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Wie Marionetten Richard Wagners "Ring des Nibelungen" spielen | BR24

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© dpa/ Stefan Puchner

Augsburger Puppentheater: Klaus Marschall (rechts) stellt mit seinem Team die Marionetten für den Ring des Nibelungen vor

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Wie Marionetten Richard Wagners "Ring des Nibelungen" spielen

Zum 70. Jubiläum der Augsburger Puppenkiste erfüllen sich Leiter Klaus Marschall und sein Team einen Traum: Sie lassen 32 Marionetten Wagners Opernzyklus "Ring des Nibelungen" spielen – in zwei Stunden statt in 16. Ein Gespräch vor der Premiere.

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Statt wie sonst 14 Stunden ist diese Fassung der großen Opern-Tetralogie nur zwei Stunden lang. Gesungen wird auch nicht, dafür sind Siegfried und Brünhilde diesmal Puppen – zwei von insgesamt 32. Richard Wagners Musiktheater „Ring des Nibelungen“ inszeniert die Augsburger Puppenkiste als Marionettentheater. Knut Cordsen hat mit Klaus Marschall, dem Leiter der Augsburger Puppenkiste, vor der Premiere gesprochen.

Knut Cordsen: Ein gewisser Richard Wagner gründete 1875 in Thüringen zusammen mit einem Kompagnon eine Puppen-Manufaktur. Dieser Richard Wagner war Kaufmann und ein Namensvetter des ungleich berühmteren Komponisten Richard Wagner, der wiederum zur selben Zeit den gewaltigen Opern-Vierteiler „Der Ring des Nibelungen“ schuf. Das ist zwar nur ein Zufallsfund auf Google, passt aber gut, denn in der Augsburger Puppenkiste wird nun Richard Wagners Ring des Nibelungen zu sehen sein zum 70-jährigen Bestehen dieser Augsburger Puppenkiste. Herr Marschall, um mögliche Missverständnisse gleich von vornherein auszuräumen: Die gerade erwähnten Puppen aus Thüringen haben nichts mit Ihren Puppen zu tun. Sie haben eigene Puppen anfertigen lassen für die Inszenierung.

Klaus Marschall: So ist es.

Was hat Sie daran gereizt Richard Wagners „Ring“ auf diese Weise zu zeigen?

Die Idee, Richard Wagners „Ring“ auf die Puppenbühne der Puppenkiste zu bringen, besteht seit vielen Jahren und wir haben jetzt unser Jubiläum zum Anlass genommen, uns diesen langgehegten Wunschtraum auch selber zu erfüllen.

Sie haben auch schon mit anderen Opern dasselbe getan, mit Mozarts „Zauberflöte“ und mit Mozarts „Don Giovanni“. Insofern ist das Ganze kein Neuland für Sie.

Das ist kein Neuland für uns. Wir sehen uns ein bisschen so als das heranführende Theater, das heißt, wir haben die Zauberflöte oder auch den Don Giovanni damals so inszeniert, dass wir auch den Schwerpunkt auf die Inhalte gelegt haben und dass man sich bei uns in anderthalb Stunden etwa eine Mozart-Oper ansehen kann und danach weiß, um was es denn in dem Stück überhaupt geht. Und ähnlich sind wir auch an den Ring herangegangen. Wir haben uns den ganzen Zyklus vorgenommen und haben gesagt: Wir wollen erzählen, was der Inhalt dieser vier Opern ist.

Sie nehmen die Sache also ernst. Es gab ja auch schon andere Herangehensweisen wie etwa die des gelernten Puppenspieler Rainald Grebe, der 2004 in Thüringen Wagners „Ring“ als Trash-Comedy aufgeführt hat. So etwas haben Sie nicht im Sinn?

Nein, das haben wir nicht im Sinn. Wir wollen wirklich auch höchsten Respekt vor Wagners Werk zeigen. Wir haben uns vorgenommen, den Inhalt in den Vordergrund zu stellen und die Musik im Hintergrund mitlaufen zu lassen. Es geht uns eigentlich darum, das auf die Bühne zu bringen, was Wagner in vier Opern zeigt: die Geschichte und wie die Personen darin zusammenhängen. Das war uns wichtig, und ich glaube, dass es uns auch sehr gut gelungen ist.

