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Antonius hilf! Christliche Partnersuche im Netz und analog | BR24

© Veronika Wawatschek/BR

Valentin gilt als der Patron der Liebenden. Aber was ist mit denen, die noch nicht den oder die Richtige gefunden haben? Datingagentur? Zeitungsannonce oder himmlischer Beistand vom heiligen Antonius, dem Patron der Suchenden?

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Antonius hilf! Christliche Partnersuche im Netz und analog

Valentin gilt als der Patron der Liebenden. Aber was ist mit denen, die noch nicht den oder die Richtige gefunden haben? Datingagentur? Zeitungsannonce oder himmlischer Beistand vom heiligen Antonius, dem Patron der Suchenden?

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Der Markt für die Liebe ist inzwischen wirklich ein Markt - 37 Prozent aller Deutschen waren schon bei einem oder mehreren Dating-Portalen angemeldet. Bei Tinder wird nach eigenen Angaben jeden Tag bis zu 1,4 Milliarden Mal über das Display gewischt - mit 26 Millionen Treffern.

Neben Parship, Elitepartner, Tinder und Co haben längst auch andere Anbieter diesen Markt entdeckt: Es gibt Dating-Portale für Bartträger und Bartliebhaber, für Veganer und Vegetarier, für Hundeliebhaber, für Homosexuelle, für Muslime und auch für Christen - Kennenlernen und Verlieben funktioniert aber auch bei Christen nach wie vor ganz herkömmlich, manchmal aber auch mit himmlischen Beistand, wie ein Besuch in der Bürgersaal-Unterkirche in der Münchner Innenstadt zeigt.

Himmlischer Beistand vom Schlamper-Doni

Alle zwei Wochen treffen sich hier gläubige Katholiken - was sie eint ist ein gemeinsames Ziel: Sie alle sind auf der Suche nach der oder dem Richtigen. Und ihre Bitten richten sie an den Heiligen der Suchenden, den Heiligen Antonius, wie Gebetskreisleiter Gerhard Hoffmann erklärt. Der Schlamper-Doni, wie der Patron der Schusseligen in Bayern auch gerne genannt wird, sei nämlich auch für die zuständig, die in Liebesdingen auf der Suche seien.

Seit mehr als 15 Jahren gibt es den Antoniusgebetskreis schon. Entstanden ist die Idee bei einer Single-Wallfahrt nach Padua. Als Kuppel-Termin will Gerhard Hoffmann seinen Gebetskreis aber nicht verstanden wissen.

"Man kommt hier auch wirklich zum Gebet her und nicht einfach zum Vorbeischauen, ist da jemand für mich dabei. Gut, man schaut sich natürlich trotzdem um. Ist auch erlaubt. Aber es ist nicht so, dass wir sagen, das ist hier eine Kontaktbörse." Gerhard Hoffmann, Leiter des Antoniusgebetskreises in München

Also kein Ball der einsamen Herzen - und trotzdem funkt es immer mal wieder, so wie bei Peter und Christine. Die sind inzwischen seit zehn Jahren verheiratet. Zum ersten Mal bewusst gesehen haben sich die beiden beim gemeinsamen Umtrunk nach dem Gebet.

Partnersuche ohne Notausgang

Der heilige Antonius könne natürlich keine Partnerschaften stiften. Eher gehe es darum, offen zu bleiben, und sich dann beim Richtigen aber auch festzulegen, sagt Gebetskreisleiter Gerhard Hoffmann. Das sagt im Grunde auch die israelische Soziologin Eva Illouz in ihrem vielzitierten Buch "Warum Liebe weh tut": Schuld an der Beziehungsmisere sei nicht der Einzelne, sondern die Gesellschaft. Denn die sei auf Nutzenmaximierung aus.

Ähnliche Thesen vertritt auch die evangelische Theologin Isolde Karle, die an der Ruhr Universität Bochum praktische Theologie lehrt: "Wir leben in einer Gesellschaft, die uns ständig und überall hunderttausend Optionen bietet und wo wir uns entscheiden müssen, immer des Gefühl haben, jetzt doch etwas verpasst zu haben."

