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Kolumbus: Porträt-Gemälde von Ridolfo Ghirlandaio (1483- 1561)

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    Aufwändiger Gen-Abgleich soll Geburtsort von Kolumbus klären

    Nach gängiger Meinung stammte er aus Genua, aber auch das spanische Valencia, Mallorca, Navarra und Portugal kommen als Herkunftsregionen des "Entdeckers" Amerikas in Frage. Jetzt soll ein internationales Forschungsprojekt Klarheit schaffen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Eigentlich ist an Kolumbus nur eines unumstritten: Er starb am 20. Mai 1506 in Valladolid und wurde zunächst in Sevilla begraben. Doch der Seefahrer ruhte mitnichten "in Frieden": Seine Gebeine wurden auf Wunsch der Hinterbliebenen 1542 von Spanien nach Santo Domingo auf der Karibik-Insel Hispaniola überführt, die sich heute die Dominikanischen Republik und Haiti teilen. Hier bekamen die sterblichen Überreste des wagemutigen Entdeckers eine Heimstatt in der Kathedrale, aber nur bis 1795. Als Frankreich die Insel zur Kolonie machte, brachte man die Leiche des spanischen Nationalhelden nach Kuba und bestattete sie in der Kathedrale von Havanna.

    Nur 150 Gramm Knochenteile in Sevilla

    Aber auch Kuba ging 1899 für Spanien verloren, so dass die Gebeine abermals den Atlantik überquerten, zurück nach Sevilla, wo sie bis heute in der dortigen Kathedrale liegen sollen, was ein vergleichender Gentest im Mai 2006 auch bestätigt hat. Allerdings wurde damals bekannt, dass nur ganze 150 Gramm Knochenmasse in Sevilla aufbewahrt werden, weshalb die Vermutung nicht ganz abwegig ist, dass auch in Santo Domingo noch Skelettreste vorhanden sind, wie die dortigen Behörden behaupten. Allerdings konnte das mangels wissenschaftlicher Analyse bisher nicht bestätigt werden. Es wurde 1877 lediglich eine Schachtel mit Knochenteilen und der Aufschrift "Kolumbus" gefunden.

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    Bildrechte: Rolf Haid/Picture Alliance

    Kolumbus weist in die Zukunft: Statue im ligurischen Santa Margherita

    Unabhängig davon, wo welche Überreste des Seefahrers bestattet sind, wird seit Jahren erbittert über dessen Familienhintergrund gestritten. Dass er "um 1451" in Genua zur Welt kam, ist zwar in Nachschlagewerken zu lesen und durch einige wenige Dokumente naheliegend, doch schon Sohn Fernando klagte darüber, dass Vater Christoph Kolumbus um seine Abstammung ein großes Geheimnis machte. In Genua gab es jedenfalls keine näheren Verwandten, die Eltern des späteren Seefahrers sollen eingewandert sein. Woher und warum, daran entzünden sich immer wieder neue Debatten. Simon Wiesenthal behauptete, Kolumbus sei jüdischer Abstammung gewesen, andere spekulierten über eine Herkunft aus Schottland, wieder andere wiesen nach Valencia, Navarra, Mallorca oder Portugal. Italienisch schrieb Kolumbus jedenfalls nur ausnahmsweise, warum auch immer. In der Regel verfasste er seine Korrespondenz in kastilischer Sprache.

    Auch italienische Labore haben Zugriff

    Jetzt soll eine groß angelegte, seit 16 Jahren überfällige und mit einem Budget von 30.000 Euro ausgestattete internationale Studie endlich Aufschluss bringen über den genetischen Familienhintergrund von Kolumbus: José Antonio Lorente, Professor für Rechts- und Forensische Medizin an der Universität von Granada, der physikalische Anthropologe Juan Carlos Álvarez Merino und der Historiker Marcial Castro leiten nach einem Bericht der spanischen Zeitung "El Pais" ein interdisziplinäres Team, das die offenen Fragen um die Herkunft von Kolumbus bis zum nächsten Jahr abschließend beantworten will. Schon jetzt konnten sie klären, dass es sich bei den seit 2003 im Panzerschrank aufbewahrten Gen-Proben tatsächlich um die von Kolumbus, seinem Bruder Diego und um die von Kolumbus' Sohn Fernando handelt.

    Damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, die Spanier würden bei der Gen-Analyse tricksen, sollen neben amerikanischen und mexikanischen auch italienische Labore in Rom und Florenz Zugriff auf die Knochenreste haben. Die ganze Untersuchung soll vom Dokumentarfilmer Regis Francisco López für das spanische Fernsehen begleitet werden, die Ausstrahlung des Films ist für Oktober angekündigt, soll Kolumbus doch am 12. Oktober 1492 die "neue Welt" entdeckt haben. Den Experten der Universität von Granada zufolge "ist es die ehrgeizigste wissenschaftliche Untersuchung über die Herkunft von Kolumbus", die jemals in Angriff genommen wurde. Anlass für die öffentliche Bekanntgabe war ein Welttreffen von Kolumbus-Forschern in Granada am Mittwoch, die ihre höchst widersprüchlichen Thesen abermals diskutierten, natürlich ohne zu einer Einigung zu kommen.

    Bastard, Prinz, Freibeuter: Experten streiten sich

    Der katalanische Experte Francesc Albardaner i Llorens vom Zentrum für kolumbianische Studien des Òmnium Cultural de Barcelona kann sich vorstellen, dass Kolumbus' Vater von Genua nach Valencia eingewandert ist, dort seine Frau kennen gelernt hat und der Entdecker somit sowohl italienische, als auch spanische Wurzeln hat. Fernando Branco, Professor an der Universität von Lissabon, glaubt dagegen, dass der Seefahrer Portugiese war. Sein richtiger Name, so das Ehrenmitglied der portugiesischen Akademie für Geschichte, sei Pedro Ataíde gewesen und er sei als "Freibeuter" 1485 nach Kastilien geflohen.

    Die Historiker José und Antonio Mattos e Silva behaupteten, Kolumbus sei der Bastardsohn der portugiesischen Prinzessin Leonor de Aviz, andere vertraten die Meinung, er sei vielmehr der Sohn des Herzogs von Beja y Visey und Isabel Gonçalves, einer Frau jüdischer Herkunft. Der Arzt José Mari Ercilla plädierte für den Geburtsort Ainza in Navarra, Gabriel Verd Martorell, der Präsident der Cristóbal Colón Cultural Association, ist überzeugt, dass Kolumbus der leibliche Sohn des Prinzen von Viana, des Bruders von Ferdinand dem Katholischen, und der mallorquinischen Margalida Colom war. Deshalb habe der Seefahrer auch eine Insel vor der venezolanischen Küste nach seiner Mutter Margarita benannt. Und das sind nur einige der auf dem Kongress vertretenen Thesen!

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