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Aufregung vor Auktion: Ist "Billig"-Bild ein echter Caravaggio? | BR24

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Bildrechte: Fine Art Heritage/Picture Alliance

Dieser Caravaggio ist echt: Christus an der Säule, ca. 1607

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    Aufregung vor Auktion: Ist "Billig"-Bild ein echter Caravaggio?

    Das Gemälde war für einen Startpreis von 1.500 Euro im Angebot und sollte heute Abend in Madrid unter den Hammer kommen, doch der spanische Staat verbot in letzter Minute den Verkauf: Ist das geheimnisvolle Los Nummer 229 doch Millionen wert?

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    Von
    • Peter Jungblut

    Und plötzlich war es aus dem Online-Katalog des Auktionshauses Casa Ansorena verschwunden, das Bild mit der Losnummer 229, das ein Künstler aus dem Umkreis des ausgewiesenen Caravaggio-Fans José de Ribera im 17. Jahrhundert gemalt haben soll. Für vergleichsweise bescheidene 1.500 Euro hätten Bieter in der Auktion Nummer 409 einsteigen können, um sich die "Dornenkrönung" im gar nicht so kleinen Format von 111 auf 86 cm zu sichern. Doch wer jetzt einen Blick auf die Pretiose riskieren will, muss im Netz schon durch den gedruckten Katalog der Casa Ansorena blättern, denn auf Intervention der spanischen Behörden wurde das Werk zurückgezogen.

    Grund dafür nach offizieller Auskunft des Auktionshauses gegenüber der spanischen Presse: Das Bild müsse "genauer geprüft und untersucht" werden. Die Eigentümer hätten Zweifel über die genaue Herkunft und den Urheber des Gemäldes. Sollte es, wie spekuliert wird, tatsächlich ein Werk von Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571 - 1610) sein, wäre es nach Schätzung des italienischen Experten Vittorio Sgarbi zwischen 100 und 150 Millionen Euro wert, wenn es ein privater Investor erwerben würde. Beim Ankauf durch ein staatliches Museum wie etwa dem Prado wären immer noch zwischen vierzig und fünfzig Millionen Euro fällig.

    Experte will zwei Hinweise auf Caravaggio erkennen

    Dabei geht es nicht nur um die Einschätzung der Caravaggio-Fachleute, sondern auch um ein schriftliches Dokument. Für den Kardinal Massimo Massimi malte der berühmte Künstler demnach nach eigener Aussage ein "Ecce Homo"-Bild, wie er in einer Note vom 25. Juni 1605 persönlich bemerkte. Das fragliche Objekt soll sich am Ende des 17. Jahrhundert in Spanien befunden haben. Nun behauptet Caravaggio-Kenner Vittorio Sgarbi gegenüber der Tageszeitung "El Mundo", bei dem jetzt zur Auktion eingelieferten Werk könne es sich um das erwähnte Bild handeln: "Der brutale Blick des Mannes auf der linken Seite und die Hand, die den roten Umhang in die Höhe hält, diese Motive deuten unbestreitbar auf Caravaggio."

    Auch die Fachfrau Maria Cristina Terzaghi stimmte zu und ist der Meinung, das Bild entspreche stilistisch den Werken Caravaggios aus der Zeit von dessen Aufenthalt in Neapel, also aus den Jahren 1606/07. Der dargestellte augenfällige Mantel sei in der Wirkung mit einer "Salomé"-Darstellung von Caravaggio im Prado vergleichbar.

    © Casa Ansorena
    Bildrechte: Casa Ansorena

    Nur noch im gedruckten Katalog: Umstrittenes Bild

    Das mag sein, muss aber kein Argument für die "Echtheit" sein, denn Caravaggios Stil ahmten viele zeitgenössische Künstler nach, darunter eben auch Jusepe "José" de Ribera und dessen Schüler. Ribera, der bei seinem Aufenthalt in Italien den Spitznamen "lo Spagnoletto" (der kleine Spanier) bekam, lernte Caravaggios Werke in Neapel kennen und lieben und nahm die dramatische Lichtsetzung des Meisters zum Anlass, ihm nachzueifern. Wie auch Caravaggio, liebte Ribera schauerlich-blutige Szenen mit "Schock-Wirkung".

    Für den italienischen Kunstexperten Nicola Spinosa steht fest, dass das geheimnisvolle Bild nicht von Caravaggio stammt. Grund für die seiner Meinung nach falschen Spekulationen sei vielmehr, dass im Prado-Museum ein "Ecce Homo"-Gemälde gezeigt werde, das ebenfalls zu Unrecht Caravaggio zugeschrieben werde und mit dem jetzt diskutierten Ähnlichkeit habe. Auch von Ribera sei das zurückgezogene Gemälde sicher nicht, weil es ansonsten für 200.000 Euro und nicht für 1.500 Euro im Katalog aufgeschienen wäre.

    Der Kardinal bestellte gleich drei Versionen

    Ein weiteres "Ecce Homo"-Bild, das in Genua im Palazzo Bianco ausgestellt ist und bis 1929 als "Kopie von Lionello Spada" galt, könnte ebenfalls das von Caravaggio erwähnte Original sein und ist unter Fachleuten und Kritikern bis heute ähnlich umstritten, was die akademische Debatte womöglich neu befeuern wird. Kardinal Massimi übrigens soll insgesamt bei drei Künstlern gleichzeitig einen "Ecce Homo" bestellt haben, und die Version von Caravaggio war keineswegs sein Favorit, sondern vielmehr die Fassung des Florentiners Ludovico Cigoli. Ein drittes Auftragsbild stammt von Domenico Passignano.

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    Bildrechte: Picture Alliance

    Gefiel dem Kardinal besser als Caravaggios Version: "Ecce Homo" von Ludovico Cigoli

    Der Wirbel um das weiterhin nicht eindeutig zugeschriebene Bild entstand, nachdem der italienische Antiquitätenhändler Antonello di Pinto gegenüber Vittorio Sgarbi geäußert hatte, er wolle das Objekt für "einige hunderttausend Euro" erwerben und nach Italien holen. Inzwischen soll di Pinto den Kunstexperten angerufen haben, wonach die Losnummer 229 deshalb nicht mehr im Angebot sei, weil im Vorfeld die Gebote "überhöht" gewesen seien und demnach die "Preisexplosion" die Aufmerksamkeit der Behörden erregt habe. Auch die beiden italienischen Kunst-Kaufleute Marco Moena und Fabrizio Moretti sollen über Netz-Einträge die Debatte angeheizt haben.

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