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Protest gegen Verfolgung von Sinti und Roma
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Protest gegen Verfolgung von Sinti und Roma

Emmanuela ist Romni und stolz darauf. Doch sie ist sich auch der Vorurteile bewusst, die Menschen über Sinti und Roma haben: "Sinti und Roma werden immer als schlechter gesehen, dass sie die Menschen immer betrügen, immer klauen, nie diesen geraden Weg gehen." Auch Rainer Burger kennt diese Vorurteile. Der Sozialpädagoge berät in der Einrichtung "Drom" in München, junge Sinti und Roma bei der Arbeitssuche.

"Sinti und Roma werden seit jeher ausgegrenzt"

Ausgrenzung und Diskriminierung seien durchgehend ein Thema, fast beiläufig erzählen ihm manche Jugendliche davon, so Burger: "Das war so eine Selbstverständlichkeit, dass es mich schockiert hat." Frank Reuter forscht an der Uni Heidelberg zu Antiziganismus. Er sagt, die Diskriminierung von Sinti und Roma reicht weit zurück in der deutschen Geschichte. Seit jeher werden Sinti und Roma als faul, kriminell und unzivilisiert ausgegrenzt.

Wie wenig sich an diesen Stereotypen verändert hat, zeigt auch die aktuelle Berichterstattung, so Reuter: "Die Tatsache, dass der mediale Diskurs vollkommen einseitig auf das Thema Armutsmigration fokussiert ist, überblendet völlig die vielschichtige Lebenswirklichkeit von Sinti und Roma hier in Deutschland. Sinti und Roma wandern in das deutsche Sozialsystem ein, so lautet das Vorurteil. Uralte Stereotype zeigen sich so in neuem Gewand. Außer Sicht gerät dabei, dass Sinti und Roma schon seit Jahrhunderten in Deutschland beheimatet sind – und dass sie in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten sind, vom Arbeiter bis zum Akademiker, so Reuter.

"Wenn sie eine dunkelhäutige Frau bettelnd in der Fußgängerzone sehen sagen sie: Aha, das ist jetzt eine Sinti und Roma, die entspricht genau meinem Bild, das in den Medien immer reproduziert wird." Frank Reuter, Forschungsstelle Antiziganismus an der Uni Heidelberg

Vielleicht dauerte es deswegen so lange, bis Deutschland begann, die Verfolgung und Ermordung von bis zu einer halben Million Sinti und Roma im Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Bis 1963 galt ein Urteil des Bundesgerichtshofs, dass die Deportation der Sinti und Roma nicht als Verbrechen, sondern als "präventive Verbrechensbekämpfung" interpretierte.

Silas Kropf engagiert sich bei einer Jugendorganisation der Sinti und Roma "Amaro Drom" gegen Antiziganismus. Er will nicht, dass das Bild von Sinti und Roma auf Bettler aus Rumänien und Bulgarien reduziert wird. Trotzdem sagt er, es sei wichtig nicht nur die Vorurteile in den Fokus zu nehmen, sondern die eigene Community zu stärken, "die Menschen dahingehend zu unterstützen, dass sie erkennen, dass es gut ist, Teil der Minderheit zu sein." Das sei nichts ist, wofür sie sich schämen müssten, sondern etwas, das die Vielfalt in Deutschland prägt.