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1986 erhielt Böhm als erster Deutscher den amerikanischen Pritzker-Preis, der als "Nobelpreis für Baukunst" gilt.

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Architekt Gottfried Böhm gestorben

Der Kölner Architekt Gottfried Böhm ist tot. Er starb im Alter von 101 Jahren, wie sein Büro am Morgen bestätigte. Der erste deutsche Pritzker-Preisträger wurde durch spektakuläre Kirchenbauten wie den Pilgerdom in Neviges bei Düsseldorf berühmt.

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  • BR24 Kultur

Gottfried Böhm schuf Architektur-Ikonen wie die Wallfahrtskirche im rheinischen Neviges, ein Kinderdorf, das Potsdamer Theater oder die Stadtbibliothek Ulm. 1986 erhielt Böhm als erster Deutscher den amerikanischen Pritzker-Preis, der als "Nobelpreis für Baukunst" gilt. Kirchen wie Gebirge, Rathäuser wie Burgen - aber alles aus Beton: Das war das Markenzeichen des Architekten Gottfried Böhm. Vor allem in der Nachkriegszeit war er gefragt wie kaum ein anderer. Typisch für seine Bauten aus Beton, Stahl und Glas sind eine kühne Statik mit Hängedächern, Kuben, Zylindern oder Kegeln.

Spektakuläre Wallfahrtskirche im rheinischen Neviges

Anfang der 60er-Jahre entschied das Erzbistum Köln, im Wallfahrtsort Neviges bei Düsseldorf einen großen neuen Pilgerdom zu bauen. Erzbischof Josef Frings war bereits fast erblindet und konnte die Entwürfe deshalb nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Ein Modell allerdings faszinierte ihn: Er tastete es ab, und es fühlte sich an wie ein zerklüftetes, schroffes Gebirge. Er entschied sich für diesen Entwurf - den von Gottfried Böhm.

Bei seiner Einweihung in den 60er-Jahren empfanden viele das Bauwerk als Zumutung. Heute pilgern nicht nur Gläubige, sondern vor allem zahlreiche Architekten nach Neviges. Man erreicht es über einen ansteigenden Pfad wie bei der Wanderung zum Gipfel. Dann tritt man durch eine Felsspalte und hat zunächst den Eindruck, man befinde sich in einer Höhle. Durch eine Fensternische fällt rotes Licht und schafft eine dem Irdischen entrückte Atmosphäre. Inzwischen zählt Böhm zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts weltweit und der Pilgerdom als sein Hauptwerk.

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Wallfahrtsdom von Neviges

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Wallfahrtsdom von Neviges

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Wallfahrtsdom von Neviges, Deckenansicht

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Bensberger Rathaus

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Katholische Kirche St. Matthäus, Düsseldorf

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Katholische Pfarrkirche St. Paul, Bocholt

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Hans Otto Theater in Potsdam

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Stadttheater Itzehoe

Böhm schuf mehr als 50 Sakral-Bauten

Böhm wurde am 23. Januar 1920 in Offenbach am Main als Sohn eines Architekten geboren. Nicht nur sein Vater war Architekt, auch seine Ehefrau und seine drei Söhne sind ebenfalls Architekten.

Gottfried Böhms erstes eigenes Bauwerk war die Kapelle "Madonna in den Trümmern", die Ende der Vierzigerjahre in der Ruine der Kölner Pfarrkirche Sankt Kolumba errichtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Gotteshäuser in Deutschland zerstört, gleichzeitig wuchs die Mitgliederzahl der beiden großen Kirchen stark und Geld war bald vorhanden. Gottfried Böhm schuf mehr als 50 sakrale Bauten. Darunter sind aber nicht nur wuchtige Bauwerke wie den Pilgerdom in Neviges, sondern auch leichte, helle Räume wie die Klosterkirche Zu Unserer Lieben Frau in Oberhausen.

Der bedeutendste Profanbau Böhms ist das Rathaus von Bensberg bei Köln. Auch das gleicht einem Betonberg, den Böhm auf die Reste einer mittelalterlichen Burganlage baute. Die Verbindung der mittelalterlichen Burgmauern mit den Betonfassaden erzeugt einen krassen Bruch und hat etwas Bizarres. Das Gebäude wurde auch spöttisch "Beamtenbunker" oder "Bensberger Akropolis" genannt.

Gewagte Statik, wuchtige Beton-Gebirge, bizarre Brüche

Experten, die in seinen wuchtigen Betonbauten eine brutalistische Architektur sehen, widersprach Böhm. Er wolle doch nicht als brutaler Mensch gelten, sagte er im Interview der KNA zu seinem 100. Geburtstag. "Nur weil ich Beton verwende? Sind Kirchen in Granit dann auch brutalistisch?" Ihm gehe es darum, dass seine Bauten "innen drin und auch außen Wärme ausstrahlen".

(Mit dpa-Material.)

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