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Im Kloster Schönau bei Gemünden bieten die Franziskaner-Minoriten einen alten Bauwagen als Ort für Begegnungen, Bier und Gespräche.

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Aufbruch im Jubiläumsjahr der Franziskaner

Vor 800 Jahren ließen sich die ersten Franziskaner in Deutschland nieder. Im Kloster Schönau bei Gemünden setzen die Franziskaner-Minoriten ein Zeichen: mit einem alten Bauwagen als Ort für Begegnungen, Bier und Gespräche über Gott und die Welt.

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Von
  • Christian Wölfel

Im Jahr 1221 kamen die ersten franziskanischen Brüder nördlich der Alpen an. Sie wollten die Botschaft des Franz von Assisi bekannt machen und die Orden im deutschen Gebiet (damals noch Theutonia) davon überzeugen, die franziskanischen Ideale zu verbreiten. In Augsburg konnten die ersten Franziskaner Fuß fassen. Aber nicht nur hier wird das Jubiläum in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen gefeiert.

Offene Tore im Kloster Schönau

Das Kloster Schönau bei Gemünden am Main liegt malerisch: Gegenüber der Klostermauer ist eine Wiese mit Obstbäumen, dahinter rauscht die Fränkische Saale. 1189 von den Zisterzienserinnen gegründet ist es seit 1699 im Besitz der Franziskaner-Minoriten. Fünf Brüder leben derzeit dort, darunter auch Bruder Tobias Matheis. Zusammen mit Guardian Steffen Behr räumt er einen alten Bauwagen am Ufer der Fränkischen Saale aus: Hier soll es nämlich losgehen mit Gesprächen und Begegnungen, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

„Franziskus hat auch gesagt, die Brüder sollen die Menschen zur Liebe Gottes führen. In Fröhlichkeit und Freude. Und ich denke, dass ist hier so ein Auftrag“, sagt Bruder Tobias. „Wir haben zwar eine große Klostermauer um uns herum. Aber das Tor vorne, der Eingang, da gibt es keine Tür mehr, die steht offen“, sagt Bruder Steffen. Dies sei ein Signal. Man wolle Zeit investieren für die Menschen und ihre Anliegen.

Hilfe auf der Straße

Bruder Tobias tut dies drei Mal die Woche in Würzburg. Vor knapp 20 Jahren hat er dort die Straßenambulanz gegründet, um Menschen am Rande der Gesellschaft zu helfen – nicht nur medizinisch. „Ich geh morgens und guck oder sag diesem Gott: Du, schick mich da hin, wo Du mich brauchst heute, zu den Menschen, die mich brauchen. Oder vielleicht auch zu Situationen, die dran sind", erzählt Bruder Tobias Matheis. "Und dann guck ich immer, was geschieht, ohne einen Plan im Sack zu haben, was dran ist oder wohin es geht.“

Offenheit für den Wandel

Es gehe darum, den Finger am Puls der Zeit zu haben, zu sehen, was die Welt von heute von Ordensmännern erwarte, sagt der Bruder. Das sei schon vor 800 Jahren so gewesen, als die Franziskaner nach Deutschland kamen. Es war eine Revolution damals, dass Männer der Kirche zu den Menschen vor den Städten gingen, den Ausgestoßenen, den Aussätzigen. Der Orden wuchs schnell. Und er wagte den Aufbruch in andere Teile der Welt – direkt von Kloster Schönau in Gemünden aus. Zwei der vier Brüder, die 1852 nach Amerika gingen, seien aus dem unterfränkischen Ort gekommen, erzählt Bruder Steffen. Kein Wunder also, dass die 1872 neu gegründete Provinz Maria Immaculata genannt wurde – nach dem Patrozinium der Klosterkirche in Schönau.

Bier, Bibel und Begegnung

Nun also soll es in Schönau wieder einen Aufbruch geben – mit Gesprächs- und Bibelkreisen, Jugendgruppen und dem Angebot, einfach da zu sein. Helfen soll dabei das Hobby von Bruder Tobias. Denn er ist leidenschaftlicher Hobby-Brauer. Alle paar Wochen maischt er ein. „Bibel, Bier und Begegnung“, so das Motto in Schönau. „Leben ist ja Begegnung. Und Begegnung findet da statt, wo Menschen zusammentreffen“, sagt Bruder Tobias. „Und das kann eben auch bei einem ganz banalen Bier sein, im Biergarten. Wobei ich schon mal gesagt habe: Der Weg zum Himmel führt an einem Biergarten vorbei.“

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