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Der Architekt Arno Lederer

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Architekt Arno Lederer verstorben

Lederer widersetzte sich in seinen Bauen dem Trend der transparenten Stahl-Glas-Konstruktionen. München prägte er besonders mit dem Bau des Neuen Volkstheaters.

Der Architekt Arno Lederer ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Das teilte die Universität Stuttgart mit, an der er das Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen geleitet und als Dekan gewirkt hatte. Lederer hat in Stuttgart und anderen Orten verschiedene prägende Gebäude entworfen. Das von ihm gegründete Architekturbüro hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und gestaltete Bauten wie das Hessische Staatstheater Darmstadt, das Kunstmuseum Ravensburg und das Münchner Volkstheater.

Massiv statt Glas

Lederer war ein renommierter Architekt, der für seine innovativen und menschenorientierten Entwürfe bekannt war. Er lehnte die üblichen Stahl-Glas-Konstrukte ab und bevorzugte massiv gebaute Baukörper, die dennoch formenreich und abgerundet waren, wie beispielsweise das Kunstmuseum Ravensburg oder das Neue Münchner Volkstheater. Lederer hatte in Stuttgart und Wien studiert und gründete 1979 sein eigenes Architekturbüro in Stuttgart.

Er wirkte im Beirat des Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt und im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin, daneben arbeitete er als Professor und Lehrstuhlinhaber in Stuttgart. Seine Baukörper sind massiv und damit echte Körper, aber dennoch nicht klotzig: Rechte Winkel rundete Lederer immer wieder ab, was eine ungewohnt formenreiche, am Menschen orientierte Architektur ergab. Bestes Beispiel: Das Kunstmuseum Ravensburg mit seinem gewellten Dach oder, noch ganz frisch, das Neue Münchner Volkstheater. Beides öffentliche Gebäude, in denen man sich trotzdem wohlfühlen kann.

Wie ein Adventskalender

Bei der Eröffnung des Neubaus des Münchner Volkstheaters im Oktober 2021 erklärte er, dass das Wort "Schönheit" in der 1000-seitigen Leistungsbeschreibung für den Neubau kein einziges Mal vorgekommen sei: "Wir haben uns gedacht, wir schenken den Münchnern die Schönheit einfach." Das Gebäude sei für Besucher wie ein Adventskalender: "Du machst die Türe auf, und dann kommst du rein. Also das Haus geschlossen, auch die Räume geschlossen und jeder Raum dann, wenn es geht, innen ein bisschen anders."

Lederers besondere, eher auf traditionell-anthroposophische Prinzipien basierende Haltung betraf auch den Entwurfsprozess: Den Einsatz digitaler Technik schon im Findungsprozess sah er kritisch, er arbeitete zumindest am Anfang eines Projekts gern mit Aquarellen und Bleistiftplänen.