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Nostalgie-Pop im Stil Lana Del Reys: Das Debüt von Ava Vegas | BR24

© Songs By Night

Ava Vegas auf dem Cover ihres Debüt-Albums Ava Vegas

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    Nostalgie-Pop im Stil Lana Del Reys: Das Debüt von Ava Vegas

    Mit bürgerlichem Namen heißt sie Sarina, Dolores, Anna, Yasmin Giffhorn, als Musikerin nennt sie sich Ava Vegas. So viele Vornamen sie hat, an so vielen Orten hat sie bereits gelebt. Jetzt debütiert die Berliner Musikerin mit dem Album "Ava Vegas".

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    Eine Jugend auf Ibiza ist möglich, aber sinnlos. Zumindest auf der Partyseite der Insel: Touristenauffangbecken, Betrunkene, Techno-Druffies, alle sind high. Dann doch lieber die Klischeewelt auf der anderen Seite der Insel: wunderschöne Natur, Aussteiger, Althippies und komische Persönlichkeiten. Und mittendrin die kleine Ava, Tochter eines Kulturwissenschaftlers. "Ich glaube, dass mich das sehr geprägt hat, dass ich da so viele spannende Leute kennengelernt habe." Leute, die damals schon alt waren und ihre beste Zeit in den 70ern, 80ern hatten, sagt Ava. Auch die Ästhetik habe sie fasziniert, die 70er-Jahre seien das erste Jahrzehnt, in dem Frauen auch ein bisschen cooler gewesen seien und Hosen angezogen hätten.

    Überzeugt nostalgisch, aber ...

    Ava Vegas klingt gerne mal so, als ob sie uns durch ein Dosentelefon Geschichten aus den 1970ern entgegensingen würde. Nostalgie-Pop im Stile einer Lana Del Rey, Musik-Videos in Super-8-Ästhetik mit Menschen, die sich nicht von Handydisplays, sondern von echten Sonnenuntergängen anstrahlen lassen: "Wenn man ausbrechen will aus Gegenwart, dann muss man sich ja was überlegen, wo man keine Leute kennt. Das ist dann entweder die Zukunft oder die Vergangenheit."

    Eine Frau, die den ganzen Tag in einem internetfreien Zimmer sitzt, nur Schallplatten hört und Bücher aus dem 19. Jahrhundert wegschmökert – nein, so eine ist Ava Vegas definitiv NICHT. Zeitgeist ist kein Fremdwort, aber ihr angedachtes Berufsziel war ihr fremd geworden: "Wenn man Architektur studiert, ist man den ganzen Tag draußen, unter Leuten, man muss sehr rational arbeiten. Dann hat man keine Zeit und keinen Platz mehr, sich in Traumwelten reinzudenken. Da hatte ich das Gefühl, dass ich mich selbst verliere, weil ich das nicht bin und war. Als ich angefangen habe, Musik zu machen für mich, war die Person, die ich da erschaffen habe, das, was ich unter dem Architekturstudenten-Kostüm vergraben gesehen habe, was raus musste". Das sei eher eine Befreiung als eine Erfindung gewesen.

    Songs, die aus intensiven Momenten entstehen

    Ihre Songs, so erzählt es Ava Vegas, ntstehen aus einem intensiven Gefühl heraus. Meistens nachts, wenn man alleine ist und mit einem Glas Wein den Abend Revue passieren lässt. Dann stehen in einer halben Stunde Lieder wie "Mein Mann". Oder Songs wie "Growing Flower", der zurückgeht auf einen Moment voller Aufregung, positiver und gleichzeitig negativer Aufregung. Wenn sie "Growing Flower" höre, spüre sie immer noch "diese flirrende innere Zerrissenheit, diese vollkommene Euphorie und gleichzeitig die totale Verlustangst und unterdrückte Traurigkeit" des damaligen Moments, so die Musikerin. Deswegen sei das auch energetisch für sie so ein wichtiges Lied.

    Ihre Musik ist ihr Sehnsuchtsort

    Attitüde und Gesang von Ava Vegas erinnern an Nico, Model, Sängerin und Warhol-Muse, destruktive, radikale, aber hoffnungslose Heldin. 1988 erlitt Nico einen am Ende tödlichen Schlaganfall bei einer Fahrradfahrt – und jetzt schließt sich der Kreis zu Ava Vegas – auf Ibiza. Ava Vegas covert Nico und ehrt sie auch in ihrem Künstlernamen "Vegas". So heißt auch ein Song von Nico aus dem Jahr 1980. Damit aber nicht genug der Namens-Exegese: "Las Vegas ist ja dieser Illusionsort, Sehnsuchtsort der Gesellschaft, in dem alles fake ist und eigentlich alles furchtbar. Für mich gab es diese doppelte Bedeutung auch zum Architektur-Studium, dass ich jetzt meinen geheimen, unrealen Sehnsuchtsort in der Wüste erschaffe. Und das ist meine Musik."

    Las Vegas, Ibiza – unerreichbar gerade für uns. Können wir von der Wüstenwolkenkratzer-Nostalgie-Song-Architektin Ava Vegas dann jetzt überhaupt was lernen für die anhaltende Lockdown-Light-Zeit des verordneten Alleinseins? Können wir! Für eine Nostalgikerin ist Ava Vegas nämlich überraschend pragmatisch. Viva Ava Vegas! "Ich bin schon gern alleine, aber hauptsächlich aus Pflichtbewusstsein", sagt sie. "Weil ich immer denke, man muss mit der kurzen Zeit, die man auf der Erde hat, etwas Vernünftiges anstellen und kann nicht nur rumhängen. Auch mit dem Lockdown, ich vermisse Ausgehen, bin froh, dass es absolut keine Ablenkung gibt und ich eine Ausrede habe, den ganzen Tag alleine zu sein und mich auf meine Sachen zu konzentrieren."

    © Songs By Night

    Ava Vegas

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