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Aus Angst vor Rechtsextremen? Bauhaus-Stiftung untersagt Konzert | BR24

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Darf nicht in Dessau auftreten: Feine Sahne Fischfilet

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    Aus Angst vor Rechtsextremen? Bauhaus-Stiftung untersagt Konzert

    Ein für den 6. November vorgesehener Auftritt der Punk-Band "Feine Sahne Fischfilet", den das ZDF aufzeichnen wollte, kann nicht auf der Dessauer Bauhaus-Bühne stattfinden. Die zuständige Stiftung untersagte das umstrittene Konzert schriftlich.

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    Das Bauhaus solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, teilte die zuständige Stiftung in Dessau mit Verweis auf ihr Hausrecht mit. "Rechte Gruppierungen" hätten in sozialen Netzwerken gegen das Konzert mobilgemacht. Bauhaus-Direktorin Claudia Perren hatte nach Angaben der "Mitteldeutschen Zeitung" am Mittwochabend im Stadtrat von Dessau erklärt, sie sei mit dem ZDF und der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt darüber im Gespräch, "wie das Konzert zurückgenommen werden könne". Seit 2011 vermietet die Stiftung Bauhaus Dessau ihre "Bauhausbühne" zweimal jährlich für Aufzeichnungen der ZDF-Konzertreihe „ZDF@Bauhaus“. Produziert werden die Sendungen von der Kölner Firma TVT Media. Über 100 Konzerte wurden seither aufgezeichnet, etwa mit Adel Tawil, Anna Depenbusch, Andreas Bourani und Annett Louisan. Das ZDF bestätigte inzwischen die Absage des politisch umstrittenen Konzerts von "Feine Sahne Fischfilet" seitens der Stiftung Bauhaus, will sich aber dpa zufolge noch nicht geschlagen geben: "Das ZDF plant weiterhin die Aufzeichnung eines Konzerts zum aktuellen Album der Band, das dem Sendungskonzept entsprechend in Moderationen und Interviews journalistisch eingebettet wird. Nach einem alternativen Veranstaltungsort wird derzeit gesucht."

    Landes-CDU hält Konzert "für nicht akzeptabel"

    Um Auftritte von "Feine Sahne Fischfilet", einer Punk-Band aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert, gibt es seit längerem heftige Auseinandersetzungen. Die Band gilt Kritikern und Politikern als "linksextrem und polizeifeindlich" und stand von 2011 bis 2014 wegen ihrer "explizit anti-staatlichen Haltung" im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern. Sven Schulze, der CDU-Generalsekretär in Sachsen-Anhalt, hatte den geplanten Auftritt in Dessau als "völlig zu Recht nicht akzeptabel" bezeichnet. Matthias Schuppe, der Regierungssprecher in Magdeburg, sprach von einer "Politisierung" der ZDF-Konzertreihe und nannte die Einladung der Punk-Band "schwer bis nicht nachvollziehbar". Die SPD-Landtagsfraktion forderte "Fingerspitzengefühl" und kritisierte, dass sich die Staatskanzlei überhaupt eingemischt hat.

    "Geschichte des Bauhauses wird mit Füßen getreten"

    Linke und Grüne protestierten heftig gegen die Bedenken seitens der Staatskanzlei. Jürgen Trittin twitterte: "Wer 'Feine Sahne Fischfilet' aus Dessau verbannt, tritt die Geschichte des Bauhauses mit Füßen." Die grüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke schrieb: "Künstler sollen aus dem Bauhaus in Dessau auf politischen Druck vertrieben werden. In Dessau! War da was mit Geschichte?! Merken Sie eigentlich in der Staatskanzlei, was Sie da gerade anrichten?" In der Weimarer Republik musste sich das Bauhaus, eine Reformbewegung in Kunst und Architektur, immer wieder zahlreicher Angriffe von rechts erwehren. Die damalige thüringische Landesregierung setzte die Verantwortlichen so sehr unter Druck, dass das Bauhaus 1925 von Weimar in das zunächst liberalere Dessau umzog. Als auch dort 1931 die Nazis die Macht übernahmen, setzten sie nur ein Jahr später die Schließung der international renommierten Ausbildungsstätte durch. Das Bauhaus wurde privatisiert und versuchte in Berlin einen Neuanfang.

    © dpa

    Bauhaus-Universität in Dessau

    Der Dessauer AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek wird in der "Mitteldeutschen Zeitung" (MZ) mit dem Satz zitiert: „Es ist ein Skandal, dass ein von Zwangsabgaben finanzierter und zur Ausgewogenheit verpflichteter öffentlich-rechtlicher Sender einer linksextremistischen Band ein solches Forum bietet.“ Auf einer "rechten" Facebook-Seite war zu einer Demonstration gegen das Konzert aufgerufen worden, was die Musiker von "Feine Sahne Fischfilet" auf ihrem Instagram-Account mit Spott quittiert hatten.

    Auch Bundespräsident musste sich Vorwürfe gefallen lassen

    Bereits ein Solidaritäts-Konzert in Chemnitz mit "Feine Sahne Fischfilet" war vonseiten der CDU sehr kritisch gesehen worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der nach rechtsextremistischen Ausschreitungen in der sächsischen Industriestadt auf seinem Facebook-Account für das Konzert unter dem Motto "Wir sind mehr" geworben hatte, musste sich heftige Vorwürfe gefallen lassen. So wurde vom Vorsitzenden der Jungen Union, Paul Ziemiak, behauptet, Feine Sahne Fischfilet finde "Gewalt gegen Polizisten" toll. CDU-Generalsekretärin hatte Steinmeiers Posting "sehr kritisch" gesehen, war allerdings, wie sich herausstellte, im August 2016 selbst auf einem Konzert-Event, bei dem auch "Feine Sahne Fischfilet" aufspielten.

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