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Die Reihe "Black Cinema" von Arthur Jafa beim Filmfest München | BR24

© picture alliance/Salek Petr/CTK/dpa

Arthur Jafaa

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Die Reihe "Black Cinema" von Arthur Jafa beim Filmfest München

"Blackness" ist das zentrale Thema des afroamerikanischen Film- und Videokünstlers Arthur Jafa. Das Museum Brandhorst und das Filmfest zeigen ein von ihm kuratiertes Filmprogramm – das schlichte Festlegungen von "Blackness" allerdings verweigert.

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50 Jahre nach der legendären "I have a dream"-Rede von Martin Luther King stellt Arthur Jafa die Frage, was aus diesem Traum geworden ist. Lebt er weiter, hat er sich verändert? Was bedeutet es, heute in den USA schwarz zu sein? Der Film "Dreams are colder than Death" kreist um diese Fragen. Intellektuelle, Künstler, Pädagogen versuchen, Antworten darauf zu finden. Und während man ihren Erzählungen zuhört, rauschen Bilder über die Leinwand. Alltagsszenen zum einen, Menschen auf der Straße zum Beispiel, zwischen Autos und Palmen – Szenen des Schreckens zum anderen, gefolterte, geschundene Körper.

Ein Ton- und Bilderrausch

Natürlich fragt man sofort nach den Verbindungen zwischen Text und Bild, aber klar in Bezug setzen lassen sich die Ebenen nicht. Der Film ist formal das Gegenteil einer Rede. Nichts ist leicht zugänglich, eindeutig ausformuliert. Im Gegenteil, alles kommentiert und verkompliziert sich gegenseitig. Ein treibender Ton- und Bilderrausch entsteht so, kein politisches Lehrstück. "Manchmal fragen mich Leute – und diese Frage mag ich am wenigsten: Was willst du sagen?", so Arthur Jafa. "Na gut, ich sage, was ich meine, aber in meinem Werk versuche ich gar nicht, irgendetwas zu sagen. Sagen ist nur eine Art, Sinn zu produzieren oder zu kommunizieren. Aber wenn du ein Gemälde machst, einen Film, wenn du ein Tänzer bist, dann willst du nichts sagen."

Bei allen künstlerischen Brechungen: Es bleiben doch Sätze hängen, die einen zur politischen Gegenwart führen. Immer wieder wird die Nähe zum Tod angesprochen, um sich der "blackness" zu nähern. Ein Mann berichtet, wie er Kindern den richtigen Ton gegenüber Polizisten eintrichtere, damit sie sich nicht in Gefahr begeben. Eine Frau erinnert sich an ihre Schwester, die an Trauer zerbrochen sei – an der Erfahrung, das eigene Kind begraben zu müssen.

Die Frage nach der Verteilung von Ressourcen

Wird Arthur Jafa gefragt, was er mit dem Begriff "Black Cinema" verbinde, bleibt er nicht bei den Lebenswelten stehen, die dieses Kino spiegelt. Er fragt nach den Bedingungen: "Die große Frage ist doch die nach Ressourcen. Einmal, wie wir überhaupt an die Ressourcen kommen, um Filme zu machen. Aber auch – konzeptionell – was ist eine Ressource? Was mir nämlich aufgefallen ist: Die Mehrheit der Filme, die ich schätze, sind alle mit sehr wenig Geld produziert."

Das Wort "rawness" benutzt Jafa immer wieder, etwas Raues ist damit gemeint, das die Filme präge. Eigentlich eine ganz allgemeine Frage, die jeden Filmschaffenden betrifft. Die Frage nach Ressourcen führt für Jafa aber tiefer, in die Struktur der Filme: "Der klassische Produktionsmodus ist doch der: Wenn du anfängst, stehen Anfangsdatum und Enddatum der Produktion. Und daran hältst du dich. Aber ich kenne so viele, die mit Unterbrechungen arbeiten. Die Frage ist also: Ist das nur eine Frage des Geldes oder wirkt sich das auch auf die Form, die Ästhetik aus?"

© FILMFEST MÜNCHEN 2019

Szene aus "A good day to be black and sexy" von Dennis Dortch

Eine ganz persönliche Filmauswahl

Arthur Jafa denkt hier an die Filme, die er für seine Reihe "Black Cinema" beim Filmfest München zusammengestellt hat. Eine ganz persönliche Auswahl ist das. Darunter die Geschichte eines jungen afroamerikanischen Mädchens: Von ihrer Mutter allein gelassen, wächst Naomi bei einer Pflegefamilie auf. Eine liebevolle Familie ist das – nur kommt die Tochter im Film nicht über das Trennende hinweg, über die Tatsache, dass sie eine Spur heller ist als ihr Umfeld. "God's Stepchild" wurde Ende der 30er-Jahre gedreht.

In die Gegenwart führt der Film "A good day to be black and sexy". Er habe einfach nicht viel Authentisches gefunden in Darstellungen schwarzer Menschen, sagt Regisseur Dennis Dortch: "Ich wollte also etwas Authentisches zeigen – dass schwarze Menschen normale Menschen sind, dass unsere Sexualität normal ist. Wir sind weder hypersexualisiert noch sexlos, sondern irgendwas dazwischen. Ich wollte etwas über Liebe und Sexualität machen, was sich für mich authentisch und echt anfühlt."

"A good day to be black and sexy" folgt keinem klassisch erzählten Plot, stattdessen spürt Dortch in sechs Vignetten seinem Thema nach. Ganz ähnlich lässt sich auch die Filmreihe von Arthur Jafa verstehen: Mit ihr kann man sich bestimmten Erfahrungen und Ästhetiken annähern, sie umkreisen, eine Ahnung von ihnen gewinnen. Und doch wird man am Ende ins Stottern geraten, wenn man danach gefragt wird, was es denn nun eigentlich sei, dieses "Black Cinema" à la Arthur Jafa.

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