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Antanas Škėma: „Das weiße Leintuch“

Sprachmächtig, poetisch, unvergesslich schilderte Antanas Škėma, einst selbst Emigrant in den USA, die Odyssee des Exilanten Antanas Garšva und führte Litauens Literatur mit „Das weiße Leintuch“ in die Moderne. Von Cornelia Zetzsche

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Auf und Ab des Lebens

„Der Aufzug fährt nach oben, der Aufzug fährt nach unten. Nicht alle Erinnerungen kamen zurück. Der Frühlingsschnee geschmolzen. Doch dann tauchte der starke Wunsch auf, das feuchte Atmen, die Akazien, die Nachtigall, die uralten Zeichen zurückzuholen. Ich muss von vorn anfangen."

Mit diesen Gedanken streift Antanas Garšva durch New York, ein litauischer Flüchtling, ein gebrochener Held, der seine Geschichte und die seines Landes mit sich trägt: die Verfolgung und Deportation unter Stalin, die Okkupation durch Nazi-Deutschland, das Leben als „Displaced Person“ in Deutschland. In New York ist er gestrandet als Liftboy in einem Hotel. Der Aufzug signalisiert das Auf und Ab des Lebens, Einsamkeit, Armut, Rettung.

„Am kleinen Finger der rechten Hand – ein goldener Ring, ein Geschenk seiner Mutter, ein Andenken seiner Großmutter. In dem Ring – eine Gravur: 1864, das Jahr des Aufstands.“

New York in der 50ern

Wie ein Ulysses streift Antanas Garšva durch die Straßen. Ein Gefangener seiner Erinnerungen und Traumata, auch Gedichte, Volkslieder, Kindheitsbilder sind immer gegenwärtig.

Das weiße Leintuch

Immer wieder taucht das Bild vom weißen Leintuch auf, seine Mutter hatte eins in der Hand, ein Baby ist darin eingehüllt. Eine Seele in ein weißes Leintuch gehüllt. Das ist Ihre Erlösung, sagt ein Fremder. Johannes Silberschneider liest in „radioTexte – Das offene Buch“ heute um 11 Uhr aus dem betörenden Roman, mit dem Antanas Škėma Litauens Literatur in die Moderne führte.

Antanas Škėma: „Das weiße Leintuch“, Übersetzung: Claudia Sinnig, Guggolz Verlag, 21 Euro