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Auf dem Jazz-Forschungsschiff - das neue Album von ELF | BR24

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Das Klaviertrio ist im Jazz eine geradezu klassische Angelegenheit. Auch die Formation ELF ist ein solches - allerdings kreuzen die drei Drum'n'Bass-Rhythmik mit europäischer romantischer Musik.

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Auf dem Jazz-Forschungsschiff - das neue Album von ELF

Das Klaviertrio ist im Jazz eine geradezu klassische Angelegenheit. Auch die Formation ELF ist ein solches - allerdings kreuzen die drei Drum’n’Bass-Rhythmik mit europäischer romantischer Musik.

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Von
  • Markus Mayer

Leicht machen es die Drei von ELF ihrem Publikum nicht mit dem neuen Album, denn dass sich dessen Titel "Fram" auf Nansens Forschungsschiff bezieht, auf Expeditionen, die zu wesentlichen neuen Erkenntnissen der Ozeanographie, zur Entdeckung der Korkenzieherströmung und anderer Phänomene führte, diesen Hinweis lassen Walter Lang, Gerwin, genannt Geff Eisenhauer und Sebastian Gieck außen vor. Dabei handelt es sich um eine brillante Erzählidee für ein Album, für Musik, die so ungewöhnlich wie die Fram gestaltet war, mit der man sich mitten hinein in romantische Eiswüsten, in unterkühlte Einsamkeits-Wüsteneien katapultieren kann, wie sie schon Caspar David Friedrich festgehalten hat.

Beats, als ob der Schlagzeiger leicht einen sitzen hätte

"Wir waren natürlich auf der Suche nach neuen Sounds, Klängen und Texturen - und haben dann in der elektronischen Musik unsere Anleihen gefunden", erzählt Schlagzeuger Geff Eisenhauer, wenn man so will, der Maschinist von ELF. Der Oberpfälzer hat die Formation vor über 15 Jahren angeregt. Er hatte genug von altmodischem Swing und kaprizierte sich auf Impulse, die aus der elektronischen Musik, von Tanzflächen und aus Clubs kamen. Jungle, Techno, House und Drum’n’Bass hießen damals die urbanen Tanz-Genres. Vor allem deren Beats, die am Computer programmiert wurden, hatten es ihm angetan: "Trap-artige Grooves, die man heutzutage als 'drunken beats' versteht, die auf den ersten Blick so klingen als ob der Schlagzeuger leicht einen sitzen hätte, bekommen durch Wiederholung eine ganz eigene Ästhetik."

© Cover: Elf Hintergrund-Illustration: BR
Bildrechte: Cover: Elf Hintergrund-Illustration: BR

"Fram" von ELF, benannt nach dem Expeditionsschiff.

Musik als Schiff, als Fahrzeug und Transportmittel. Man muss dieses Album mehrmals hören und sich einlassen auf den Zauber, den die drei ELF-Musiker hier gekonnt verbreiten. Ein gelungenes Album zwischen Bach und Drum‘nBass, das ELF noch vor dem Lockdown in Schweden aufgenommen haben – lyrischer Soundtrack zur Pandemie, auch das. Schlagzeuger Eisenhauer vermisst vor allem das miteinander musizieren. In einem Regensburger Lokal ruft er deshalb zu Pandemie-Konzerten, die Musiker treten maskiert und in gebührendem Abstand auf, umgeben sind sie von 25 Schaufensterpuppen - Immer noch besser als alleine vor sich hin zu gurken. Eisenhauer beschreibt die Idee so: "Im Hintergrund läuft ein Sample mit Kneipen-Club-Atmosphäre. Wir spielen ein Konzert, zweimal 40 Minuten, dazwischen eine Pause. Es ist ein bisschen ein Symbol, dass wir trotzdem arbeiten und unserem Job nachgehen, selbst wenn wir momentan unserem Publikum entfremdet sind und vor Schaufensterpuppen spielen. Aber wir spielen!"

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