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Wie die Ars Electronica die Gefühle von Maschinen entdeckt | BR24

© Bayern 2

Die Ars Electronica in Linz ist eines der wichtigsten Festivals für Medienkunst und Zukunftskultur. Die 40. Ausgabe steht unter dem Motto "Midlife-Crisis der digitalen Revolution" – und zeigt auch, wie die Künstliche Intelligenz um Nähe bettelt.

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Wie die Ars Electronica die Gefühle von Maschinen entdeckt

Die Ars Electronica in Linz ist eines der wichtigsten Festivals für Medienkunst und Zukunftskultur. Die 40. Ausgabe steht unter dem Motto "Midlife-Crisis der digitalen Revolution" – und zeigt auch, wie die Künstliche Intelligenz um Nähe bettelt.

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Das Bild erinnert im ersten Moment an ein futuristisches Kriegsszenario: Auf dem Boden in einer großen Halle des Festivals Ars Electronica fahren kleine Roboter und schießen grüne Laserstrahlen durch die Gegend. Aber irgendwie ist es dann auch wieder putzig, denn die Roboterchen haben weiße Fellüberzüge. "Lasermäuse" heißen sie, erdacht hat sie der japanische Künstler So Kanno. Die Mäuse agieren nicht zufällig: Sie besitzen Schwarmintelligenz, so wie Fische oder Bienen. Nur, dass man normalerweise die Kommunikation des Schwarms, das "Netzwerk", nicht sehen kann. Bei den Lasermäusen ist das anders: Sie kommunizieren mit den für uns Menschen sichtbaren Laserblitzen.

Maschinenmäuse und romantische Rechner

Schwarmintelligenz und Künstliche Intelligenz, das sind Dauerbrenner auf den Festivals der vergangenen Jahre. Und immer wieder spielt auch die Emotion der Maschine eine Rolle. Auch dieses Jahr: "Ich will Zuneigung erfahren!" lockt ein Computer den Besucher. Daneben ein Objekt, das entfernt an eine Computermaus erinnert – edles Holz mit eleganten Kanten. Streichelt man es, dann freut sich der Rechner: "So ist es gut!". Und manchmal vibriert der Handschmeichler sogar.

Erfunden hat diese liebeshungrige Maschine der junge Künstler Noah von Stietencron: "Es hat sich oft gezeigt, dass, wenn Kinder ganz ohne menschliche Zuneigung oder Nähe aufwachsen, dass sie dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit psychopathische Züge entwickeln. Und im Endeffekt haben wir das umgelegt auf KI." Die Künstliche Intelligenz bettelt um Nähe. Und so fühlt man sich wieder in die Vergangenheit versetzt, zu Maschinen wie dem psychopathischen Roboter HAL 9000 aus dem Film "2001 – Odyssee im Weltraum".

Im kulturellen Brachland – die Anfänge des Festivals

Seit 1979 beschäftigt sich die Ars Electronica mit solchen Themen, mit der Medienkunst von heute und mit den Ideen der Zukunft. Eröffnet wurde die erste Ausgabe vor 40 Jahren mit einem Freiluft-Musikspektakel und einer zukunftsweisenden Idee: Die Bevölkerung war aufgerufen, ihre Radios in die Fenster zu stellen und so die Musik durch die ganze Stadt zu verteilen. Medienkonsumenten wurden so zu Medienmachern. Überlegt hatte sich diese Aktion Hannes Leopoldseder, der Erfinder der Ars Electronica und zu der Zeit Intendant des Österreichischen Rundfunks in Oberösterreich.

Kulturelles Brachland in eine blühende Kulturlandschaft verwandeln – das war die nicht gerade einfache Aufgabe, die Leopoldseder damals zu bewältigen hatte. Die Journalistin Christine Schöpf, die das Festival von Beginn an begleitet, erinnert sich: "Die Stadt Linz war 1979 eine Arbeiterstadt, Industriestadt, die vor allem ökologische Probleme hatte, aber überhaupt keinen kulturellen Background. Und das war eigentlich der Auftrag an den damals jungen Hannes Leopoldseder: Mach was dort kulturell!"

© vog.photo

Mahlers "Unvollendete" - vollendet von einer KI

Musikalische Maschinen

Die Kunst ist – neben den Zukunftsfragen – bis heute ein wichtiger Teil der Ars Electronica. Und so gibt es dieses Jahr erstmals eine eigene Veranstaltungsreihe über Künstliche Intelligenz und Musik. Denn: Auch Computer können komponieren. Ob im Stil von Mahler, Mozart oder Bach – ihr musikalischer Erfindergeist kennt keine Grenzen.

Allerdings setzt nicht jeder auf die neue Technologie. Der österreichische Klangkünstler Peter Kutin hat einen Klapotetz gebaut, eine Art Windrad, das auf den Feldern der Bauern die Vögel verscheuchen soll. Durch die Kreisbewegung wird der Klang im Raum verteilen. Denn am Windrad sind rundum Lautsprecher angebracht: Klänge, Obertöne, Lichtblitze und geometrische Formen von LED an den Flügeln des Rades verschwimmen im Dunkel zu einer faszinierenden Symphonie – komponiert von Hand, ohne Künstliche Intelligenz.

Kutin will damit einem Trend entgegen steuern. Er kritisiert, die Arbeit mit computergenerierter Musik sei mittlerweile inflationär geworden: "Es gibt so viel Projekte, die das Gleiche machen in dem Bereich, mich nervt das wirklich schon total." Erfolg hat er trotzdem oder gerade weil er gegen den Trend arbeitet. Dieses Jahr bekam er eine "Goldene Nica", den Preis der Ars Electronica für digitale Musik und Klangkunst.

Die Ars Electronica findet bis 9. September in Linz statt.

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