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"A Common Turn": phantastisches Debut-Album von Anna B. Savage | BR24

© Audio: BR / Bild: Ebru Yildiz, City Slang
Bildrechte: Ebru Yildiz/ City Slang

Blonde Haare, dunkle Stimme: Anna B. Savage wird zu Recht als große Hoffnung der britischen Songwriter-Szene gefeiert.

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"A Common Turn": phantastisches Debut-Album von Anna B. Savage

Drei Jahre lang hat sie an diesen Songs gefeilt: Ende Januar erscheint nun das Debut-Album von Anna B. Savage aus London, mit dunklen Songs über seltene Vögel und toxische Männlichkeit – und der Fortschreibung eines berühmten Leonard Cohen Songs.

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Von
  • Markus Mayer

Überaus deutlich und prononciert artikuliert Anna B. Savage, was sie umtreibt und bewegt, was sie denkt und fühlt. Was gemeinhin schwer zu fassen ist, spricht da jemand aus, mit einer gewissen Kühle und Verletzlichkeit in der Stimme – scheinbar ein Widerspruch, aber einer, der hinhören lässt.

Die junge Songschreiberin aus London wirkt stellenweise wie die jüngere Schwester von Jeff Buckley. Der frühverstorbene Rock-Sänger mit der farbenreichen Stimme war ein Emotions-Forscher, ein Gefühlsvirtuose, der sich einließ auf Abgründe und Höhenflüge menschlicher Existenz. In seinem Gesang machte er das erfahrbar. Dem folgt, wenn man so will, Anna B. Savage auf ihrem Debutalbum. "A Common Turn" heißt es, was eine Wendung ins Enttäuschende anzeigt, in die Niederungen des Alltags, die Nüchternheit ungeschönter Verhältnisse.

Anna B. Savage, das liest sich wie "Anna sei wild". Der abgekürzte, zweite Vorname ist zudem typisch für Akademiker, für Leute, die es gerne wären. Gleichzeitig persifliert der Name Upper-Class-Gehabe. Jedenfalls schreibt Savage Songs auch aufgrund von Lektüren. Nachdem sie Romane von Amy Liptrot und Tove Jansson gelesen hatte, erfand sie den Song "Corncrakes" – benannt nach einer Vogelart, die zurückgezogen lebt, selten singt und vom Aussterben bedroht ist. Ein ebenso poetisches wie episches Selbstportrait im Songformat, gewissermaßen.

Ein bisschen Bildung kann nicht schaden

In einem anderen Song paraphrasiert Savage eine berühmte Ballade des großen Leonard Cohen. In "Chelsea Hotel # 3" schreibt sie Cohens "Chelsea Hotel # 2" weiter und fort. Ein wenig popmusikalische Bildung kann also nicht schaden, wenn man diese Songs hört, nötig ist sie aber nicht. Dafür ist der melancholische Gesang von Anna B. Savage erstaunlich stark.

Anna B. Savage bezieht sich auf Songschreiber, die literarische Ambitionen mit musikalische Anliegen in Einklang brachten. Ihre Musik klingt rein, pur, ein wenig radikal beizeiten, immer aber ernst: Wer sagt denn, dass Pop immer nur quietschelaut, knallbunt und tanzbar sein muss?

Und dann das: Anna B. Savage covert mit der Vorab-Single zum Album, "Always On My Mind", einen Song, den Elvis Presley berühmt gemacht hat, ein Plädoyer für die einfachen Gefühle, für Nähe, Echtheit und Zwischenmenschlichkeit. Die Songschreiberin verblüfft also auch als höchst einfühlsame Interpretin, ansonsten kreisen ihre Songs um Selbstbestimmung, arbeiten sich an toxischer Männlichkeit ab, treten für das Ausleben weiblicher Sexualität ein.

Ein, auch musikalisch, umwerfendes Debut, das Anna B. Savage nach drei Jahren Arbeit da vorlegt.

© City Slang
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Albumcover von "A Common Turn" von Anna B. Savage

"A Common Turn" von Anna B. Savage erscheint am 29. Januar bei City Slang.

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