Gesungen wird nicht bei Ihnen.

Klaus Marschall: In der Tat, gesungen wird nicht. Sonst könnten wir es auch nicht in zwei Stunden abhandeln.

„Wer so die Wehrlose weckt, dem ward, erwacht, sie zum Weib!“ – heißt es in der „Walküre“. Die wabernd-weihevolle Sprache Wagners ist oft veralbert worden, er war ja ein großer Freund des Stabreims, da kann man doch im Sprechtheater die Komik sehr klar herausarbeiten, wenn man sich aufs Libretto konzentriert. Werden Sie das tun?

Nein, das werden wir nicht tun. Unser Bestreben liegt darin, den Inhalt zu erklären. Wir haben die Sprache deutlich modernisiert. Wir haben Zitate aus Wagners Original-Libretto. Aber wir wollen uns nicht über die Sprache von Wagner amüsieren, sondern wir wollen zeigen, was der Inhalt der Geschichte ist. Wir fangen an mit dem „Rheingold“ mit dem gestohlenen Gold. Wir gehen den Weg des Goldes nach über die vier Opern, die Wagner dazu geschrieben hat.

Ihr Regisseur Florian Moch spricht gleichwohl von einem „kabarettistischen Hauch“, den das Ganze hätte.

Den gibt es natürlich, den muss es auch geben. Wir wollen den Inhalt darstellen, aber wir müssen die Sprache schon anpassen und da bleibt dann wirklich auch das Kabarettistische beizeiten nicht aus. Wir haben uns wirklich auf Zitate beschränkt, aber in diesem Falle nicht nur auf die von Wagner, sondern auch von Brecht und Goethe. Das haben wir uns durchaus erlaubt, und das ist durchaus auch legitim im Figurentheater.

Musik wird zu hören sein, auch wenn nicht gesungen wird, und diese Musik kommt von Enjott Schneider, der viele Filmmusiken geschrieben hat, unter anderem auch die zu „Herbstmilch“ und zu „Schlafes Bruder“. Hat Enjott Schneider sich Wagners Musik jetzt anverwandelt oder sind völlig neue Klänge zu hören?

Es sind auch völlig neue Klänge zu hören. Aber wir haben mit Enjott Schneider schon einige Male zusammengearbeitet, und was wir bis dato gar nicht wussten, war, dass Enjott Schneider wirklich ein Fan von Wagner ist und auch Wagners Gesamtwerk zu Hause stehen hat. Das war für uns eine neue Erkenntnis. Wir haben dann gemeinsam mit Schneider uns durchgearbeitet, die wichtigsten Themen aus Wagners Opern herausgenommen, und die werden dann auch bei uns zu hören sein. Aber er hat es nicht unterlassen, auch andere musikalische Zitate mit zu nehmen und auch eigene Kompositionen noch dazu zu setzen, um das Ganze flüssiger zu machen.

Sie bringen nicht nur Wagners „Ring des Nibelungen“ auf die Bühne der Augsburger Puppenkiste. In der ersten Adventswoche startet der neue Weihnachtsfilm der Puppenkiste im Kino, „Geister der Weihnacht“ nach Charles Dickens. Das ist bereits der dritte Weihnachts-Kinofilm, den Sie machen, die beiden Vorgänger waren recht erfolgreich, es strömten ungefähr so viele Zuschauer in die Kinos wie jährlich in die Augsburger Puppenkiste selbst, ca. 90.000 Menschen immerhin. Wie steht die Augsburger Puppenkiste im 70. Jahr ihres Bestehens da?

Wir stehen prächtig da. Lassen Sie mich dreimal auf Holz klopfen. Es geht uns wirklich gut, das Theater ist zu 95 Prozent ausgelastet. Eine Zahl, die sich jeder Theaterleiter nur wünschen kann. Wir sind nahezu ein halbes Jahr im Voraus komplett ausverkauft, auch die Vorstellungen des „Rings“ sind bereits ausverkauft. Es geht uns gut, und wir sind auch gerade mit den Weihnachtsgeschichten im Kino sehr glücklich, weil das Kino dem Theater viel mehr ähnelt als das Fernsehen. Also wir fühlen uns eigentlich mit unseren Geschichten im Kino wirklich wohl.

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