken, braucht es Aufmerksamkeit. An einigen Stellen gibt es was zu lernen. Andere Pointen wirken, als seien sie für die american-asian Community geschrieben worden: wie ein Insider-Witz, dem man vor dem Bildschirm zunicken kann. Deswegen sollte man die Folgen nicht besinnungslos weg-bingen, aber trotzdem unbedingt ansehen. Weil gerade keine andere Serie so leichtfüßig unsere Fernsehlandschaft in Richtung Fortschritt schiebt. Mit jedem Witz ein wenig mehr.

    “Awkwafina is Nora from Queens“ läuft bei Comedy Central.

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