Partnersuche mit Notausgang aber funktioniere nicht - darin sind sich der Gebetskreisleiter und die evangelische Theologin einig. Wer lieben will, muss offen sein und sich entscheiden: "Es gehört ein gewisser Mut dazu, zu sagen, der Prozess der Suche ist beendet, selbst wenn morgen noch was viel tolleres käme."

Katholisch, ledig sucht

Sich festlegen, keine Wisch- und Weg-Mentalität, darum geht es auch Martin Kugler. Er ist eigentlich PR-Berater. Seine Agentur hat unter anderem für die katholische Zeitung "Tagespost" die Marketingkampagne zum Papstbesuch 2007 betreut, setzt sich für die Themen Lebensschutz und katholische Sexualerziehung ein und will auf dem katholischen Heiratsportal "kathtreff", Gläubige zueinander bringen. Ins Leben gerufen hat Kugler die Seite vor 14 Jahren.

"Das spezifisch Katholische ist natürlich auch, dass man die Bereitschaft hat, sich prinzipiell festzulegen auf eine Partnerschaft und nicht mit angezogener Handbremse in das Date geht und sagt: Wer weiß, es gibt noch 50 andere schöne Frauen auf dem Portal." Martin Kugler, PR-Berater und Gründer des katholischen Heiratsportals "kathtreff"

Geschiedene haben es bei "kathtreff" schwer

Diese Haltung will Kugler in seiner Partnervermittlung fördern: keine Matching-Points, eher eine Art "Schwarzes Brett", auf dem man seine Wünsche kundtun kann. Die Profile ähneln also eher einer Zeitungsannonce aus alten Zeiten.

57 Euro kostet eine Jahresmitgliedschaft. Taufschein braucht man nicht. Einzige Bedingung: "Die Leute müssen nur anklicken bei uns, ja ich suche einen Ehepartner und ich bin auch in der Lage, in der Kirche zu heiraten."

15 Prozent Erfolgsquote

Geschiedene Katholiken haben es da also schon schwer. Aber auch andere werden nicht sofort fündig. Etwa 2.000 Mitglieder hat die Vermittlung Kugler zufolge im deutschsprachigen Raum. Zum Vergleich: Andere christliche Portale werben mit bis zu 50.000 Mitgliedern und Erfolgsgeschichten.

Stefan etwa schreibt auf "Christ sucht Christ", er habe mit seiner dort gefundenen neuen Liebe das durch seine Ex - eine "Anti-Christin" - ausgelöste Trauma überwunden. Und Liset und Guido haben sich angeblich schon zwei Stunden nach der Anmeldung bei "funky fish" gefunden.

Bei "kathtreff" würden manche Mitglieder bis zu zwei Jahre suchen, räumt Martin Kugler ein. Der oder die Richtige sei da nicht immer im nächsten Umkreis zu finden. Insgesamt liege die Erfolgsquote bei 15 Prozent: "Damit meinen wir, dass 15 Prozent der Mitglieder auf kathtreff im Laufe ihrer Mitgliedschaft den richtigen Partner zum Heiraten finden und uns dies auch mitteilen."

Durch Antonius' Fürsprache die Liebe zu Jesus entdeckt?

So wie Anton und Barbara aus Wasserburg am Inn: Drei Jahre lang hatte sie schon beim Antoniusgebetskreis für einen guten Ehemann gebetet, bis sie sich bei der katholischen Online-Agentur angemeldet hat - und ihn fand. Inzwischen sind die beiden verheiratet und kommen immer mal wieder in den Gebetskreis - zum Dank dafür, dass sie sich gefunden haben.

Das Gebet helfe eben doch, ist Gebetskreisleiter Gerhard Hoffmann überzeugt und fügt augenzwinkernd hinzu: "Wir werden erhört, wir haben elf Eheschließungen und eine Ordensberufung, da hat die Dame die Liebe zu Jesus entdeckt, also auch eine große Liebe."