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Völlig losgelöst: Über die Kunst die Schwerelosigkeit entdecken | BR24

© ERES-Stiftung München

Schwerelosigkeit erfahren: Installation des Multimedia-Künstlers Peter Kogler in der Ausstellung "Zero Gravity"

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Völlig losgelöst: Über die Kunst die Schwerelosigkeit entdecken

Wer frei im Raum schweben will, muss nicht unbedingt Astronaut werden. Eine Ahnung von Schwerelosigkeit verspricht die Münchner Ausstellung "Zero Gravity", mit Arbeiten verschiedener Künstler zum Thema Weltall und Raumfahrtmissionen.

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Die Mondlandung 1969 hat auch der Kunst Neuland erschlossen. Künstler experimentieren mit dem Raum und setzen dabei ganz auf das Erlebnis von Energie. Das silbern schillernde Design von Raumfahrzeugen und Raumanzügen wurde zum Markenzeichen einer Zeit, die erfüllt war von Utopien, Aufbruch, Mut und Zukunftsgewissheit.

"Silver Clouds" nannte Andy Warhol seine mit Helium gefüllten, silber-glänzenden Luftkissen aus Polyurethanfolie, die unter der Decke hängen, frei im Raum herum schweben und mit der Zeit langsam sinken.

Schwankende Schritte, alles schwebt...

Alles ist in Bewegung in der Ausstellung "Zero Gravity" in der Münchner ERES-Stiftung. Der Multimedia-Künstler Peter Kogler hat alle Räume mit einer Silberfolie ausgekleidet, über die sich ein schwarzes Netz spannt. An manchen Stellen fällt es in sich zusammen, an anderen dehnt es sich aus. Dabei entstanden ist ein virtueller Raum voller Wölbungen und Abgründe, der den Gleichgewichtssinn und die Orientierung ein bisschen so herausfordert wie der Mond mit seiner nur sehr geringen Schwerkraft. Der Schritt wird schwankend.

An einer Wand hat Peter Kogler in das Raumnetz zudem den High-Tech-Raumanzug von Neil Armstrong künstlerisch verfremdet eingefügt: eiskalt, silber-blau glänzend wie ein kleines Raumschiff. Ein Bild für die Entgrenzung des Körpers ins All, das auch die religiös aufgeladene Technikverehrung der späten 60er Jahre einfängt.

© ERES-Stiftung München

Raumfahrt wird Kult: Der High-Tech-Raumanzug von Neil Armstrong in der Installation von Peter Kogler

Der Vorstoß zum Mond wirkte ansteckend: Künstler entdeckten den Raum und spielten mit Grenzüberschreitungen. Lawrence Weiner zum Beispiel empfiehlt, doch einfach mit einer Sprühdose Silberfarbe künstlerisch tätig zu werden. Michelangelo Pistoletto indes arbeitet mit Spiegeln – sie sollen die Unendlichkeit des Alls herbeizitieren. Und in einem Video von Richard Serra versucht eine Hand ununterbrochen ein von oben herabfallendes Blei-Teil aufzuschnappen. Ein Film, der allein auf sinnliche Unmittelbarkeit und auf das Erlebnis von Energie setzt. Der Künstler Robert Rauschenberg hat 1969 in Cape Canaveral den Start von Apollo 11 sogar miterlebt. In seiner Farblithografien-Serie "Stoned Moon" verknüpft er Motive aus der Raumfahrt mit der Natur oder mit komplizierten irdischen Angelegenheiten, etwa dem Vietnam-Krieg.

Breit angelegte Schau

"Zero Gravity" ist eine breit angelegte Schau mit Positionen aus Kunst, Architektur, Musik, Mode und Medien. Auch technische Objekte aus der Raumfahrt sind zu sehen, darunter eine Art Stundenplan der Astronauten von Apollo 11. Dem Originaldokument können Besucher der Schau entnehmen, dass für Schlaf genau vier Stunden und 40 Minuten vermerkt wurden. Und Buzz Aldrin hielt darauf als Bestätigung fest: "This side was flown to the moon."

Die Ausstellung „Zero Gravity“ ist vom 23. Juli bis zum 30. November 2019 in der ERES-Stiftung in München zu sehen (Sommerpause vom 11. August bis zum 2. September).

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