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Wie die Nazis Design nutzten, um ihre Propaganda zu verbreiten | BR24

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Hakenkreuz, Massenaufmarsch, Judenstern: Die Nazis fanden viele Symbole, Formen und Rituale, um ihre Ideologie unters Volk zu bringen. Welche gestalterischen Mittel sie für ihre Propaganda einsetzten, zeigt nun eine gewagte Schau über Nazi-Design.

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Wie die Nazis Design nutzten, um ihre Propaganda zu verbreiten

Hakenkreuz, Massenaufmarsch, Judenstern: Die Nazis fanden viele Symbole, Formen und Rituale, um ihre Ideologie unters Volk zu bringen. Welche gestalterischen Mittel sie für ihre Propaganda einsetzten, zeigt nun eine Ausstellung über Nazi-Design.

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Als Adolf Hitler am 1. August 1936 die Olympischen Spiele in Berlin eröffnet, hatte dies nur bedingt mit Sport zu tun. Ein riesiges Propaganda- und Medienereignis, übertragen mit neuester Technik in 40 Länder, eine gewaltige Inszenierung inmitten eines Waldes von Hakenkreuzfahnen. Eine Überwältigungsästhetik, in der alles Individuelle hinweggefegt werden sollte und Menschen Teil einer Masse waren.

Das Nazi-Design ist dazu ein wichtiges Mittel. "In diesem Sinne grüßen wir die Flamme, die da kommt, mit den Worten: Heilige Flamme, glüh, glüh und erlösche nie!" – so Adolf Hitler damals in seiner Eröffnungsrede. Aufmärsche, Flaggen, Fackeln – alles sollte die Besucher beeindrucken und ihnen das Gefühl geben, mitgerissen zu werden vom Gesamtdesign: ein totalitäres Design, das vom Einzelnen keinen Widerstand duldete. Die Bildsprache des totalitären Regimes.

© Hollandse Hoogte/Picture Alliance

Umstrittene Schau

Ästhetik der Überwältigung und Menschenverachtung

Dabei hatte der Terror im Inneren längst begonnen. Seit 1933 existierten in Deutschland Konzentrationslager, ab 1941 mussten Juden den Judenstern tragen. Auch das, so zynisch es klingt, ist ein Stück Nazi-Design: "Das ist auch Design. Die Menschen wurden dabei auf ein Zeichen reduziert, allerdings wurden sie dazu gezwungen. Die Wahl der Farbe Gelb und die pseudo-hebräische Schriftart waren dabei natürlich sehr bewusste Design-Entscheidungen", erklärt der Direktor des niederländischen Design-Museums, Timo de Rijk. Er und sein Ko-Kurator Tomas van den Heuvel haben etwas gewagt, was es noch nie gab: eine Übersichtsausstellung zum Design der Nazis.

© Hollandse Hoogte/Picture Alliance

Biedermeierlook der NS-Möbel

Ab 1933 war das nationalsozialistische Design überall: in Schulen, auf den Straßen, im Alltag, auf Tellern und Wandteppichen bis hin zum Häkeldeckchen der Großmutter. Parolen und schwarz-rote Banner, Reichsadler an den Eingängen der Behörden und Plätze. Niemand entkam dem NS-Design, das als eine Art "Branding“ funktionierte: Corporate Design, wie wir es heute aus der Wirtschaft kennen.

Konzentrationslager als "Nazi-Design"

Während sich das Land auf den Weltkrieg vorbereitete, wurden die Uniformen für SS, Wehrmacht und Hitlerjugend vom Modemacher Hugo Boss ausgestattet. Dass Nazi-Design noch weiter geht, macht Ko-Kurator Tomas van den Heuvel anhand eines Plans deutlich, den er aus einer Vitrine holt: "Das hier sind technische Zeichnungen von Krematorien in Auschwitz-Birkenau. Für mich ist es die schwierigste Botschaft der Ausstellung, denn auch das ist Design, von Menschen entworfen, die hinter Tischen gesessen haben, Architekten. Es ist sehr schwierig, sich das vorzustellen, dass Menschen wirklich eine Art Planung unternommen haben für diesen Massenmord."

© Hollandse Hoogte/Picture Alliance

Auch Waffen haben einen "Look"

Im Nazi-Deutschland wurde alles Design. Nichts war dem Zufall überlassen, meint Museumsdirektor Timo de Rijk: "Die Nazis waren überzeugt, dass Design etwas ganz Wichtiges ist, und sie haben viel Geld und Mühe darauf verwendet. Die Nazis waren überzeugt, dass dies eine neue Kultur war. Dass sie die Beste war und dass es wichtig war, sie der Welt zu zeigen."

Design ist niemals unschuldig

Nur: Muss das sein? Muss man das sehen? Es spricht einiges dafür. Inmitten einer Design-Welt, die in vielem sehr Zeitgenössisch wirkt – vielleicht weil manches von der Sprache der Werbung adaptiert wurde – manifestiert sich eine optische Verführung, die jederzeit tödlich umschlagen kann. Die Ausstellung zeigt: Design kann alles sein. Eine potente Augensprache, die für das Beste und Schönste ebenso genutzt werden kann wie für übelste Verbrechen. Design ist niemals unschuldig.

Ausstellung "Design des Dritten Reichs". Bis 19. Januar im Design Museum Den Bosch, Niederlande

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