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Leider nix los im "Museum der schwarzen Zivilisationen" | BR24

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Markanter Bau, guter Start, professioneller Betrieb: Das neue Museum im Senegal ließ die Kunstwelt hoffen, dass hier was heranwächst, etwa ein Partner in der Raubkunst- und Rückgabe-Debatte. Nun aber zeigt sich: So weit ist das Haus noch lange nicht.

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Leider nix los im "Museum der schwarzen Zivilisationen"

Markanter Bau, guter Start, professioneller Betrieb: Das neue Museum im Senegal ließ die Kunstwelt hoffen, dass hier was heranwächst, etwa ein Partner in der Raubkunst- und Rückgabe-Debatte. Nun aber zeigt sich: So weit ist das Haus noch lange nicht.

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Von außen erinnert es eher an einen überdimensionierten sozialistischen Prunkbau im Ostblock als an eine runde, afrikanische Hütte, der das Museum nachempfunden sein soll - aber so ist das halt mit den Erwartungen und Vorstellungen, die ein Europäer hat, wenn er zum und ins Museum geht. Und die er hier in Dakar beim "Museum für schwarze Zivilisationen" auf keinen Fall haben sollte. Denn mit Louvre, Uffizien oder Alter Pinakothek hat das ganz sicher nichts zu tun - schon mal deshalb, weil hier keiner anstehen muss.

Im Inneren begrüßt einen ein über zehn Meter hoher Affenbrotbaum, ein Baobab. Aus Eisen geschnitten, der Baum der Menschlichkeit, der haitianischer Künstler Edouard Duval Carrié hat ihn in seiner ganzen, 7.079 Kilo schweren Pracht geschaffen. Um ihn herum eine Ausstellung, die der Evolutionsgeschichte gewidmet ist. Und die ist auch der Kern des Konzepts, sagt Museumsdirektor Hamady Bocoum.

Das Konzept: Afrika als Wiege der Menschheit darstellen

"Das wichtigste war, eine Einrichtung mit einer Vision zu schaffen", erklärt Bocoum.

"Wir wussten vor allem, was wir nicht sein dürfen: Nicht ethnologisch und auch nicht anthropologisch. Es war wichtig, einer Vision zu folgen, die zu uns passt, einem einfachen Konzept, und zwar der Entstehung der Menschheit. Afrika ist die Wiege der Menschheit." Hamady Bocoum, Museumsdirektor.

Entsprechend ist die Ausstellung angelegt. Schautafeln zur Evolution, einige Schädel, am Ende des Rundgangs um den Eisen-Baobab ein mannshoher Spiegel. Und damit: Auf in den ersten Stock, dorthin, wo bei der Eröffnung vor einem Jahr Gemälde, Videoinstallationen, Skulpturen, Masken, Stoffe in einer einzigartigen Ausstellung präsentiert worden sind. Dort übermannt einen dann doch Ernüchterung.

Leere Vitrinen, stehen gelassene Ausstellungen

"Gut, wir befinden uns natürlich in einem Prozess", sagt Direktor Bocoum dazu. "Wir haben keine Dauerausstellung. Wir befinden uns ständig in einer Erneuerungsphase, ständig im Aufbau der Menschheit. Mal sehen."

Was zu sehen ist: Leere Vitrinen, einige Skulpturen, ein paar Masken - ohne weitere Erklärungen. Daneben eine Sonderausstellung mit Malern aus Dakar: Die Werke stammen aus der Sammlung Barbier. Ein Franzose, der hier seit den 1950er-Jahren gelebt und gesammelt hat und dann seine Sammlung einer Stiftung vermacht hat. Sehenswert. Nur: Eigentlich ist die Ausstellung schon seit zwei Wochen abgelaufen, sagt das Ausstellungsplakat. Zufall, dass sie noch zu sehen ist.

Im Stockwerk darüber nur noch ein Banner, eine italienische Ausstellung war hier, die ist bereits abgebaut. Die Vorgänger-Ausstellung im Museum der schwarzen Zivilisationen zeigte Objekte aus China - ausgerechnet. Darauf angesprochen, reagiert Direktor Bocoum etwas pikiert.

"Ihr Europäer habt viele Probleme mit China", sagt er. "Wir haben kein Problem mit China. All das geht jetzt weiter. Die Franzosen wollen eine Ausstellung machen, die Deutschen, die Spanier. Wir sind im Gespräch mit allen Kulturen. Wir werden sie empfangen. Man sollte das also nicht zu einer Sache der Chinesen machen."

Restitution ist noch kaum ein Thema

Was im Moment übrigens noch keine Rolle spielt, sind aus Europa zurückgegebene Kulturgüter. Stichwort "Restitution". Aus dem einfachen Grund, dass praktisch noch fast nichts zurückgegeben wurde. Ein für die senegalesische Geschichte wichtiger Säbel aus den Kolonialkriegen wurde von Frankreich überreicht, mit großem Brimborium, er ist auch zu sehen im Museum für schwarze Zivilisationen. Aber der Direktor ist gar nicht scharf auf afrikanische Objekte aus europäischen Museen. Auch weil sie das Zeugnis eines unterworfenen Afrika, eines eroberten und kolonisierten Kontinents seien.

"Die Objekte aus der Kolonialzeit sind nicht essenziell für unsere Existenz", sagt er. "Diese Objekte, die die anderen als afrikanische Kunst bezeichnen, waren nie Kunstwerke für uns, für uns waren das Kult-Objekte. Man findet sie in Initiationszeremonien. Man hat sie In Europa in Vitrinen gesteckt und afrikanische Kunst genannt."

Erwartungsfroh rein, ratlos wieder raus

Am Ende des Rundgangs durchs Museum für schwarze Zivilisation bleibt man etwas ratlos zurück. Dass es mit der Menschheit in Afrika begann, ja klar, aber hat man das nicht schon vorher gewusst? Auch wenn Direktor Bocoum natürlich recht hat, wenn er sagt: Die schwarzen Zivilisationen in einer einzigen Ausstellung zu präsentieren sei unmöglich. Aber ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen.

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kulturWelt

Von
  • Johannes Marchl
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