BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Die Alte Pinakothek zeigt Anthonis van Dyck als jungen Meister | BR24

© Bayern 2

Anthonis van Dyck war der herausragende Schüler von Rubens, in Antwerpen wurde er zum Teenager-Malerstar. Die Münchner Ausstellung zeigt, wie er von alten Meistern lernte, seinen eigenen Stil fand – und wie eindrücklich er einen MeToo-Moment malte.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Die Alte Pinakothek zeigt Anthonis van Dyck als jungen Meister

Anthonis van Dyck war der herausragende Schüler von Rubens, in Antwerpen wurde er zum Teenager-Malerstar. Die Münchner Ausstellung zeigt, wie er von alten Meistern lernte, seinen eigenen Stil fand – und wie eindrücklich er einen MeToo-Moment malte.

Per Mail sharen

Besser geht es nicht: Dadurch, dass sich das Doerner-Institut, die eigene Forschungsabteilung, gewissermaßen mit den Gemäldesammlungen das Haus teilt, kommt es immer wieder in jahrelangen Projekten zu bahnbrechenden Erkenntnissen und darauf aufbauend zu Ausstellungen. Diesmal lernen wir – natürlich auch mit vielen internationalen Leihgaben – den jungen Anthonis van Dyck kennen: Wie er in Antwerpen zum Teenager-Malerstar aufsteigt, unter anderem bei Rubens mitarbeitet. Wie er auf seiner Italienreise bis 1626 vor allem Tizians Arbeiten studiert. Die Gemälde, die van Dyck ab dem Umzug nach England 1632 geschaffen hat, fehlen, weil sie eben auch in der Münchner Sammlung nicht vertreten sind.

Teenager-Malerstar mit Vorbildern

Was sind die Erkenntnisse, die in dieser wunderbar das vergleichende Auge fördernden Ausstellung zu gewinnen sind? Mirjam Neumeister, die Kuratorin für flämische Malerei an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, kennt die Aktualität des angeblichen "alten Meisters" van Dyck. Sie meint, dass ihn vor allem der "experimentelle Charakter" seiner Malerei auszeichnet: "Natürlich sind die Älteren Vorbild, sind Inspirationsgeber und natürlich sind sie gleichzeitig etwas, was man überwinden will, weil man ja auch etwas Neues schaffen will. Das kann man bei van Dyck und eben auch in dieser Ausstellung an verschiedenen Beispielen zeigen und sehr gut ablesen."

Ein Beispiel: Da hängt ein Tizian – Maria mit dem Jesuskind – neben zwei Gemälden von van Dyck mit dem gleichen Sujet. Die Bilder unterscheiden sich schon deutlich. Indes: Die Landschaft im Hintergrund, der Griff des Kindes ans Gewand der Mutter, überhaupt das innige Verhältnis der beiden Figuren zueinander – da hat Anthonis van Dyck während seiner italienischen Phase von 1620 bis 1626 deutlich von Tizian gelernt.

© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München

"Susanna und die beiden Alten" von Anthonis van Dyck (1621/22)

Bild eines Übergriffs

Zurück zur Aktualität des alten Meisters: In "Susanna und die beiden Alten" liefert van Dyck ein Schaustück für die #MeToo-Debatte. Mirjam Neumeister hat diesem Werk eine ganze Wand gegeben: "Mit den beiden Alten, die die Susanna sogar tatsächlich berühren. Wir haben einen Finger auf der Haut. Das ist einfach eine absolute Grenzüberschreitung."

Die drei Selbstporträts des jungen van Dyck direkt nebeneinander sind ein weiterer Höhepunkt in der Alten Pinakothek München: Keiner konnte so wie er Gesichtsfarben und die Textur von Stoffen malen. Schräg gegenüber zwei Ganzkörperporträts eines unbekannten Ehepaars. Seit der Untersuchung durch Jan Schmidt vom Doerner-Institut heißen sie auch "die Ostereier", was an einer vor kurzem entdeckten eiförmigen Untermalung liegt. Anthonis van Dyck hat die Bilder mit neutralen, weißen Kopfflächen gestaltet, sonst war alles fertig gemalt, um auf spontane Porträtwünsche von Kunden schnell reagieren zu können. Es musste nur noch der Kopf darauf kommen. Rationeller konnte auch Andy Warhols Factory 350 Jahre später nicht arbeiten. Da wird uns Anthonis van Dyck wirklich ganz gegenwärtig!

Die Ausstellung "Van Dyck" ist bis zum 2. Februar 2020 in der Alten Pinakothek in München zu sehen.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!