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Der Regensburger Hermann Hage hat ein ungewöhnliches Hobby: Er beschäftigt sich mit bayerischen Amischen. Denn Hages Ahnen gehörten zu den ersten zehn amischen Familien, die 1803 südlich von Regensburg angesiedelt wurden.

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Auf den Spuren der Amischen in Bayern

Der Regensburger Hermann Hage hat ein ungewöhnliches Hobby: Er beschäftigt sich mit bayerischen Amischen. Denn Hages Ahnen gehörten zu den ersten zehn amischen Familien, die 1803 südlich von Regensburg angesiedelt wurden.

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Von
  • Sabine Barth

Hermann Hage stellt als junger Katholik und Geschichtsstudent viele Fragen. In Unterlagen aus der Familie, die ihm der Vater übergibt, findet er einen Ahnenpass aus der Nazizeit. "Mennonitisch" steht da als Religionszugehörigkeit eines Vorfahren. Hage findet heraus, dass sein Urgroßvater noch als Amischer in Bayern aufgewachsen ist.

Amische in Bayern?

Die gab es im 19. Jahrhundert tatsächlich. Allerdings lebten sie sehr zurückgezogen. Auch Hermann Hage hat nur wenige Zeugnisse aus den Gemeinden gefunden: fromme Textbücher, ein Sticktuch von 1844 und ein Haarbild zur Erinnerung an eine amische Frau sind erhalten.

Hages Vorfahren gehörten zu den ersten zehn amischen Familien, die sich 1803 südlich von Regensburg ansiedelten, auf Initiative des bayerischen Kurfürsten und späteren Königs Max Joseph. Der suchte damals kompetente Pächter für die großen landwirtschaftlichen Flächen, die durch die Säkularisation an den Staat gefallen waren. Der gute Ruf der frommen Amischen erreichte auch bayerische Landadelige, wie zum Beispiel die Grafen von und zu Lerchenfeld in Köfering. Hermann Hage fand heraus, dass Amische im 19. Jahrhundert etwa 35 Jahre lang die "Ökonomie" des Schlosses Köfering gepachtet hatten. Pachten statt kaufen war eine Glaubensüberzeugung.

"Mein Urgroßvater kam im Alter von zwei Jahren hierher nach Schloss Köfering, in den 1840zigern. Er ist hier aufgewachsen und auch ausgebildet worden. Dieser Ort ist ein wichtiger Punkt für meine Familiengeschichte." Hermann Hage

Auch im nahegelegenen Triftlfing hat Hermann Hage amische Pächter gefunden. Zu deren Zeit gehörte Ort und Landwirtschaft dem Hause Thurn und Taxis.

Bayerische Amische wanderten vor allem nach Amerika aus

Oft zogen die Familien weiter, wenn die Männer nach anfänglichen Privilegien doch irgendwann zum Militärdienst aufgefordert wurden. Die meisten von ihnen wanderten nach Amerika aus.

Hermann Hages Urgroßvater konvertierte zum katholischen Glauben, andere schlossen sich den mennonitischen Gemeinden an. Diese sehen sich als Glaubensgeschwister, leben aber einen offeneren Religionsalltag. Das Regensburger Pastorenehepaar Liesa und Wilhelm Unger half Hermann Hage immer wieder bei seinen Recherchen über die Amischen.

"Uns verbindet, dass wir theologisch das gleiche Verständnis haben. Zum Beispiel ist uns der einfache Lebensstil wichtig. Auch wenn wir den hier in Deutschland ganz anders umsetzen als die Amischen in den USA." Liesa Unger, Pastorin der Regensburger Mennonitengemeinde

Hermann Hage ist inzwischen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Ab und an ist er bei den Regensburger Mennoniten als Gast dabei - zu Gottesdiensten, Veranstaltungen oder gemeinsamen Festen. Die Gemeinde hat ungefähr 80 Mitglieder. Hermann Hage fühlt sich dort wohl, er mag die Art und Weise, wie dort der christliche Glaube gelebt wird: "Es sind gute Gespräche, da ist ein Hintergrund da, da kann man sich auch intensiv austauschen, das ist etwas, was das Leben bereichert und ich fühle mich da richtig wohl." Die Reise zu seinen Wurzeln hat Hermann Hage auch zu einer neuen, alten geistlichen Heimat geführt.

Mehr zum Thema am Mittwoch, 21. Juli 2021 in der Sendung STATIONEN im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

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